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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 05:23 Uhr

Moderne Gladiatoren erobern die Stadt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit anderthalb Jahren wird in Flensburg beim Jugger mit Pomfern gegeneinander gekämpft

Wer am Donnerstagnachmittag durch den Carlisle-Park läuft, könnte sich fragen, ob er unbeabsichtigt 800 Jahre in die Vergangenheit gereist ist. Mitten auf der Wiese kämpfen junge Gladiatoren mit Stab, Schild und Kette mit Schwingkörper. Doch ist es weder Mittelalter noch ein Dreh für „Herr der Ringe“ oder einen Wikinger-Film. Die jungen Kämpfer spielen Jugger. Sie heißen Benjamin Flindt (23), Philipp Voß (33), Anna Hippler (22) und Sören Werner (26) und spielen mit selbstgemachten Polsterwaffen.

Jugger ist ein Mannschaftssport mit Elementen des Fechtens und Ringens. „Duellieren macht viel Spaß“, sagt Ben. Er kämpft mit der Kette. Seit Februar macht er mit. „Ich mag den sportlichen Kampf und die gute Stimmung.“

Der Sport basiert auf den Spielfilm „Die Jugger – Kampf der Besten“ von 1989. Regisseur und Drehbuchautor David Webb Peoples erfand das Spiel für die Handlung. Im Film sind die „Jugger“ die modernen Gladiatoren des 23. Jahrhunderts: Sie ziehen von Dorf zu Dorf, um gegen die Jugger-Mannschaft dort zu spielen. Bei einem Live-Rollenspiel hat eine Gruppe aus Heidelberg 1993 das Spiel aus dem Film das erste Mal imitiert. Inzwischen wird es nicht nur in Deutschland, sondern auch in Australien, Irland und Spanien gespielt.

Ziel des Spiels ist, den Jugg – den Spielball – so oft wie möglich in das gegnerische Tor zu bringen. Eine Jugger-Mannschaft besteht aus fünf Spielern. Ein Spieler ist der Läufer, die restlichen sind Pomfer. Allein der Läufer darf den Jugg berühren. Um ihn daran zu hindern, gehen die Pomfer mit gepolsterten Sportgeräten gegeneinander vor. Sie versuchen ihren Gegner mit ihrer „Waffe“ am Körper zu treffen. Spieler, die vom Gegenspieler mit einem Pomfen berührt werden, müssen fünf bis acht Trommelschläge auf dem Punkt hocken. Nur nach dieser Pause können getroffene Spieler weiterspielen. Weil die Spieler nicht genau sicher sein können, dass sie den Gegner berührt haben, ist Fairplay bei dem Spiel besonders wichtig. Wenn ein Spieler getroffen ist, soll er „Ab!“ rufen, um den Gegner zu informieren.

„Wegen des Fairplays ist beim Jugger die Stimmung ganz besonders“, erklärt Benjamin Flindt. „Nach dem Spiel sitzt man zusammen und grillt.“ Anna Hippler fügt hinzu: „Alle sind total lieb und freundlich. Es ist viel Adrenalin im Spiel. Man strengt sich an, und danach sind alle die besten Freunde.“ Beim Jugger umarmen sich die Spieler vor jedem Kampf. Die Teams haben kreative Namen: FKK „Fischkoppkrieger“ oder die WTF „Wütenden Tintenfische“, beide aus Kiel. Das Flensburger Team heißt NSA für „Nordische Sport Amateure“ und existiert seit anderthalb Jahren.

Oft werden weltweite oder europaweite Turniere organisiert. Seit Februar war der Pomfer Flindt schon bei acht Turnieren mit seinem Team, sogar einmal in Schweden. Und gerade ist die Gruppe zur „German Jugger Liga“ nach Jena gefahren und hat versucht, den Weltranglistenplatz der NSA zu verbessern. Dafür trainieren sie dreimal in der Woche jeweils drei Stunden. „Das erste Jahr haben wir nur verloren“, erzählt Anna. „Jetzt sind wir nicht mehr Letzter und manchmal nicht mehr Vorletzter“, sagt sie und lacht. Tatsächlich ist die Flensburger NSA vom 192. Platz von 400 Teams weltweit auf Platz 63 gestiegen.



>Wer mitmachen will, kann einfach vorbeikommen. Außer Sportkleidung und einer Flasche Wasser ist nichts mitzubringen. Trainingszeiten sind Dienstag 19.30 bis 22 Uhr in der Hohlwegschule, Donnerstag 16.30 bis 19.30 Uhr im Carlisle-Park am Bahnhof, Sonntag 14 bis 17 Uhr auf dem C-Platz des PSV. Mehr Informationen: beim Polizei-Sportverein.

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erstellt am 26.Aug.2016 | 12:15 Uhr

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