zur Navigation springen

Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 20:32 Uhr

Landgericht Flensburg : Mutter ließ Vierjährigen drei Wochen allein - Bewährungsstrafe

vom

Eine 38-Jährige geht auf eine Party - und kommt wochenlang nicht zurück zu ihrem Sohn.

Flensburg | Sie war feiern. Ihr vierjähriger Sohn war solange allein in der Wohnung - und das wochenlang. Der Kleine ernährte sich von dem, was er so fand. Die 38-jährige Flensburgerin ist zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Die Frau habe sich des versuchten Totschlags durch Unterlassen in einem minder schweren Fall sowie der Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig gemacht, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Die Staatsanwaltschaft sah in dieser Vernachlässigung versuchten Totschlag und hatte drei Jahre und sechs Monate Haft gefordert.

Das Landgericht Flensburg sieht es als erwiesen an, dass die Frau im Spätsommer 2012 zu einer Party aufbrach und von dort drei Wochen nicht zu dem eingesperrten Jungen zurückkehrte. Die Feuerwehr rettete den Jungen schließlich. Erzieherinnen des Kindergartens waren misstrauisch geworden - und die Polizei stieß bei einer Drogenrazzia in der Wohnung des neuen Freundes zufällig auf die Spur der verschwundenen Mutter.

Wohl alle Lebensmittel in der Wohnung waren ungenießbar geworden. Fotos von einer ersten Begehung des Tatorts zeigen Essensreste, deren Ursprung unter dem Pilzbefall nicht mehr erkennbar ist. Weil die 38-Jährige den Gürtel der Hose des Vierjährigen so extrem eng geschnürt hatte, dass er ihn nicht selbst öffnen konnte, war der Junge in seinen Exkrementen gefangen. Die Folge waren schmerzhafte Entzündungen, Hautablösungen – mit den seelischen Folgen kämpft das Kind noch heute.

In ihrem letzten Wort bedauerte die Angeklagte die Tat. „Ich bereue wirklich, was passiert ist. Ich hoffe, dass ich hier noch mal eine letzte Chance bekomme“, sagte die Frau, die einem Gutachten zufolge jahrelang Drogen konsumierte und selbst als Kind geschlagen und eingesperrt wurde. Sie wolle sich nun einer Therapie unterziehen, sagte die arbeitslose Frau. Ihr Verteidiger beantragte nach eigenen Angaben eine Bewährungsstrafe. Er sah in der Tat lediglich einen Missbrauch von Schutzbefohlenen. Das Landgericht will noch am Nachmittag ein Urteil fällen.

zur Startseite

von
erstellt am 11.Mai.2016 | 15:12 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen