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Flensburger Tageblatt

27. April 2017 | 09:13 Uhr

Klinik-Ost: : Laufen, bis der Arzt kommt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Marathon rund um das normalerweise gesperrte ehemalige Marinelazarett geriet zur Schlammschlacht

Der Veranstaltungsname „Lost Places Marathon“ war mehr Programm als den unbeirrbaren Laufenthusiasten vermutlich lieb war: Das regnerische Sonntagswetter hatte die Slalomstrecke rund um die und zwischen den Gebäuden der ehemaligen Klinik-Ost an Mürwiks Kelmstraße in ziemliche Schlammpfade verwandelt.

Lediglich elf Mutige (angekündigte dänische Mitstreiter waren zu einer Konkurrenzveranstaltung im Nachbarland ausgewichen) taten sich die 541 Meter pro Runde an, sieben davon 78 Mal als Vollmarathon von gut 42 Kilometern Länge, die anderen begnügten sich mit der Hälfte. Und alle konnten sich wirklich „lost“ (verloren) fühlen auf dem längst aufgegebenen, für die Öffentlichkeit gesperrten früheren Marinelazarett- und Klinikgelände – ohne Zuschauer und bei Schietwetter. Gleichwohl hauchten sie dem Ruinenareal, das bekanntlich seit Jahrzehnten leer steht und mehr oder weniger dem Verfall preisgegeben ist, mit ihrem Langstreckensport erstes neues Leben ein.

Dieser zwar rein sportliche Event kann aber gut für eine langfristige Wiederbelebung interpretiert werden, plant die Firma Dolphin Trust aus Langenhagen bei Hannover, ein auf Baudenkmale spezialisierter Projektentwickler, den Dornröschenschlaf des Filetgrundstücks neben der Marineschule in Kürze zu beenden: Vermutlich noch in diesem Jahr ist mit dem Beginn der Bauarbeiten für über 50 neue Wohnungen zu rechnen.

Für die „Marathonista“ also die einzigartige Gelegenheit, ihren Sport an ausgefallenen und zugleich preiswerten Locations in ungewohnter Atmosphäre in Flensburg zu leben. „Dieser Lost Place wird den Teilnehmern sicherlich als ein Highlight in Erinnerung bleiben“, sagte Christian Hottas, Initiator dieses Laufs aus Hamburg und mit über 2500 gelaufenen Marathons Weltrekordhalter dieser Disziplin. Der Allgemeinmediziner läuft nicht auf Zeit, sondern des Bewegungssports wegen. Die ursprünglich auf 490 Meter ausgelegte Strecke hatte er um einen Schlenker erweitert, damit weniger Runden gelaufen werden mussten. Nach einer Zeit von 1 Stunde, 57 Minuten und 20 Sekunden ging Björn Dau aus Ringsberg als Sieger des Halbmarathons durchs Ziel. „Außer in meiner Anfangszeit ist das der mit Abstand langsamste Halbmarathon, den ich je gelaufen bin – der Matsch wurde von Runde zu Runde ja nicht besser“, sagte er dennoch strahlend und hielt seine schlammverschmutzten Laufschuhe in die Kamera.

Beste weibliche Teilnehmerin im Halbmarathon war Claudia Heesch aus Padenstedt, Doris Hinz aus Eckernförde gewann auf der vollen Strecke mit einer Zeit von 5 Stunden, 21 Minuten und 33 Sekunden. Sieger des vollen Marathonlaufs der Männer wurde Steffen Rieder aus Engelsby, der sich kurzfristig zum Mitmachen entschlossen hatte; seine Zeit: 4 Stunden 13 Minuten, 29 Sekunden. „Normalerweise laufe ich um die drei Stunden 20 Minuten. Dieser Marathon aber war wahnsinnig kräftezehrend, fast wie ein Trail-Crosslauf.“


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erstellt am 06.Mär.2017 | 08:52 Uhr

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