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Flensburger Tageblatt

02. Dezember 2016 | 23:29 Uhr

Norderbrarup : Letzte Rettung vor dem Schlachter

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Die Ruruper Pferdeklappe nimmt vier abgemagerte Tiere auf. Neue Halter sind bereits gefunden.

Kaum ein Auge blieb trocken, als am Sonnabend gleich vier Pferde auf dem Hof der „Pferdeklappe“ in Rurup ankamen. Teilweise war ihr Zustand jämmerlich. Die Rippen standen vor. Die Nüstern sonderten Schleim ab. Und selbst Laien konnten Deformationen der Skelette erkennen.

„Ich bin so froh, dass du jetzt hier bleiben kannst“, flüsterte Conny van Wijlick einer 20-jährigen Fuchsstute ins Ohr, die viele international erfolgreiche Pferde zur Welt gebracht hatte. „So eine Stute müsste eigentlich mit Gold überzogen hier aufkreuzen“, fuhr sie fort. Stattdessen sei ihr Weg zum Schlachter bereits programmiert gewesen.

Währenddessen setzte sich Geschäftsführerin Petra Teegen bereits mit einem großen polnischen Warmblutwallach auseinander. Dieser war acht Jahre lang bei A-Springen erfolgreich gewesen. Danach musste er aber wegen familiärer Probleme seiner Besitzer in einem winzigen Pferch stehen. Dadurch ist seine Muskulatur fast verschwunden. Für den 780 Kilometer langen Transportweg war er warm verpackt und mit Reisegamaschen versehen worden. Warum er „Mister Spareribs“ genannt wird, konnte man an seinen Flanken sehen. Er kam erst in zweiter Instanz zur Pferdeklappe, denn der Metzger hatte ihn wegen zu wenig verwertbarem Fleisch zurückgewiesen.

Die Überführung der Tiere zur Pferdeklappe hatte Conny van Wijlick, die mit ihrem Mann Coen ein Pferdetransportunternehmen an der holländischen Grenze betreibt, ausgelöst. Es begann mit einer Transportanfrage für eine 14-jährige Embryotransferstute, bei der ihr Gegenüber bei der Besprechung der Feinheiten in Tränen ausbrach. Es wurde vermutet, dass das Pferd nach der Rückkehr ins Gestüt nach Italien zum Schlachter gebracht werden sollte.

„Wir fahren keine Tiere zum Schlachter“, stellte van Wijlick einen Leitgedanken ihrer Firma vor. Aber die Methode der Besitzer von Leistungsstuten, diese per Embryotransfer zu vermehren ohne deren Wettbewerbstätigkeit zu unterbrechen, war ihr bekannt. Sie wusste auch, dass nach dem 14. Lebensjahr diese Stuten gerne „ausrangiert“ werden, da danach die Möglichkeit von Fehlgeburten steigt.

Doch so sollte die dunkelbraune Traberstute nicht enden. Nach Rücksprache mit der Pferdeklappe startete man über Facebook einen Spendenaufruf. Und nach nur zwei Stunden war mit Spenden zwischen zwei und 300 Euro die Summe eingegangen, die man zum Freikauf der Stute benötigte.

Die vierte im Bunde war „Easy“, eine zwölfjährige Isländer Fuchsschecke, die eine Antibiotika-Resistenz entwickelt hat und deren Besitzer die hohen Tierarztrechnungen nicht mehr bezahlen konnten. Für sie war zumindest das Transportgeld bezahlt. Die restlichen Kosten übernahm das Transportunternehmen.

„Alle werden erst einmal von unserem Tierarzt Achim Gitzel untersucht und mit Medikamenten versorgt – soweit notwendig“, zählte Teegen die nächsten Schritte auf. Vermutlich müssten auch die Zähne behandelt werden. Bei mindestens einem Pferd seien Röntgenaufnahmen und vermutlich eine chiropraktische Behandlung notwendig. „Und natürlich werden sie bei uns auf breiter Front aufgepäppelt und erhalten die Möglichkeit zum freien Auslauf“, sagte Teegen.

Für die Zukunft der Tiere sieht Petra Teegen nur Gutes. Denn sie hat für alle vier Vierbeiner bereits neue Halter – sobald sie gesund oder deutlich auf dem Weg der Besserung sind.



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