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Flensburger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 17:26 Uhr

Versatel-Kunden betroffen : Missbrauch von Fritzbox: Verbraucherzentrale warnt vor Hackern am heimischen Telefon

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Anrufe nach Kuba: Weil jemand ihre Fritzbox missbraucht hat, erhielt eine Familie eine Telefonrechnung über 890 Euro.

Grossolt/Flensburg | Die Verbraucherzentrale bittet Kunden der Firma 1&1 Versatel um Mitarbeit, um eine Sicherheitslücke bei Telefon und Internet zu schließen und um Kunden zu helfen, die von Unbekannten geschädigt wurden. Ein Kunde sah sich mit einer Rechnung von knapp 900 Euro von der Versatel konfrontiert – für ein zehn Stunden langes Dauertelefonat nach Kuba, das er nicht geführt hat.

Der Kunde und die Verbraucherzentrale gehen davon aus, dass er Opfer jener Sicherheitslücke geworden ist, die es Hackern ermöglicht, die als Router zum Telefonnetz und Internet genutzte Fritzbox zu knacken. Damit wird es möglich, über fremde Anschlüsse teure Telefonate zu führen. Die Verbraucherzentrale bittet Versatel-Kunden, denen das Gleiche passiert ist, sich mit ihr in Verbindung zu setzen.

Die üble Botschaft erreichte den Großsolter 1&1-Versatel-Kunden Maurice Laude scheibchenweise: Zuerst erhielt er einen Anruf des Telefonunternehmens, das ihm mitteilte, unter seinem Anschluss sei ein ungewöhnlich hohes Aufkommen an Telefonkosten aufgelaufen. Die nähere Suche ergab das erschreckende Ergebnis: Zusammengekommen war die satte Summe von 890 Euro. Eine ausgesprochen hohe Summe für einen Telefonkunden, der sonst im Monat rund 50 Euro zu zahlen hat. Nun galt es zu klären, wie diese Horrorsumme zustande kam.

Es stellte sich heraus, dass vom Anschluss der Familie Laude nach Kuba telefoniert worden war. Und zwar vom 2. Juli, Beginn 18.59 Uhr, bis in den frühen Morgen des 3. Juli. Zu der Zeit hatte Maurice Laude etwas Spannenderes zu tun als zu telefonieren: Er sah mit Freunden und Familie die Übertragung des Fußballspiels Deutschland-Italien bei der Europa-Meisterschaft im Fernsehen.

Und nun saß er da mit der Riesenrechnung. Maurice Laude war es schleierhaft, wie das passieren konnte. Sein Verdacht: Seine Fritzbox war gehackt worden. Wie das passieren konnte, ob über das WLAN oder über das Internet, kann er nur vermuten. Entsprechende Vorfälle sind seit Jahren bekannt. Angesichts dieser unklaren Lage nahm Maurice Laude Kontakt mit der Versatel auf. Als erste Vorsichtsmaßnahme ließ er die Anwahl von Auslandstelefonnummern sperren.

Weil er den Eindruck hatte, dass ihm das Unternehmen bei der Summe nicht entgegenkommen wollte, reichte Laude Widerspruch gegen die Rechnung ein. Hier gibt es nun doch eine Annäherung: Auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte der Pressesprecher von 1&1-Versatel, Klaus Kremer, den Vorgang und erklärte, wenn das Geschehen schriftlich geschildert werde, streiche die Versatel die Forderung. Das Unternehmen warte auf eine Beschreibung des Abends, an dem das Telefonat nach Kuba geführt wurde.

Die Schilderung, dass auch Freunde bei der Fernsehrunde dabei waren und belegen können, dass nicht telefoniert wurde, sei für das Unternehmen ein ausreichender Beleg. Als ersten Schritt habe 1&1-Versatel die Summe als „nicht mahnbar“ eingeordnet. Damit werde der Kunde bis zum Eingang seines Schreibens keine Mahnungen erhalten.

Bleibt noch die Frage nach der Sicherheit der Fritzboxen. Die Verbraucherzentrale dazu: Das Problem sei seit Längerem bekannt. „Einige Modelle des Internetrouters Fritz-Box der Firma AVM sind nicht sicher, so dass Dritte von außen darauf zugreifen können. Die Rechtslage ist für den Verbraucher schwierig“, so Boris Wita von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. So stelle sich die Frage, ob die Kunden die Software ihres Gerätes aktualisiert haben, oder ob dies der Anbieter übernommen habe. „Es kann sich auch um eine neue Sicherheitslücke handeln.“

Kremer riet dazu, regelmäßig auf der Internetseite des Herstellers AVM nach aktuellen Updates zu suchen und diese herunterzuladen.

Im Übrigen veröffentliche die Versatel auch auf ihrer Internetplattform Warnhinweise, wenn akute Vorfälle bekannt werden.

Trotz der positiven Entwicklung für die Familie Laude bittet die Verbraucherzentrale Flensburg Telefonkunden, denen Ähnliches passiert ist, sich mit dem Flensburger Büro in Verbindung zu setzen: Telefon 0461  /  286  04.

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erstellt am 26.Aug.2016 | 08:25 Uhr

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