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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 09:37 Uhr

Glücksburg : Neubaupläne in Bockholm: Bürger sind sauer

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Ein Investor will einstöckige Gebäude durch Häuser mit Staffelgeschossen ersetzen. Aufgebrachte Einwohner haben bereits 100 Unterschriften gegen das Vorhaben gesammelt.

Die Häuser der Feriensiedlung Bockholm sind in erster Linie eines: klein. Laut Aussage zahlreicher Anwohner soll das auch so bleiben. 37 Zuschauer waren jetzt zu einer Bauausschuss-Sitzung im Glücksburger Rathaus erschienen, darunter zahlreiche, denen ein Neubauvorhaben in Bockholm die Zornesröte ins Gesicht trieb. Ob die Stadt Glücksburg die Interessen von Investoren über die Interessen von Bürgern stelle, wurde gefragt. Ein anderer Zuschauer kündigte „erbitterten Widerstand“ gegen das Bauvorhaben an, sollte die Stadt es erlauben. Angesichts solcher Beschimpfungen und Drohungen könnte man auf die Idee kommen, in Bockholm werde ein zweites Intermar gebaut.

In Wirklichkeit hat ein Investor im letzten Jahr in Bockholm von einer Berliner Erbengemeinschaft vier benachbarte Grundstücke gekauft. Die Vermietung der drei dort befindlichen Ferienhäuser soll sich nicht mehr rentiert haben. Der Käufer, die „Projektgemeinschaft Bockholm GmbH & Co.KG“ plant den Abriss der drei eingeschossigen Flachdach-Häuser, die noch aus den 1970er Jahren stammen. Vier neue Häuser möchte sie bauen und dann weiterverkaufen. Die Grundfläche der Häuser wird dabei nicht vergrößert, wohl aber die Höhe um jeweils ein Staffelgeschoss. 6,40 Meter soll das höchste Gebäude messen, sagt Architekt Werner Schaffer. Die bestehenden Häuser sind nur etwa drei Meter hoch.

„Man nimmt uns die Sicht, wir werden vermehrt Schattenbildung haben“, klagt Oliver Grages, der nicht nur direkt neben der Ferienhaussiedlung wohnt – in einem 9,30 Meter hohen ehemaligen Bauernhaus – sondern auch Mitglied der Stadtvertretung ist. Das gleiche gilt für seinen CDU-Parteigenossen Andreas Puck. Wegen Befangenheit werden beide Politiker der Abstimmung, die voerst vertag wurde, wohl nicht beiwohnen. Um Zeit für Beratungen zu gewinnen, haben die Politiker bereits im vergangenen Herbst eine Veränderungssperre für das Gebiet erlassen.

„Wir waren alle erschrocken über die Auswirkungen des Bauantrages“, gibt Ausschussleiter Svend Colmorn zu. Die Stadt Glücksburg bat den Kreis, den Sachverhalt zu prüfen. Von dort kam jetzt grünes Licht. „Laut bestehendem Bebauungsplan hat der Architekt einen richtigen Antrag gestellt“, fasst es Friedrich-Wilhelm Wenner von der Kreisverwaltung in Schleswig zusammen. Zwar müssten sich Neubauten der vorherrschenden Eingeschossigkeit anpassen. Staffelgeschosse seien aber erlaubt. Laut Wenner sind jetzt Glücksburgs Politiker gefragt: „Wenn sie die Neubauten verhindern wollen, müssen sie Änderungen im B-Plan vornehmen.“ Eine Zwickmühle. Einerseits möchte man neuen Touristen attraktiven Wohnraum bieten. Auf der anderen Seite stehen 100 wütende Bockholmer – so viele Unterschriften haben die Anwohner gegen das Projekt gesammelt und der Stadt überreicht. Einige wohnen dauerhaft im Feriengebiet – ein weiterer Punkt, der für Zwistigkeiten sorgen könnte.

„Wir hoffen, dass sich die Stadt von dem psychologischen Druck frei macht und sich ordnungsgemäß verhält“, sagt Architekt Schaffer, dessen Sohn John einer der Investoren ist. „Unsere vier neuen Häuser sind absolut zeitgemäß. Es herrscht allgemein Nachverdichtung in der Branche. Neue Baugebiete werden kaum noch erschlossen, bestehende werden bauplankonform ausgebaut.“

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