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Flensburger Tageblatt

09. Dezember 2016 | 14:43 Uhr

Sanierung : Materialschlacht gegen Altlasten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kontaminierter Grund am Gleisdreieck in Weiche komplett ausgetauscht

Noch vor wenigen Monaten glich das ehemalige Bahnbetriebswerk in Flensburg-Weiche einer riesigen Kraterlandschaft. Kräne, Bagger und Sattelschlepper fuhren hier ein und aus, Geologen gaben sich die Klinke in die Hand. Jetzt weiden dort friedlich Ponys vis à vis benachbarter Kleingärten, dem einst kontaminierten Boden entsprießen zarte Gräser, das von Teeröl verseuchte Gleisdreieck ist zu einem fast idyllisch anmutenden Biotop mutiert.

Die Sanierung und Rekultivierung der 5000 Quadratmeter Fläche nebst Rückbau des Ringlokschuppens und Abriss der maroden Wagenhalle glich einer Herkules-Aufgabe. „Eine Materialschlacht“, sagt Christian-Peter Kisten vom Sanierungsmanagement der Deutschen Bahn. „Es war grenzwertig und mit Risiken verbunden.“ Er hatte die Gesamtleitung des Mammutprojekts, das am Ende drei Millionen Euro verschlang. Die nackten Zahlen verdeutlichen das imposante Ausmaß der Arbeiten: 40  000 Kubikmeter Boden wurden in bis zu 17 Meter Tiefe ausgebaggert, das Vakuum mit sauberem Sand verfüllt. „Zunächst haben wir fünf Meter tief oberhalb des Grundwassers konventionell ausgehoben“, sagt Kisten. In einem zweiten Schritt wurden in einem Spezial-Tiefbauverfahren insgesamt 1400 Waben mit einer Ramme in den Boden einvibriert, die das belastete Material zutage förderten. Sie waren am Ende schrottreif.

„Die Kontamination hatte sich durch die langjährige Bahnnutzung ergeben“, erläutert der Geologe Peter Schlie. 60 Jahre lang existierte das Betriebswerk, hier wurden die Dampfloks gewartet. „Wir hatten es mit teerölhaltigen Verbindungen und Verbrennungsrückständen in Form von Schlacken zu tun.“ Das belastete Material wurde zwischengelagert und schließlich auf dafür vorgesehene Deponien transportiert. Das Grundwasser war ebenso verseucht. „Die Qualität hat sich aber nachhaltig verbessert“, versichert Schlie. An drei Messstationen werden vierteljährlich Qualitätskontrollen durchgeführt.

Auch die Gebäude waren mit Schadstoffen wie Asbest belastet. Vor dem Abriss und dem Abtransport von 4000 Tonnen Schutt mussten artenschutzrechtliche Belange berücksichtigt werden. Es galt, den Lebensraum für Uhu, Kauz und Zauneidechsen zu erhalten. „Für die angegriffene Vegetation“, so Diplom-Geologe Thomas Hacke, „haben wir angrenzende Ausgleichsflächen geschaffen.“

Die Maßnahme hatte eine enorme Vorlaufzeit. Bereits im Jahr 2002 waren erste Probebohrungen durchgeführt, Akten gesichtet und Zeitzeugen befragt worden. Erst 2012 brachte die Bahn einen Sanierungsplan gemeinsam mit der Stadt auf den Weg. Bevor die Bagger anrollten, mussten einige Kleingärtner umgesiedelt werden. „Das klappte“, betont Sanierungsmanager Kisten, „völlig einvernehmlich.“

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erstellt am 09.Nov.2016 | 07:43 Uhr

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