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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 19:29 Uhr

Flensburg-Engesby : Mit buntem Stoff ein Lächeln zaubern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Farbe und Trost für Eltern in einer schweren Zeit: Claudia Maier und Franziska Andresen nähen für Frühgeborene und Sternenkinder

Sie sehen ein bisschen aus wie Puppenkleidung. Doch die Strampler und Hemdchen sind extra für Frühchen und Sternenkinder genäht. Sie sollen spenden. Zwei Frauen stehen in einem Stoffladen in der Brahmsstraße in Engelsby. Sie sind auf der Suche nach bunten Stoffen, gerne bedruckt mit Autos, Eulen oder anderen fröhlichen, kindgerechten Motiven. Der Hintergrund ist ein ernster: Claudia Maier und Franziska Andresen nähen gemeinsam mit anderen Frauen winzige Hosen, Mützchen und Decken für Frühgeborene und Sternenkinder.

Es sei immer noch ein Tabuthema, obwohl es viele Betroffene gibt, sagt Maier. „Viele Babys sterben während der Schwangerschaft, während der Geburt oder kurz danach.“ Eine Freundin von ihr habe wenige Wochen vor dem Stichtag ihr Kind verloren, „das war so traurig“. Auch kenne sie viele Eltern von Frühchen. Die zum Teil winzigen Kinder in den viel zu großen Sachen zu sehen - diese Bilder lassen die dreifache Mutter nicht los.„Ich habe gedacht, es wäre so schön, etwas machen zu können.“ Die 35-Jährige informierte sich im Netz, fand einige Initiativen, aber keine in der Nähe Flensburgs. „Ich fand es aber wichtig, hier vor Ort etwas zu machen.“ Sie fragte beim Krankenhaus Diako in Flensburg an, ob Bedarf für selbstgenähte Kleidung bestand und erhielt positive Rückmeldungen.

Maier, Tagesmutter von Beruf und seit einigen Jahren leidenschaftliche Näherin, rief im April vergangenen Jahres im Internet Flensburger auf, das Projekt zu unterstützen. Mittlerweile hat die Initiative auf Facebook mehrere hundert Unterstützer. Viele nähen selbst oder spenden Stoffe. Auch in anderen Städten Deutschlands finden sich immer mehr Gruppen zusammen, die für Frühchen und Sternenkinder nähen.

„Das Bewusstsein hat sich gewandelt“, sagt Jan Salzmann, Beirat der Initiative Regenbogen. Die Initiative ist der Dachverband der Selbsthilfegruppen für Eltern, die ihre ganz kleinen Kinder verloren haben. Vor 25 Jahren sei die gängige Meinung noch gewesen, man tue den Eltern etwas Gutes, wenn man ihnen die toten Körper nicht zeige.

Oft wurden sie gar nicht bestattet, sondern über den Klinikmüll entsorgt. Mittlerweile sei es so, dass Sternenkinder auch als Menschen anerkannt werden, sagt Salzmann. Dass Eltern von Sternenkindern mit ihren Wünschen nach einem würdevollen Abschied unwillig behandelt werden, sei eigentlich die Ausnahme.

Die Initiative begrüßt das Entstehen der Nähgruppen vielerorts. „Sie helfen den Eltern“, sagt Salzmann. Einmal durch die Kleidung, andererseits sei das Nähen selbst für viele auch eine Art Therapie.

Andresen ist fast seit dem Anfang dabei. Die 27-Jährige aus Satrup ist Mutter eines eineinhalbjährigen Sohnes. Er lag nach einem Notkaiserschnitt selbst auf der Neugeborenen-Intensivstation. „Ich habe das alles hautnah mitgekriegt mit den Frühchen“, erzählt Andresen. Wie sie da lagen in den zu großen, tristen Krankenhaussachen. In ihr reifte der Wunsch, etwas zu tun.

Mittlerweile gehört sie zu den fleißigen Näherinnen und kümmert sich gemeinsam mit Maier um die Facebook-Seite. Hier wird über verfügbare Schnittmuster informiert, werden Nähtipps gegeben, aber auch Erfahrungen ausgetauscht.

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erstellt am 01.Aug.2016 | 10:00 Uhr

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