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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 12:38 Uhr

Entsorgung in Flensburg : Nordschrott-Pläne: Nachbarn in Sorge

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Anwohner fürchten Schadstoffbelastung durch neue Elektronikschrott-Behandlung an der Lilienthalstraße / Anhörung vorgezogen

Unter den Anwohnern rund um die Lilienthalstraße wächst die Skepsis gegenüber den Plänen der Firma Nordschrott. Das Unternehmen will in seine Palette der Schrottverarbeitung künftig auch die Erstbehandlung von Elektronikschrott aufnehmen. Eine Beeinträchtigung durch giftigen Staub, giftige Gase und weitere schädliche Materialien, eventuell sogar Radioaktivität, wird befürchtet. Für zusätzlichen Ärger sorgt die Tatsache, dass der für Freitag kommender Woche vorgesehene Anhörungstermin des Landesamtes für Landwirtschaft (LLUR) schon Anfang August stattgefunden hat, ohne dass alle Kritiker davon erfahren hatten.

„Dass sieht doch so aus, als seien die Nachbarn von der Behörde absichtlich ausgebremst worden“, ärgert sich Jörg Heubel, Anwohner der Nikolaiallee, der sich mit viel Energie in die Pläne der Firma Nordschrott hineinvertieft hat.

Heubel stieß vor Monaten auf eine öffentliche Bekanntmachung des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR), das die Genehmigung für die Änderung der Elektronikschrott-Verarbeitung erteilen muss. Jörg Heubel machte sich auf die Spur und schaffte es, sich den Antrag von Nordschrott an das LLUR zu verschaffen. Was er dort las, ließ ihn nicht gerade fröhlich an die Nachbarschaft zu dem Entsorgungsunternehmen denken. Die Firma will Elektro- und Elektronik-Altgeräte (Elektronikschrott) annehmen, eventuelle Schadstoffe entfernen, das Material schreddern und zur Wiederverwertung oder zur Entsorgung weiterleiten.

Auf Seite 17 fand Heubel eine Übersicht über Materialien, die ihn in Abwehrstellung zu dem Projekt brachte: quecksilberhaltige Bauteile, Batterien und Akkumulatoren, Asbestabfall und Bauteile, die Asbest enthalten, FCKW, „Elektrolyt-Kondensatoren, die bedenkliche Stoffe enthalten“. Die Sahnehaube entdeckte der Anwohner von der Nikolaiallee fast am Ende der Liste: Dort steht ganz und gar unverblümt „radioaktive Stoffe“. Für den streitbaren Anwohner stand fest: Hier muss etwas passieren. So entwarf er ein Flugblatt – „Das ist uns wichtig!“ –, das in der Nachbarschaft verteilt wurde, sie auf das Projekt aufmerksam machte und auf den Termin für die Erörterung mit den Bürgern hinwies: 17. August. Konsequenz war die Abfassung mehrerer Briefe von Bürgergruppen an das Landesamt, in denen die Sicherheit der Anlage in Zweifel gezogen wird. Die Briefeschreiber verwiesen auf mehrere Brände bei Nordschrott. Mit dem Hinweis auf eigenartige silberne Folienstreifen, die seit Jahren vom Firmengrundstück in die Umgebung flattern, ziehen die Anwohner die effektive Abkapselung der Anlage in Zweifel. Genannt werden zudem Lärm und Geruchsbelästigung.

Dem widerspricht der zuständige Sachbearbeiter des LLUR, Martin Rüter. Schon jetzt kümmere sich die Firma Nordschrott um den Elektronikschrott, der an den Flensburger Recyclinghöfen abgegeben wird. Jetzt werde das Material auf dem Hof, unter freiem Himmel, bearbeitet. Das geschehe in Zukunft in einer Halle, abgeschirmt von der Umwelt. Sowohl Rüter als auch Mitinhaberin Bente Lassen betonen, dass radioaktive Stoffe nicht auf das Gelände kämen. Gemeint sei eine Eingangskontrolle, die diese Stoffe entdecke und schon seit 20 Jahren beim Unternehmen Nordschrott Standard sei.

Bleibt nun die Frage nach der öffentlichen Erörterung. Sie wurde „wegen der Vielzahl der Einwendungen“ auf den 3. August vorverlegt. Jörg Heubel erreichte diese Information allerdings nicht.

 

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erstellt am 12.Aug.2016 | 23:45 Uhr

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