zur Navigation springen

Fischerei in Flensburg : Muschelfrieden für die Förde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Umstrittene Wildmuschel-Fischerei wird eingestellt - Land, Stadt und Kreis setzen künftig auf nachhaltige Bewirtschaftung des Fördegrunds.

Die Muschelfischerei in der Flensburger Förde soll sukzessive auf eine nachhaltige Bewirtschaftung des Meeresbodens umgestellt werden. Darauf haben sich Vertreter des Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (Melur) und die Unteren Naturschutzbehörden der Stadt Flensburg und des Kreises Schleswig-Flensburg am Donnerstag verständigt. Nach Angaben der Stadt Flensburg liegt damit die Muschelfischerei erst einmal auf Eis. Bevor es hier weiter gehen kann, so Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf, soll ein Konzept für die Bewirtschaftung des sensiblen Biotops entstehen.

Der Flensburger Fischereiverein und die linke Ratsfraktion hatten das Problem vor zwei Wochen publik gemacht. Knapp acht Jahre fischte hier zuletzt ein niederländisches Unternehmen mit Sitz im nordfriesischen Emmelsbüll-Horsbüll jährlich 1500 Tonnen Schalentiere von den Wildmuschelbänken der Innenförde. Mitglieder des Flensburger Fischereivereins wie auch Dr. Dennis Barnekow, Biologie-Dozent an der Europa-Universität und Mitglied des Flensburger Naturschutzbeirates, hatten die Nachhaltigkeit dieser Fischerei in Frage gestellt, dafür aber umso energischer vor nachhaltigen Schäden für das Ökosystem auf dem Meeresgrund gewarnt (wir berichteten).

Eine Ansicht, die besonders nach Besichtigung eines aktuellen Videos von muschelfreien Muschelbänken von Stadt und Kreis geteilt wurde. Beide sind seit Jahresbeginn für den Meeresboden zuständig, der im Bereich der Muschelriffs unter dem Schutz der europäischen Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie steht. Sie versagten dem Unternehmen – dessen Lizenz zum Jahresende abgelaufen und neu beantragt worden war – auch befristet eine Ausnahmegenehmigung und strebten ein klärendes Gespräch mit dem zuständigen Ministerium an.

Nach der Sitzung in Kiel ist klar: Leichter wird es für den Fischereibetrieb nicht mehr werden, die Natur aber bekommt erstmals nach 70 Jahren wohl eine große Verschnaufpause. Für die Zukunft steuern Stadt, Land und Kreis ein schonendes Modell an. „Dann wird der Betrieb nicht mehr Wildmuscheln auf den Riffs der Innenförde ernten dürfen, sondern nur noch Saatmuscheln“, kündigt Teschendorf an. „Das wäre für uns ein gangbarer Weg.“

In Abstimmung mit dem Kieler Ministerium gehe es jetzt darum, den Weg dorthin abzustecken. „Das wird sicher ein Prozess sein, der sich über einige Jahre erstreckt“, räumt Teschendorf ein. Sicher sei auch, dass künftig weniger als die bisher erlaubten 1500 Tonnen Miesmuscheln jährlich gefischt werden dürfen. Ziel sei der Aufbau von Saatmuschelbänken für die Produktion der beliebten maritimen Delikatesse. „Es wird noch eine Übergangszeit mit einer steigenden Ertragsbelastung hin zu den Saatmuschelbänken zu definieren sein“, so Teschendorf. „Am Ende werden wir das System komplett umgestellt haben.“ Noch im April wollen die Beteiligten die nächsten Schritte konkretisieren.

Damit kommen die Verwaltungen einem Antrag der Linksfraktion entgegen, die im nächsten Planungsausschuss beantragen wollte, vor einer Pro-Fischerei-Entscheidung eine Umweltverträglichkeitprüfung und Risikoabwägung vorzunehmen. Die Linken befürchten eine deutliche Verschlechterung der für die Tourismusregion wichtigen Gewässerqualität, wenn die Sauerstoff spendenden Gewässerfilter weiter kommerziell abgefischt werden.

Auch der Fischereiverein kann wohl mit der neuen Perspektive leben. Dessen Vorsitzender Horst Hansen wünscht sich nur, dass der Fang künftig auch in der Übergangszeit besonders schonend eingefahren wird. „Wenn sie unsere Fischerei nicht beeinträchtigen, haben wir gegen Saatmuschelkulturen gar nichts.“

zur Startseite

von
erstellt am 18.Mär.2017 | 07:18 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen