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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 09:22 Uhr

Weniger Zuweisungen : Nur noch 45 Flüchtlinge pro Woche

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zahl der Asylsuchenden in Flensburg ist deutlich zurückgegangen – und die Stadt prüft weitere Standorte für Unterkünfte

Verschnaufpause für die haupt- und ehrenamtlichen Helfer in Flensburg: Kamen in der ersten Januar-Woche noch 76 Flüchtlinge aus der Erstaufnahme in Neumünster, so nahm die Zahl in den darauf folgenden Woche rapide ab. Dieser Tatsache trägt nun auch die Stadt Rechnung. Bislang hatte man mit wöchentlich 90 Asylsuchenden kalkuliert, die untergebracht werden müssen. Diese Zahl ist nun halbiert worden. Sie liegt allerdings immer noch höher als im Herbst. „Bis April oder Mai werden wir auf dieser Grundlage mit den vorhandenen Ressourcen auskommen“, sagte Stadtsprecher Clemens Teschendorf gestern auf Tageblatt-Anfrage. Doch schon jetzt sei man dabei, neue Standorte zu prüfen. Wo diese liegen können, verrät Teschendorf nicht. „Wir wollen jedenfalls nicht in die Situation kommen, dass nur noch 20 Plätze vorhanden sind und plötzlich 50 obdachlose Flüchtlinge vor der Tür stehen.“ Insgesamt leben derzeit 1016 Geflohene in den Gemeinschaftsunterkünften sowie privat angemieteten Wohnungen.

Teile der im Bau befindlichen Flüchtlingsunterkunft am Ende der Graf-Zeppelin-Straße sind so gut wie bezugsfertig, wenn auch noch nicht vollständig eingerichtet. Die ersten beiden Häuser sind vom Bauherrn bereits übergeben worden (siehe Text unten). Die Stadt rechnet damit, ab Februar die ersten Flüctlinge eeinziehen können. Ursprünglich sollten die ersten Bewohner bereits Anfang des Jahres einziehen.

Die Einrichtung steht weiterhin in der Kritik. Mitte November bereits hatte Martin Behrens, Geschäftsführer eines Unternehmens im Gewerbegebiet „am Sophienhof“ und unmittelbarer Nachbar der Einrichtung, Einspruch bei der Stadt Flensburg gegen die Erteilung der Baugenehmigung erhoben, da nur die Erstellung des Fundaments genehmigt worden sei. „Es gibt keinen Bauantrag – und ohne Bauantrag ist keine Baugenehmigung möglich.“ Entschieden ist immer noch nicht über die Klage vor dem Verwaltungsgericht Schleswig, in der sein Rechtsbeistand eine sofortige Einstellung der laufenden Arbeiten fordert. Behrens macht, wie berichtet, verschiedene Gründe für sein Vorgehen geltend: So dürfe eine Sondererlaubnis zur Errichtung von Flüchtlingsunterkünften nur unter Würdigung nachbarschaftlicher Interessen umgesetzt werden. In diesem Fall empfehle das Innenministerium eine Zahl von maximal 100 Bewohnern. Die Stadt Flensburg steht indes auf dem Standpunkt, dass aus dem Vorhaben geschützte Nachbarinteressen nicht verletzt werden. Sie hatte ursprünglich mit einer Zahl von 380 Asylsuchenden geplant, wie Verwaltungssprecherin Berit Erichsen bestätigte. Inzwischen ist diese Zahl um 60 reduziert worden. So entfallen auf eine Wohneinheit zehn statt zwölf Menschen. „Der ganz große Druck ist weg“, sagte Berit Erichsen. Martin Behrens übt sich derweil in Sarkasmus: „Die Würdigung nachbarschaftlicher Interessen bestand wohl darin, die Nachbarn zu ignorieren.“

Als weiteren Grund, der gegen den Bau der Holzhäuser spreche, führt der Unternehmer den regen Kraftfahrzeugverkehr in der Sackgasse an. Dort sind unter anderem vier Speditionen, drei Versandhändler und ein Taxi-Unternehmen tätig. Hinzu kommt die Frequentierung durch Kunden und Klienten von Anwaltskanzleien, Steuerberatern oder Versicherungen. „Das Aufkommen hier ist enorm“, sagt Behrens und spricht von einem hohen Gefährdungspotenzial etwa für auf der Straße oder am Wendehammer spielende Kinder. Darüber hinaus bezweifelt er, ob der Standort wirklich auf Parameter wie Lärm- und Geruchsemissionen, Verkehrsanbindung oder soziale Infrastruktur geprüft worden sei.

So moniert er, dass die laut B-Plan angeordnete Straße 12,5 Meter breit werden sollte, davon nördlich ein 3 Meter breiter und südlich ein 1,5 Meter breiter Fußweg. „Sie wurde aber so nie gebaut, weil der vorhandene Knick als erhaltenswert beurteilt wurde.“ Zudem habe das im Auftrage der Stadt erstellte Lärmgutachten hat für das Grundstück einen Lärmpegel von 65 dB ergeben. „Ein Wohn- oder wohnähnliche Nutzung ist bei einen solchen Lärmpegel verboten“, sagt Behrens. „Man stelle sich ein Wohnhaus zwischen einer Tischlerei und einem Kfz-Betrieb vor.“ Im Übrigen habe er der Stadt eine Alternative am südlichen Ende der Straße Am Sophienhof empfohlen. „Dort hätte es wesentlich mehr Park-, Versorgungs- und Spielmöglichkeiten gegeben. Und kein störendes Gewerbe.“

Die Stadt hofft auf eine gerichtliche Entscheidung noch in diesem Monat und verweist darauf, dass das Widerspruchsverfahren keine aufschiebende Wirkung habe. Berit Erichsen: „Wir bauen weiter.“

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erstellt am 22.Jan.2016 | 10:57 Uhr

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