zur Navigation springen

Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 12:49 Uhr

FSG : Möglicher Stellenabbau: Wohin steuert die Flensburger Werft?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beschäftigte der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft fürchten Stellenabbau. Unternehmensführung will mit Arbeitnehmern über Pläne verhandeln.

Flensburg | Die Angst ist zurück – und mit ihr die Ungewissheit. Zuletzt hatte es so ausgesehen, als sei die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft mit neuen Aufträgen an Bord auf dem Weg in ruhigeres Fahrwasser. Zumindest aus Sicht der Beschäftigten. Doch nun könnten Umstrukturierungen und ein Arbeitsplatzabbau drohen.

Es würden Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der IG Metall geführt, sagte Rüdiger Fuchs, Geschäftsführer des Unternehmens am Donnerstag. Details wollte Fuchs nicht nennen, da er bei den Verhandlungen nicht vorgreifen wolle. In Teilen der Belegschaft ist von einem massiven Arbeitsplatz-Abbau zu hören. Doch die Frage danach ließ Fuchs gestern mit Verweis auf die anstehenden Verhandlungen unbeantwortet. „Es geht darum, die FSG auf die Zukunft vorzubreiten“, sagte der Manager. Hintergrund der Gespräche sollen ihm zufolge letztlich die Neubauprojekte sein, die bei der Werft ins Haus stehen.

Nach Informationen der sh:z-Zeitungsgruppe werden Mitglieder der IG Metall bei der Werft am Freitag ein Votum darüber abgeben, ob die Gewerkschaft in Tarifverhandlungen mit dem Unternehmen eintritt. Aufgrund des hohen Organisationsgrades der Belegschaftsmitglieder sind dafür zwei Versammlungen angesetzt. IG-Metall-Vertreter Michael Schmidt bestätigte dies am Donnerstag auf Nachfrage, ohne Details zu nennen.

Unbestätigten Informationen zufolge soll es bei den Verhandlungen um tarifliche Zusatzvereinbarungen gehen, die die Geschäftsführung kippen will. Auch von einem Stellenabbau in dreistelliger Größenordnung ist in Unternehmenskreisen die Rede. Ob es so kommt, ist ungewiss.

Den rund 750 Beschäftigten treiben die neuerlichen Vorgänge jedenfalls die Sorgenfalten auf die Stirn – auch weil Geschäftsführer Fuchs in seiner Karriere vor allem ein Krisen-Manager war. 2009 übernahm der ehemalige Airbus-Manager das Ruder bei der Sietas Werft. Zwei Jahre später meldete die Traditionsreederei Insolvenz an.

Es folgte die Geschäftsführung bei der P+S-Werft – diese begleitete Fuchs nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt in die Pleite. Am 1. Juli dieses Jahres wurde Fuchs Geschäftsführer der FSG – nachdem erst zum 1. Mai Alex Gregg-Smith in Flensburg übernommen hatte und damit Ulf Bertheau nachgefolgt war. Nicht zuletzt deshalb gibt es in der Belegschaft auch Zweifel, wohin genau die Werft eigentlich steuern soll.

Zuletzt sah es zwar gut aus für die FSG. Die Auftragsbücher haben sich in den vergangenen Monaten gefüllt. Vier Roll-on-Roll-off-Fähren müssen bis 2017 und 2018 fertiggestellt werden. Außerdem haben die Flensburger erst kürzlich den Auftrag eines irischen Unternehmens zum Bau einer Ropax-Fähre – also einer Roll-on-Roll-off-Fähre für Ladung und Passagiere – erhalten. Doch dem Vernehmen nach ist die Finanzierung der Schiffe zum Teil nicht gesichert.

Auch die Kieler Politik dürfte genauer auf die Vorgänge an der Flensburger Förde schauen. Schließlich hat das Land der FSG in der Vergangenheit mit Kreditbürgschaften aus der Klemme geholfen. „Die FSG ist einem schwierigen Weltmarkt unterwegs“, sagte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) am Donnerstag in Kiel auf Nachfrage. Bislang habe die Flensburger Werft es gut verstanden, sich Nischen zu suchen, versicherte der Minister. Auch weiterhin sei das Land bereit, beispielsweise mit Bürgschaften zu helfen. Auch an der Qualität der Werft-Eigentümerin, der Siem-Gruppe, ließ Meyer keine Zweifel.

Tatsächlich geht es dem norwegischen Mutterkonzern gut. Die offiziell auf den steuerlich günstigen Cayman-Inseln beheimatete Industrie-Holding verdient über ihre verschiedenen Tochtergesellschaften Millionen – vornehmlich in Norwegens Offshore-Öl-Bereich. Doch nicht zuletzt der Preisverfall des Öls hatte die Siem-Gruppe zuletzt zu Sparprogrammen und Umstrukturierungen bei mehreren Töchtern veranlasst. Inwieweit dies auch bei der FSG eine Rolle spielt, ist unklar. Bei zwei Roro-Fähren, die die Flensburger bauen sollen, ist die Siem-Gruppe immerhin selbst der Auftraggeber. Ende 2014 hatte sie die Werft übernommen, als die FSG Liquiditätsprobleme hatte.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Sep.2016 | 20:31 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen