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Film eines Flensburger Studenten im Kino : Mit Kajak und Kamera zum Polarkreis

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Flensburger Student (23) paddelte über 1000 Kilometer an der norwegischen Küsten entlang gen Norden

200 Kilometer vor dem Ziel haben sie ans Aufgeben gedacht. „Viel Regen, viel Wind, es war kalt, wir waren entkräftet“, berichtet Eike Köhler. „Für einen Kilometer brauchten wir eine dreiviertel Stunde.“ Doch dann kamen aufmunternde SMS aus der Heimat, und die beiden paddelten weiter. Zusammen mit seinem Sportkamerad Sebastian Höfer ist der Student rund 1100 Kilometer von Bergen nach Bodø gefahren. Ein Film über das Abenteuer kommt jetzt ins Kino 51 Stufen.

„Into the Waves II“ heißt der 45-minütige Streifen, der am 21., 22. und 23. April jeweils um 14 Uhr im 51 Stufen zu sehen ist. In ihm verschmilzt der 23-jährige Kieler seine Leidenschaft mit seinem Studium. An der Hochschule Flensburg studiert er Medieninformatik im sechsten Semester; da lernt man auch das Filmemachen. Der 23-Jährige begleitet seit 2015 das Campuskino hinter der Kamera. Die hoch geheime Veranstaltung mit Kultstatus gibt es seit 2013, sie geht auf Professor Jim Lacy zurück, der den englischsprachigen Film auswählt. Ort und Zeit der Vorführung bleiben indes geheim; allerdings produziert das zumeist dreiköpfige Team der Hochschule kurz zuvor eine Art Teaser zum Locken und mit Daten für die geschlossene Gruppe auf Facebook – Eike Köhler filmt und schneidet häufig das Material zurecht.

Auf seinem 30-tägigen Extremtrip die norwegische Küste entlang hatte er neben Zelt, Schlafsack, Kochgeschirr, Klamotten, Wasser und Proviant auch fünf Kameras an Bord, darunter immerhin zwei Spiegelreflexkameras, die nicht zu den Leichtgewichten gehören.

Meist hatte Eike Köhler eine der Kameras greifbar. Ausnahme: die Passage durch das Stadhavet, die bei Norwegern gefürchtete Passage um das Westkapp. Dort stürmt es fast immer, und die Wellen sind hoch – gut drei Meter, schätzt Eike Köhler. „Da habe ich das einzige Mal nicht gefilmt, sondern mich auf das Paddeln konzentriert.“ Hinterher hätten ihnen einige Norweger entgeistert zugerufen „Ihr seid durch Stadhavet gefahren!“ Dort sind so viele Schiffe verloren gegangen, dass die norwegische Regierung erst kürzlich beschlossen hat, einen 1,7 Kilometer langen Tunnel durch die Halbinsel Stadland zu sprengen, durch den Kreuzfahrtschiffe fahren können. Kosten: 2,6 Milliarden Kronen.

Gekentert seien sie trotz Wind und Wellen nicht – und wenn, wäre es nicht das Schlimmste gewesen. „Ich beherrsche inzwischen 20 verschiedene Eskimorollen“, sagt Köhler. Gefährlich sei es, wenn man zu nah beieinander fährt und in einer unübersichtlichen Situation zwischen die Kajaks gerät. „Wenn man sich dann den Arm bricht . . .“

Mit 15 bekam Eike sein erstes Seekajak. „Vorher habe ich mir zum Geburtstag immer Kajaktouren gewünscht“, grinst er. Gleich nach dem Abitur wagte er seinen ersten Ostseetrip von Göteborg nach Helsinki, der zweite ging von Göteborg nach Bergen, der dritte war die Fortsetzung des zweiten. Um solche langen Touren zu bewältigen, brauche man die Einstellung, sagt er. „Man muss fast jeden Tag ins Kajak und kann nicht da bleiben, wo es schön ist.“ Nach ein paar Tagen komme man in eine Art „Expeditionsmodus“. Pro Tag sind die beiden im Schnitt 35 Kilometer gepaddelt.

Für das Bearbeiten der Rohaufnahmen habe er fast zwei Monate Vollzeit benötigt. Farbkorrektur, Sounddesign, Musik, Sprache und Text. Bei der Premiere im Kieler Studio-Kino seien immerhin 160 Zuschauer gekommen. Für die drei Flensburger Vorstellungstage hofft er augenzwinkernd auf nicht zu gutes Wetter.

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erstellt am 19.Apr.2017 | 08:37 Uhr

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