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Flensburger Tageblatt

30. September 2016 | 15:28 Uhr

Neue Heimat für das Luftschloss

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Verhandlungen über eine vorübergehende Lösung für die Bauwagen-Siedlung an der Husumer Straße 165 / Entscheidung bis Ende der Woche

Löst sich das Luftschloss-Dilemma in Wohlgefallen auf? Während in den sozialen Medien noch heftig über Räumung und Abriss gestänkert und gestritten wird, scheinen die Aktivisten gemeinsam mit der Stadt auf der Suche nach einem Plan B schon recht weit gekommen zu sein. Auf Anfrage bestätigte Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf , dass zur Zeit ein Areal an der Husumer Straße unter die Lupe genommen wird. „Wir halten unsere Zusage ein, bei der Suche nach einer Ersatzfläche behilflich zu sein“, so Teschendorf gestern.

Die zwangsweise geräumten Bauwagen-Siedler selbst hatten die städtische Fläche ins Gespräch gebracht. Am 5. Februar, zwei Tage nachdem sie das Gelände am Harniskai wegen der drohenden Zwangsräumung mit ihren Wagen verlassen hatten, reichten der gerade gegründete Verein Libertäres Kulturkollektiv Luftschlossfabrik und das Wagenforum Flensburg bei der Stadt einen Antrag auf Flächennutzung ein. „In Anbetracht der Notsituation der Wagenbewohner der Luftschlossfabrik stellen wir hiermit die dringliche Anfrage zur Nutzung des städtischen Grundstücks Husumer Straße 165 als Bauwagenplatz“, heißt es in dem betont sachlich gehaltenen Schreiben der Gruppe.

Die Fläche liegt im Dreieck zwischen der Westumgehung, Bahngleisen und der Husumer Straße, von der aus sie auch erschlossen ist. Der Landesbetrieb Straßenbau unterhält dort eine Filiale, daneben siedeln zwei private Unternehmen. Das aktuell abgesperrte Gelände beherbergte ursprünglich eine der städtischen Müllkippen – heute ein vom Nabu betreutes Biotop. Baumbewuchs, ein Teich, Sumpfwiesen und dichtes Gestrüpp herrschen hier vor, Platz für mobile Heime gibt es im südwestlichen Teil gleichwohl genug – ein idyllischer Platz wäre es wegen des ewige Verkehrslärms nicht.

Hier können sich die Wagenbewohner aber eine vorübergehende Siedlung vorstellen. So lange, bis – wie letzte Woche im Hauptausschuss beschlossen – „eine endgültige Entscheidung der politischen Gremien zu einer neuen Bauwagensiedlung in Flensburg getroffen wird“. Die Verwaltung verhält sich kooperativ. „Wir müssen da eine Reihe von Aspekten prüfen“, lässt Teschendorf wissen, „aber das wird nicht allzu lange dauern.“

Auch wenn es „nur“ Bauwagen sind: Die Anforderungen an das Grundstück entsprechen denen an feste Bauten. Geprüft werden u.a. Geräuschemissionen, Ver- und Entsorgung, eventuell zu berücksichtigende Nutzungseinschränkungen wie Waldgesetz oder Naturschutz. Bis Ende der Woche hofft man im Rathaus den Fragekatalog abgearbeitet zu haben. „Dann können wir sagen, ob die Fläche geeignet ist“, so der Verwaltungssprecher.

Dass diese möglicherweise geeignete Fläche erst nach der Räumung des Harniskais auftaucht, führt der Rathaussprecher unter anderem auf die verwaltungsinterne Zuständigkeit zurück. Das Thema Luftschlossfabrik sei bei der städtischen Tochter Gesellschaft für Stadterneuerung angesiedelt, das Grundstück Husumer Straße jedoch gehöre zum Fachbereich Vermögen. „Auf den ersten Blick erschließt sich die Eignung dieser Fläche aber auch nicht unbedingt“, sagt Teschendorf unter Hinweis auf den Faktor Verkehrslärm.

Ein bisschen Zeitdruck besteht schon. Die Flüchtlinge vom Harniskai, die ihre rollenden Heime kurz vor der Räumung auf einem Grundstückszipfel südlich der Europawiese in Sicherheit brachten, können dort nicht bleiben, werden aber geduldet, bis die aktuelle Fragestellung geklärt ist. Die Aktivisten hoffen jetzt, dass sie von dort gleich direkt ins neue Quartier fahren können. Damit werde auch eine einvernehmliche Lösung für die Situation an der Europawiese gewährleistet. Einige „verholten“ ihre Wagen aber gestern bereits zum Kühlhaus, andere nahmen Wohnungsmietangebote der Stadt an.

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erstellt am 10.Feb.2016 | 08:12 Uhr

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