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Flensburger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 15:47 Uhr

Millimeterarbeit  im Alex-Bauch

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Auf der Husumer Werft wurde gestern der alte Alex-Kessel entfernt. Schon im Dezember wird der Dampfer wieder in Flensburg erwartet.

Operation gelungen, Patientin im Dock. Gestern um 14 Uhr begann in Husum die Zukunft einer 108 Jahre alten Dame. An der Pier der Husumer Schiffswerft nahm der große Werftkran das Dampferherz an den Haken, das die „Alexandra“ 108 Jahre lang angetrieben hat. Der alte Kessel, 1908 bei Janssen & Schmielinski in Hamburg gebaut, wird in den nächsten Tage durch einen neuen Dampferzeuger ersetzt, der – ebenfalls in Husum – bei Wulff & UMAG gebaut wurde.

Für die Organentnahme hatten die Husumer Werftspezialisten zuvor ein exakt vier mal vier Meter messendes Loch quer durch alle Decks hindurch ins Schiff geschnitten. Alex-Kapitän Günter Herrmann, der den Museumsdampfer Anfang des Monats auf dessen erster Nordseefahrt überhaupt nach Husum überführt hatte, hatte das ziemlich mitgenommen. „Sie war reichlich zerrupft“, ließ er sich in die Dampferseele gucken. „Mit der Kettensäge durch die Teakdecks – es zerreißt einem wirklich das Herz, wenn man jetzt vor diesem acht Meter tiefen Loch steht.“ Das Gute ist: Die Alexandra wird in Husum entgegen dem Anschein ja nicht abgewrackt, sondern aufgebaut. Über 625  000 Euro investiert der Förderverein mit tätiger Hilfe des Denkmalschutzes, des Landes und vieler institutioneller und privater Spender für eine sorgenfreie Zukunft dieses einzigartigen Schiffs.

Noch besser: Nachdem der Kran in millimetergenauer Präzisionsarbeit den 24 Tonnen schweren Alt-Kessel auf die Pier gesetzt hatte, waren im erstmals wieder sichtbaren Kesselfundament keine gravierenden Schäden zu erkennen. „Das sieht ganz gut aus“, freut sich Herrmann. „Wir sind ja seit dem Kieler Werftaufenthalt gebrannte Kinder.“ Im Frühjahr hatte die Routineinspektion nach dem Sandstrahlen in der Kieler Friedrich-Werft einige schlimme, teure Rostschäden offenbart. Darauf kann der Förderverein, dessen finanzielle Kalkulation seit dieser Überraschung mit einem Mal Spitz auf Knopf steht, gerne verzichten. Ganz offensichtlich hatte die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft, die 1991 das Kesselfundament erstmals sanierte, gute Arbeit geleistet.

Für die Kranaktion hatten ehrenamtliche Helfer des Fördervereins bereits in Flensburg das Innenleben des Dampfers ausgeweidet, archiviert und für die Wiederverwendung eingelagert. In Husum wurden schließlich die letzten Kabel durchschnitten, Geräte und Instrumente abgebaut, die für die sichere Überführungsfahrt unverzichtbar gewesen waren. Nach dem nur 20 Minuten dauernden Eingriff gestern wurde das Schiff ins Dock gebracht. Hier soll in den nächsten Tagen der neue Kessel eingepflanzt und angeschlossen werden. Die Flensburger Alex-Helfer nutzen derweil die Zeit, um ausgebaute Teile wie etwa die auch „Rheumabank“ genannte Kesselverkleidung, wieder auf Vordermann zu bringen. Günter Herrmann rechnet damit, dass er sein Schiff im Dezember wieder in die Ostsee bringen kann. Bis zur Saison 2017 soll die Alex wieder im alten Glanz erstrahlen, da ist Herrmann nach der gelungenen Aktion gestern ganz zuversichtlich. „Sicher, das tat weh, aber es muss weh tun, damit es dann auch wieder nach vorne geht“.

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