zur Navigation springen

Flensburger Tageblatt

25. März 2017 | 22:58 Uhr

Kunst in Flensburg : Neue Heckel-Bilder aus den USA

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schenkung für den Museumsberg Flensburg: 41 bislang unbekannte Werke werden ab Juni in einer großen Ausstellung präsentiert

Pünktlich um 9 Uhr rollt der Lieferwagen der Kunst-Spedition Hasenkamp um die Ecke und beschert Michael Fuhr eine emotionale Melange aus Weihnachtsbescherung und Lotto-Hauptgewinn. Für den Direktor des Flensburger Museumsbergs ist dieser Freitag ein glücklicher Tag: Er darf als erster Kunstexperte überhaupt einen Blick auf 41 bislang unbekannte Werke des großen Expressionisten Erich Heckel werfen, die zudem ein Geschenk für das Museum sind und die er im Sommer in einer großen Ausstellung der Öffentlichkeit präsentieren wird.

Das unverhoffte Geschenk kommt aus Flemington/New Jersey, quasi vor der Haustür New Yorks. Dort leben seit Jahrzehnten die Erben von Erna Hoffmann, der Nichte von Sidi, Heckels Frau. Über die Jahrzehnte gelangten viele Bilder in die USA, ohne je durch die Hände eines Galeristen oder Kunsthistorikers gegangen zu sein. „Diese Bilder findet man in keinem Buch und auch nicht im Internet“, so Fuhr.

Der Kontakt zu den Heckel-Erben kam über die Heckel-Stiftung in Hemmenhofen am Bodensee zu Stande. Von dort kam auch der Vorschlag, die Bilder nach Flensburg zu geben, denn unter den 41 Werken sind mehrere Aquarelle, die die Flensburger Förde und auch den Hafen der Fördestadt zeigen. Heckel hatte von 1913 bis 1944 im heutigen Westerholz zeitweise ein kleines Bauernhaus direkt an der Steilküste bewohnt und dort die Landschaft, den Strand und die Badenden gemalt. „Er hat die Flensburger Förde als Motiv in die Kunstwelt eingeführt“, so Fuhr.

Zusammen mit Künstlern wie Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl hatte Heckel 1905 die einflussreiche Künstlergruppe „Brücke“ gegründet; 1906 kamen Emil Nolde und Max Pechstein dazu. 1907 zeigte das Flensburger Kunstgewerbe-Museum, Vorläufer des Museumsbergs, erstmals eine „Brücke“-Ausstellung. 15 Heckel-Bilder hat der Museumsberg bislang in seinem Bestand; mit der Schenkung wächst die Sammlung auf 56. Zu den 41 neuen Werken kommt noch ein Bild von Karl Schmidt-Rottluff, das dieser seinem Freund Heckel einst geschenkt hatte und das auch in den USA gelandet ist.

Es hat etwas Feierliches, wie die Hasenkamp-Fahrer die Kiste mit dem Akkuschrauber öffnen und die Großpappen vorsichtig auf den Tisch im Dachgeschoss des Museums legen. Fuhr hat eigens die Restauratorin Heike Binger zur Begutachtung jeder einzelnen Zeichnung, jedes Drucks und jedes Aquarelles bestellt. Volontärin Madeleine Städtler gleicht die Werke mit einer Liste ab; sie wird die Ausstellung zusammen mit Fuhr gestalten. Alle strahlen, begeistern sich an den frischen Farben der Landschaftsbilder, an der guten Qualität der Geschenke, auch an der professionellen Verpackung.

Viele Jahre hatte Heckel zum Jahreswechsel Grußkarten gestaltet, gedruckt und an die amerikanische Verwandtschaft; sie enthalten persönliche Widmungen des Künstlers, was die kleinen Blätter besonders wertvoll macht. Es gibt ein Bild von Sidi Heckels kleinem Bruder als Kind und ein weiteres derselben Person auf dem Sterbebett. Heckel wurde 87, seine Frau Sidi überlebte ihn um zehn weitere Jahre.

Ein Jahr hat es gedauert, bis die Geschenke in Flensburg waren; allein drei Monate habe der Transport gedauert. Der Vertrag wurde an Thanksgiving unterzeichnet. Die Ausstellung soll am 18. Juni eröffnet werden und ein halbes Jahr dauern. Zur Vernissage wird zumindest Christina Salerno, eine der Töchter Erna Hoffmanns, aus den USA erwartet.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 11.Mär.2017 | 07:28 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen