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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 09:20 Uhr

Neuer Neumann-Krimi: Mord auf der Rumregatta

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das maritime Flensburger Fest ist Hintergrundkulisse für die Ermittlungen von Kommissarin Helene Christ

Hätte Dieter Neumann während der Premierenlesung seines neuen Krimis aus den ersten Seiten gelesen, hätte er die Leser sofort gefesselt. Der illegale Export von Elektronikschrott, die menschenverachtende Rückgewinnung von Kupfer aus diesem Schrott, der langsame, qualvolle Tod der Farbigen im Giftnebel des schwelenden Schrotts – das geht unter die Haut. Und es setzt den Leser auf eine erste Spur, um welches Verbrechen es in diesem Buch geht.

Aber es kommt alles anders. Wer in einem Krimi überraschende, unvorhersehbare Wendungen liebt, dem wird das neue Buch von H. Dieter Neumann „Tod auf der Rumregatta“ gefallen. Wer lieber dezente, von den ersten Seiten an in die ganze Handlung eingewobene Hinweise mag, weil man so selber Schlussfolgerungen auf den Täter ziehen kann, der kommt mit diesem Buch nicht auf seine Kosten.

Neumann hat wieder seine Hauptfigur, Kommissarin Helene Christ, an die kriminelle Front geschickt. Sie und ihr Kollege Edgar Schimmel werden auf die Festmeile am Hafen gerufen, als hinter einem Toilettenwagen ein junger Farbiger mit eingeschlagenem Schädel entdeckt wird. Neben ihm ein Mann aus Lettland, offenbar sturzbetrunken und nicht ansprechbar. Der Tote liegt auf einem Stück Pappe, auf das das Wort „Drecksnigger“ gekritzelt ist. Der Täter und sein Opfer? Ein rassistisches Motiv? Autor Neumann schickt seine Protagonisten auf einen mühseligen Weg der Ermittlungen. Der Tote war Student an der Fachhochschule. Unter die Lupe nehmen die Polizisten verschiedene Spuren: das Umfeld auf dem Campus, wo sie eine Bekannte des Farbigen ausmachen; die Schonerbrigg „Aija“ aus Lettland: Bei Beobachtungen fällt die Brigg dadurch auf, dass sich an Bord nichts regt und rührt. Schließlich wird die rechtsradikale Szene des Grenzlandes durchleuchtet. Die Spuren führen Christ und Edgar ins Nichts – mit einer Ausnahme: die Freundin des Toten. Sie liegt tot in ihrer Wohnung in der Toosbüystraße, mit einem Stromkabel erdrosselt. Dann wird ermittelt, bis die Köpfe rauchen. Leider ohne Ergebnis.

Als die Polizisten wieder ganz bei Null anfangen wollen, arbeitet der Autor mit dem Mittel des Zufalls. Ein Student, im Nebenjob Kellner in einem vietnamesischen Restaurant, in dem sich die Polizisten Essen holen, erinnert sich an einen Nebenjob, den der Getötete hatte. Bei einer Durchsuchung finden die Beamten Unterlagen einer Harrisleer Spedition. Die Vernehmungen des Firmenchefs und seines Prokuristen bringen die Ermittler nicht weiter, aber dann – welch’ ein Zufall: Ein bekannter Enthüllungsjournalist steht am Zaun der Spedition. Er erklärt sich bereit, die Polizisten über illegale Geschäfte mit Elektronikschrott zu informieren. Die Verfolgung des Verdächtigen führt zum Showdown auf einer luxuriösen Segelyacht mit Kurs Sonderburg.

So kriegen sie doch noch die Kurve, die komplizierte Liebesgeschichte zwischen Kommissarin Christ und dem Segler Simon Simonsen kommt auch noch auf einen guten Weg.

Dass die erfolgreichen Ermittlungen die illegalen Praktiken beim Schrottexport zu einem Ende bringen, damit ist nicht zu rechnen. Das ist im wirklichen Leben ja auch ganz selten. Aber der Leser wird feststellen: Dieter Neumann hat wieder gut unterhalten. Und bei der Lesung ließ er wissen: Der Vertrag für Krimi Nr. 4 ist bereits abgeschlossen. Im März 2017 soll er erscheinen. Neumann: „Ich muss ihn nur noch schreiben.“ 
 

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erstellt am 06.Mai.2016 | 16:48 Uhr

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