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Flensburger Tageblatt

01. Juli 2016 | 15:35 Uhr

Erstes Album : Neue Töne aus einem alten Haus

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Basta Fou ist ein Sextett aus Flensburg, das es aus dem Stand auf die größte Bühne der Hofkultur schafft. Das erste Album kommt frisch aus der Presse.

Flensburg | Aus dem musikalischen Nährboden rund um die Flensburger Förde sind schon viele prächtige Pflanzen gewachsen. Doch so eine bunte, exotische wie diese namens „Basta Fou“ war schon lange nicht mehr dazwischen. Der erste Keim spross zwar schon im Jahr 2012, doch seitdem wuchs und blühte sie doch eher im Verborgenen. In diesen Tagen erscheint eine CD, und es ist kein Geheimnis mehr, dass die Band am Auftaktwochenende der Hofkultur im Hof des Schifffahrtsmuseums spielen wird.

Die Band probt in einem alten Haus an der Johannisstraße, in dem auch zwei Bandmitglieder wohnen. Im Probenraum steht ein altes Holzklavier, auf dem Holzfußboden liegt ein Kontrabass, unter einer der niedrigen Decken hängt ein alter Koffer, gegenüber ein schwarzer Hut. „Wir haben alle irgendetwas mit dem Holzhandwerk zu tun“, sagt Mike Pelzer. Ohne Technik geht es natürlich nicht: In der Ecke steht ein alter Verstärker, und im kleinen Nebenraum prägt ein ausgewachsenes Studio-Mischpult das heimelige Ambiente. Hier ist das Reich von Mike Pelzer, Pianist, Gitarrist, Sänger und vor allem Songschreiber von Basta Fou. Man übertreibt nicht, wenn man behauptet, Basta Fou ist seine Band.

Genau genommen ist sie seine zweite Band. Pelzer, im Hauptberuf Bootsbauer an der Harniskaispitze, schrieb in den frühen 90er Jahren ein Stück deutsche Indierock-Geschichte mit. Seine Band „M. Walking on the Water“, die bis heute existiert, war seinerzeit sehr erfolgreich live und in den Charts unterwegs. 2008 kam er mit seiner finnischen Lebenspartnerin Kaisa Ilmalahti (Akkordeon, Xylophon, Gesang) in den hohen Norden, gründete eine Familie, machte weiter Musik – und fing plötzlich an, deutsche Texte zu schreiben. Um diese live präsentieren zu können, brauchte er Musiker. „Wir trafen uns bei einer Open Stage auf einem alten Bauernhof“, berichtet er. Meta-Folk ist Mike Pelzers Lieblingsbezeichnung für die Musik von Basta Fou. Sogleich widerspricht Bassist Dennis Arp: „Ich finde, da ist auch Pop dabei.“ Richtig ist, dass akustische Instrumente dominieren: Gitarre, Klavier, Kontrabass, Trompete, ein sparsames Schlagzeug. Doch Ole Debes spielt auch E-Gitarre, und das Sextett lässt keinen Zweifel daran, dass es auch richtig abrocken kann.

Das liebevoll gestaltete CD-Album kommt wie ein kleines Buch daher. Man kann sich beim Hören durch 23 Seiten blättern, die einige Live-Fotos und vor allem alle Texte enthalten, die aber nicht als Verse, sondern wie ein Prosatext abgedruckt sind. Dabei sind die Texte sehr lyrisch, sehr poetisch und sie zeugen von alter Schule: „Ich verlier mich hier, kein Ort trägt deinen Namen, verlier mich hier auf Endlosautobahnen.“ Oder im Song „Acker“: „An einer weiß gedeckten Tafel versilbern wir jedes Problem bis wir dann endlich eingeschlafen im Strandkorb vor dem Hafen an der stillen grauen See.“

Nicht die Texte selbst, aber die Art, wie sie gedrechselt sind, die Kraft ihrer Poesie erinnern ein wenig an „Element of Crime“, die von Sigrid Gondesen-König gespielte Trompete übrigens auch. Der mehrstimmige Gesang ist ein weiteres Markenzeichen des Basta-Fou-Sounds. Den Bandnamen hat Mike Pelzer in dem Buch „Dirk III“ von Hans Domizlaff gefunden. Auf den Shetland-Inseln gibt es eine Bucht namens Basta Voe, aber das französische Fou gefiel ihm dann doch besser.

Im Probenraum dominiert eine wohltuende Entspanntheit, eine unaufgeregte Freundlichkeit, die Abwesenheit von Floskeln und geklopfter Sprüche. Nicht wirklich Rock’n’Roll, oder? Aber eben Basta Fou – eine echte Neuentdeckung aus Flensburg.

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erstellt am 19.Jan.2016 | 11:00 Uhr

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