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Flensburger Tageblatt

02. Dezember 2016 | 19:15 Uhr

Flensburger Sprachprojekt : „Mama lernt Deutsch“ – So kann Integration klappen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

ADS-Grenzfriedensbund bietet für Kita-Eltern in der Neustadt Sprachunterricht mit Kinderbetreuung

Sie kommen jeden Montag- und Dienstagnachmittag mit oder ohne Kopftuch, aber mit Kind und Kinderkarre – und können anderthalb Stunden Deutsch lernen, während ihre Kinder vom Säuglingsalter aufwärts nebenan von zwei Mitarbeiterinnen betreut werden.

In Flensburgs Multikulti-Kindergarten, der ADS-Kita Schulgasse in der Neustadt mit 70 Prozent Kundschaft mit Migrationshintergrund, ist – lange vor der großen Flüchtlingskarawane von 2015 – ein richtungsweisendes Integrationsprojekt entstanden. Es heißt „Mama lernt Deutsch“ und vermittelt Müttern der Kita-Kinder und anderen Einwandererfrauen aus der Nachbarschaft erste Deutschkenntnisse – und das bereits seit zwölf Jahren. Knapp zehn Frauen nehmen derzeit an dem ungewöhnlichen Deutschunterricht teil – mal kommen mehr, mal weniger.

Gestern ging es um Gegensätze, die die Deutschlehrerin Nicola Grubert vermittelte: dick oder dünn, klein oder groß. Unterrichtet wird mit Symbolkärtchen und vielen Gesten.

Frauke Tengler, neue Vorsitzende des ADS-Grenzfriedensbunds, ist begeistert von dem Projekt, das Integration befördern könne: „Die Eltern haben Vertrauen in die Kita, und die Erzieher haben Zeit“, so das Erfolgsgeheimnis. Die türkischen, kurdischen, syrischen, iranischen, afghanischen oder auch bulgarischen Frauen hätten nicht nur die Möglichkeit rauszukommen, sondern gleich auch erste Deutschkenntnisse mitzunehmen. Dann kommen sie nicht ganz unvorbereitet in die Integrationskurse von Volkshochschule und anderen Anbietern, die nach wie vor einen Engpass darstellen – und für manche mehrfache Mutter ohne Betreuungsangebot für ihre kleinen Kinder gar nicht erreichbar sind.

Das Sprachangebot in der Schulgasse ist ganz niederschwellig und alltagstauglich. Schließlich geht es auch darum, dass Mütter dem Kindergartenalltag mit allen Problemen und Problemchen auch folgen können. Neben klassischem Unterricht wird geübt, nach dem Weg zu fragen, einen Arzttermin zu machen oder nach dem Wohl des eigenen Kindes bei der Erzieherin nachzufragen.

Es geht aber auch mal zum Strand, um gemeinsames Kochen und Essen, aber auch um alltagspraktische Fragen aus dem deutschen Rechts- und Sozialsystem. „Der Sprachkurs ändert auch Haltung“, hofft Frauke Tengler.

Dabei hilft den Deutschlehrern und Erziehern immer, dass die Frauen der Kita positiv verbunden sind: „Sie werden mit Herz und wenig Worten willkommen geheißen“, sagt Nazli Süchting, die Flensburgs mutmaßlich bunteste Kita mit ihren drei Gruppen und 54 Kindern (und einer ziemlich langen Warteliste) seit sechs Jahren leitet.

Frauke Tengler und Gesa Görrissen, Chefin der 31 ADS-Kitas (davon fünf in Flensburg), hoffen nun, solch ein Angebot schon bald in weiteren Kindergärten machen zu können: „Wir überlegen, damit auch in andere Einrichtungen zu gehen“, sagt Görrissen. Die Kita Breedlandweg in Mürwik würde sich dafür zum Beispiel anbieten.

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erstellt am 27.Sep.2016 | 23:53 Uhr

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