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Kirche und Nachkriegszeit in Flensburg : Neue Anfänge 1945? Kirche arbeitet Geschichte auf

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ausstellung ab 12. Januar in St. Marien zeigt die mühevolle Auseinandersetzung mit der NS-Historie - Grundlage ist ein bundesweit einmaliges Forschungsprojekt

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland setzt die Aufarbeitung der Geschichte ihrer nordelbischen Vorgängerkirchen in der Zeit des Nationalsozialismus und danach fort: Vom 12. Januar bis 9. Februar 2017 laden der Ev.-Luth. Kirchenkreis Schleswig-Flensburg und die Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Marien ein, die Wanderausstellung „Neue Anfänge nach 1945? Wie die Landeskirchen Nordelbiens mit ihrer NS-Vergangenheit umgingen“ und das umfangreiche Begleitprogramm in der St. Marien-Kirche zu besuchen. Spezielle lokale Präsentationen der Wanderausstellung nehmen Bezug auf die Vergangenheit in Flensburg, unter anderem wird es um den Denkmalstreit an St. Marien gehen. Eröffnet wird die Ausstellung am Donnerstag, 12. Januar, um 19.30 Uhr mit einer Einführung durch den Historiker Dr. Stephan Linck.

Wie viele Institutionen hatte sich auch die Evangelische Kirche längst kritisch mit ihrer Rolle im „Dritten Reich“ befasst. Doch was geschah nach 1945? Was wurde aus den handelnden Personen, worüber schwieg man sich im Norden lieber aus? Um dieser und weiteren Fragen nachzugehen, hat die damalige Nordelbische Kirche im Jahr 2008 den Historiker Dr. Stephan Linck beauftragt, den Spuren kirchlicher NS-Vergangenheit nicht nur in der Nachkriegszeit, sondern bis ins Jahr 1985 zu folgen – ein Forschungsprojekt, das bundesweit bislang als einmalig gilt.
Ein Ergebnis dieser Forschungsarbeit: Die Wanderausstellung „Neue Anfänge?“, die Prof. Dr. Stefanie Endlich, Monica Geyler-von Bernus und Beate Rossié konzipiert und realisiert haben. Sie alle sind Expertinnen, die in den vergangenen Jahren bereits mit mehreren Ausstellungen zum Thema „Kirche und Nationalsozialismus“ von sich reden machten.

Die Ausstellung dokumentiert in sechs Themenfeldern und auf 40 Tafeln die NS- und Nachkriegsvergangenheit der Evangelischen Kirche in Hamburg und Schleswig-Holstein. Unter anderem geht es darum, wie nach den Erfahrungen mit dem totalitären Staat um Wesen und Gestalt der Kirche gerungen wurde. Wie konsequent versuchte man, mit der menschenverachtenden Ideologie des Nationalsozialismus zu brechen? Gezeigt wird der mühevolle Weg von Auseinandersetzung und Dialog über Jahrzehnte, der schließlich zu einer Veränderung der Kirche führte.

Pröpstin Carmen Rahlf sagt: „Ich bin dankbar für die Ausstellung, mit der wir uns als Kirche unseren Verstrickungen und unserer Schuld stellen. Gerade diese Ausstellungskonzeption macht deutlich, dass Erinnerungskultur nicht beim Erinnern stehen bleibt. Sie muss auch in die Zukunft gerichtet sein und in der Gegenwart gestaltet werden. Ein gutes Beispiel dafür ist die mühevolle und schmerzhafte Auseinandersetzung in dem Flensburger Denkmalstreit von 1967. Durch die Ausstellung und das Begleitprogramm erhoffen wir uns Impulse für einen gut gestalteten heutigen Umgang mit Denkmälern.“

Die Wanderausstellung ist vom 12. Januar bis 9. Februar in der Regel montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr und sonnabends von 10 bis 12.30 Uhr in der St. Marien-Kirche zu Flensburg zu sehen. Auch werden Führungen für Schulklassen, Konfirmandengruppen und Interessierte angeboten.

Kontakt für Terminvereinbarungen: Propstei Flensburg, Silke Hansen-Rathmann, Telefon 0461-5030939, hansen-rathmann.verwaltung@kirche-slfl.de. 

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