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Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 14:59 Uhr

Ratsversammlung : Mehrheit setzt auf bestehenden Bahnhof

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Altes Gebäude soll aufgewertet, besser an das Bus-Netz angebunden und mit mehr Parkraum versehen werden

Alles Werben um einen weiteren Aufschub, und sei es nur um zwei Wochen, hat nichts genützt: Flensburgs neue Große Koalition– auch Lange-Koalition genannt – hat die angekündigte Entscheidung wahr gemacht und der Vision eines Fernbahnhofs in Weiche zusammen mit einem City-Bahnhof am Zob eine Absage erteilt. Stattdessen wollen SPD, CDU, Grüne und Linke auf den bestehenden Bahnhof setzen, diesen mit Millionenaufwand aufwerten, ihn besser an das Bus-Netz anbinden und mit zusätzlichen Parkplätzen versehen.

Als seltener Gast im Umwelt- und Planungsausschuss hatte Oberbürgermeister Simon Faber es sich nicht nehmen lassen, für seine Flensburger Bahn-Vision noch einmal persönlich zu werben. Die viel zu geringen Fahrgastzahlen in Flensburg – täglich 30 pro 1000 Einwohner im Vergleich zu 200 in Husum – seien auf die unattraktive Stadtlage des heutigen Bahnhofs zurückführen. Mit dem Neubau eines Fernbahnhofs in Weiche würden Züge auf der Jütland-Route von Hamburg nach Aarhus beschleunigt. Mit einer entsprechenden Forderung aus Flensburg hätten die Dänische Staatsbahn und DB Fernverkehr mehr Motive, die Versorgung auf der Route zu verbessern. Es gelte, die „einmalige historische Chance“ während des Baus der festen Fehmarnbelt-Querung zu nutzen; dann würden Züge der Vogelfluglinie über die Jütland-Route umgeleitet und fahren über Flensburg – oder an Flensburg vorbei. „DSB und DB Fernverkehr sollen sich gute Gedanken für Flensburg machen“, so Faber.

Er erinnerte daran, dass im Süden des Landes Milliarden für die Infrastruktur ausgegeben würden und man im Norden ein Gegengewicht bilden müsse. Die vorhandene Bahnanbindung nannte Faber „museal“ und „folkloristisch“.

Den Gegenentwurf vertrat Arne Rüstemeier (CDU). Der Fernbahnhof in Weiche sei ein „Traumschloss“, der Haltepunkt am Zob ein „Hirngespinst“. Der Grund für die niedrigen Fahrgastzahlen sei die lange Fahrtzeit nach Hamburg, bedingt unter anderem durch die Kanalbrücke in Rendsburg. Die beste Lösung der Flensburger Bahn-Probleme sei der heutige Bahnhof „in der Mitte der Stadt“.

Rüstemeier regte an, eine bessere Anbindung an die Osttangente zu prüfen; auch eine Tiefgarage unter dem Bahnhofsvorplatz sei vielleicht möglich. Forderungen nach weiteren Gutachten erteilte er eine Absage: „Ich glaube, das ist ein totes Pferd, das wir hier voll gegen die Wand reiten.“

Zwei Stunden lang diskutierte der Umwelt- und Planungsausschuss das Thema, ohne jedoch neue Aspekte zu liefern. Vehement warb Christian Luchs (FDP) für ein europäisches Bahnprojekt nach Vorbild der Euregio-Bahn in Aachen; man müsse das Bahn-Gutachten richtig lesen, um die darin enthaltenen Chancen zu sehen. Axel Kohrt (SPD) betonte, dass mit dem gefassten Beschluss außer dem City-Bahnhof am Zob alle anderen Optionen möglich seien – wie die Reaktivierung der Bahnstrecke nach Niebüll und ein Halt für Fernzüge in Weiche.

Pelle Hansen (Grüne) erinnerte daran, dass Flensburg, anders als Apenrade und Hadersleben, einen Fernbahnhof in der Stadtmitte habe. Mit der geplanten Bebauung im Bahnhofsumfeld lasse man die Stadt zum Bahnhof wachsen. Eine andere als die gefasste Entscheidung würde den bestehenden Bahnhof in Frage stellen und Investitionen hinauszögern.

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erstellt am 18.Nov.2016 | 08:51 Uhr

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