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Auguste-Viktoria-Schule in Flensburg : Maximale Aufregung um Mini-Demo gegen Massentierhaltung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Protestmarsch von einigen Schülern gegen Massentierhaltung ruft den Bauernverband und die Schulleitung auf den Plan.

„Wir Kinder aus der 5b finden, dass Massentierhaltung das Allerschlimmste ist. Die Tiere werden auf schreckliche Art und Weise gehalten und geschlachtet.“ Mit diesen Worten hatten Kinder der Auguste-Viktoria-Schule Mitschüler in einer Mail dazu eingeladen, am Sonnabend an einer Demo durch die Innenstadt teilzunehmen. Der Aufruf zog Kreise.

Über Umwege landete er auch beim Kreisbauernverband Flensburg, der sich in einem offenen Brief an die Elternvertreter wandte. Darin heißt es: „Leider drängt sich uns der Eindruck auf, dass hier sehr junge Schüler für politische Positionen einzelner Lehrer und Eltern instrumentalisiert werden sollen.“ Man bedauere diese Form der Polarisierung.

Julia Wolke ist Mutter von Anouk (11), ihre Tochter besucht die fünfte Klasse; sie meldete die Demo an, fungiert als offizielle Veranstalterin. Und kritisiert, dass die „Bauernlobby Druck auf die Schule ausgeübt hat, dem sich der Schulleiter gebeugt hat, um Ärger zu vermeiden“. Markus Eckert nämlich habe der Klasse nahe gelegt, nicht an der Demo teilzunehmen. Julia Wolke: „Er hat den Kindern ihr Versammlungsrecht ausgeredet – ein starkes Stück!“ Das findet auch Katja Quantz, deren Tochter Annika nach ihren Worten die Idee zur Demo entwickelt haben soll. „Es ist schlimm, wie die Tiere behandelt werden“, sagt Annika, „und ich fand, man sollte was dagegen tun.“

Tatsächlich erschienen am Sonnabend nur drei von 24 Schülern aus der 5b vor dem Schulgebäude; zusammen mit zwei Mädchen aus der Parallelklasse, zwei Müttern und einigen Mitstreitern zog der kleine, 16-köpfige Tross, eskortiert von Polizisten, in Richtung Innenstadt.

Einer von ihnen: Nils Conrad. Er ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und hat einst als Metallbauer bei der Errichtung von Massenschlachtanlagen mitgewirkt. „Ich weiß also, wie das abläuft mit dieser Form der Tierhaltung“, sagt der 31-Jährige, den schwere Gewissensbisse geplagt hätten und der daraufhin seinen Job schmiss und Vegetarier wurde.

„Für Mensch und Tier streiken wir!“ stand auf den Protestplakaten. Und: „Stoppt die Tierquälerei!“ Julia Wolke betonte in einer kleinen Ansprache, der Verbraucher solle sich einmal fragen, warum und wie Berge von billig produziertem Fleisch in den Supermärkten landeten. „Wir wollen das Bewusstsein für die Ursachen schärfen.“

Stille Beobachter: Landwirte Melf Melfsen, Thomas Hansen und Reimer Hansen (v.l.)
Stille Beobachter: Landwirte Melf Melfsen, Thomas Hansen und Reimer Hansen (v.l.)
 

Beobachtet wurde das Szenario von drei Landwirten. Von Melf Melfsen etwa, Vorsitzender des Bauernverbandes Husum-Eiderstedt. „Bin ich ein Massentierhalter?“, fragt er provokativ. Melfsen besitzt 200 Milchkühe, die in Laufställen mit Liegeboxen untergebracht sind, im Sommer weiden sie auf einer Wiese. Er weist auf den enormen finanziellen und mentalen Druck hin, unter dem die Bauern stünden, und bemängelt die gesellschaftliche Integration der ländlichen Räume. „Und wir finden es nicht gut, dass das Medium Schule für politische Arbeit benutzt wird.“

Dem widerspricht Schulleiter Eckert energisch. Schließlich habe es sich bei der Demo um eine private Veranstaltung gehandelt. „Wir versuchen, das Thema Landwirtschaft im Unterricht differenziert darzustellen – dazu gehört auch der Tierschutz.“ Den betroffenen Schülern habe er Exkursionen auf Höfe angeboten, um sich ein realistisches Bild zu machen. Viele Tiere zu halten, bedeute nicht gleich Massentierhaltung. „Vor allem aber ist es nicht so, dass ich irgendetwas untersagt hätte – das steht mir auch gar nicht zu.“

Auch aus dem Bildungsministerium verlautet, dass nicht zu erkennen sei, dass gegen das Schulgesetz oder andere Bestimmungen verstoßen wurde. „Das war ganz offensichtlich keine Schulveranstaltung“, so Pressesprecher Thomas Schunck, „das war privates Engagement.“

 

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erstellt am 06.Mär.2017 | 06:50 Uhr

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