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Flensburger Altstadt : Neue Hoffnung für alten Nacke-Hof

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Denkmalschützer sind in Sorge um einen der wichtigsten historischen Höfe Flensburgs – und hoffen mit den Investoren auf Sanierungsmittel.

Das Wort Dornröschenschlaf würde die Lage des einst stolzen Hofes Große Straße 48 dramatisch verniedlichen. Für den Dietrich-Nacke-Hof mit seinem – noch – komplett erhaltenen Ensemble aus dem 16. Jahrhundert tickt die Uhr. Und wer den fast hundert Meter langen Kaufmannshof von der Großen Straße Richtung Speicherlinie hinabwandert, muss sich nicht lange umsehen, um zu sehen, dass die Substanz von Schritt zu Schritt stärker gefährdet ist. Im Vorderhaus sind noch alle fünf Wohnungen beider Flügel bewohnt, im ersten Hinterhaus gerade noch der Nordflügel. Der Blick durchs Fenster in weiter hinten gelegene Speicher offenbart abgestütztes Fachwerk, vom benachbarten Brasseriehof sind auch Schäden im Dach klar erkennbar.

„Das ist einer der schönsten und wichtigsten Höfe aus der Zeit um 1600“, schimpft der auf historische Bausubstanz spezialisierte Architekt Jürgen Raddatz: „So einen Hof darf man nicht verfallen lassen.“

Nach Einschätzung von Denkmalschützern ist dieser Hof mit seiner einst gemischten Wohn- und Gewerbenutzung gut instandzusetzen – eine mittlere einstellige Millioneninvestition. Flensburgs Denkmalschützer Eiko Wenzel sieht den fortschreitenden Verfall mit wachsender Sorge. Er hofft nun, den Eigentümer mit einem Zuschuss aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ dazu zu bewegen, die Investition anzupacken: „Wir müssen sehen, wie unsere Förderkulisse in der westlichen Altstadt aussieht“, sagt er. Weiterer zentraler Bausteine dieses Programms dürfte neben der Südermarkt-Umgestaltung und dem Eckener-Haus auch der Sauermann-Hof Holm 62 sein.

Die Eigentümer-Familie Orthmann besitzt das Hof-ensemble seit 2010: „Der Zustand der Speicher war zu diesem Zeitpunkt bereits bedenklich“, sagt Finn Orthmann. Er berichtet, dass er seit mehr als drei Jahren mit dem Denkmalschutz der Stadt im Gespräch sei. „Allerdings war es nie möglich, die Ansprüche der Denkmalpflege mit einem einigermaßen wirtschaftlichen Konzept zu vereinen.“ Zuletzt wurde ein Sanierungsgutachten erstellt. Nötige Investitionen: rund 4,5 Millionen Euro. Der Modernisierungsvorschlag des Hamburger Architekten Jürgen Padberg sieht zwölf Wohnungen in den derzeit leer stehenden Seitenflügeln vor. Orthmann: „Leider ist das komplett unwirtschaftlich und wird ohne massive Zuschüsse nicht realisiert werden können.“ Dennoch zeigt sich die Orthmann–Familie weiter handlungsbereit: Finn Orthmann: „Wir halten einen erheblichen Betrag bereit, um in Flensburg und diese Liegenschaft zu investieren.“

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erstellt am 20.Mär.2017 | 05:59 Uhr

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