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Vandalismus, Diebstahl und sexuelle Übergriffe : Künftig mehr Sicherheit: Kaffeehaus in Flensburg feiert Beerdigung und Wiedergeburt

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Das „schöne, alte Kaffeehaus“ in Flensburg ist Geschichte, teilt der Betreiber mit. Zu viel ist passiert. Ab Freitagabend wird einiges neu.

Flensburg | Das Kaffeehaus in Flensburg ist für viele Studenten und Flensburger ein Anlaufpunkt. Tagsüber Café, abends Club und Bar. Das Publikum seit jeher gemischt. Regelmäßig platzt der Laden aus allen Nähten. Das Kaffeehaus wirkt liberal, tolerant, offen und familiär. Das Bild der hippen Location aber ist getrübt. Vandalismus im Club und in der Umgebung brachten Hausbesitzer und Geschäftsleute gegen das Kaffeehaus auf. Vermehrte Diebstähle von Portemonnaies, Klamotten oder Handys sorgten für Ärger. Dann kamen auch noch sexuelle Übergriffe hinzu. Nun soll es einen Neuanfang mit neuem Sicherheitskonzept geben.

In einem emotionalen Statement auf Facebook prangert Betreiber Niels Becke die Missstände an, die einige der Besucher in der Vergangenheit verursacht haben. So dankt er den „Krawallbrüdern und Vandalisten“, den „Schmierfinken“ und „Typen, die ihre Hände nicht bei sich behalten können“ für die nun ergriffenen Maßnahmen, die er sich offenbar nicht gewünscht hat. Von einer „Beerdigung des Kaffeehauses“ ist die Rede. „Statt Kränze bitte ich um kreative Beiträge zum Aufbau einer neuen Gesellschaft“, schreibt Becke. Er sei tief erschüttert. Für eine Stellungnahme war der Kaffeehaus-Betreiber am Freitag nicht zu erreichen.

Wäre das nicht genug, randalierten offensichtlich auch bei der Beerdigungsfeier einige Gäste. Ein Bild auf Facebook zeigt eine Bierzeltgarnitur, die in einem zerstörten Fenster steckt. Der Tenor der Kommentatoren unter dem Beitrag auf der Seite: Unfassbar!

Neue Regeln im Kaffeehaus

Ab Freitagabend greift ein neues Sicherheitskonzept im Kaffeehaus. Gab es früher zwei Ein- und Ausgänge, so wird einer davon künftig durch einen Zaun versperrt. Am einzig verbleibenden Eingang werden zwei bis drei Sicherheitskräfte Ausweispapiere und Taschen kontrollieren. Auch sind Einlassstopps geplant, damit es im ohnehin kleinen Kaffeehaus künftig nicht mehr zu voll wird. Das bedeutet auch, dass es künftig Wartezeiten geben kann. Damit ist die Zeit der offenen Türen im Kaffeehaus dank einiger Weniger vorbei. So soll im Kaffeehaus wieder Ruhe einkehren.

Gäste trauern um das „alte Kaffeehaus“

Bei Facebook trauern einige Nutzer um ihr Kaffeehaus. Einer schreibt: „Für mich war das Kaffeehaus immer ein familiärer Ort, an dem ich nie etwas zu befürchten hatte. Es ist traurig zu lesen, dass es nun soweit kommen muss.“

Ein anderer meint: „Ich komme seit über 10 Jahren ins Kaffeehaus und bin immer gerne da gewesen. In letzter Zeit war es leider etwas anstrengend. Daher kann ich deinen Schritt, für die Sicherheit der Gäste und des Kaffeehauses durchaus verstehen. Das alte offene Kaffeehaus wird mir fehlen.“

Eine Nutzerin kommentiert: „Danke für die schöne Zeit, die Liebe und Toleranz. Das Kaffeehaus war immer ein Platz für jedermann und es ist einfach traurig zu sehen wie wir uns mit unserer Heuschreckenmentalität solche Plätze zerstören. Denn eigentlich ist es ein Platz an dem menschliche Mauern eingerissen und nicht Zäune aufgebaut werden. Schade das man diesen Schritt nun wirklich gehen musste.“

„Leider bleibt auch unsere kleine Oase nicht von der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung verschont“, schreibt ein weiterer Fan auf der Kaffeehaus-Seite. 

„Ja, schade! Jedoch denke ich, dass ich mich in Zukunft dadurch wieder besser aufgehoben fühlen könnte als die letzten Male. Ich war doch auch sehr erschrocken über die verschiedenen Übergriffe, die wir zwei Mädels im Laufe einer Stunde erfahren mussten. Das kannte ich bis Dato nicht vom Kaffeehaus“, schreibt eine Nutzerin.

Antonia M. wurde in der vergangenen Woche im Kaffeehaus eine schwarze Lederjacke gestohlen. Wie die 31-Jährige gegenüber shz.de sagte, war das Geschenk einer Freundin plötzlich weg. Am Ende sei das zwar ärgerlich, die Stimmung im Kaffeehaus sei allerdings trotz des Vorfalls sehr positiv gewesen. „Da waren sehr viele nette Menschen.“ Es sei schade, dass sich die Betreiber dazu genötigt sehen, solche Maßnahmen zu ergreifen.

Das Kaffeehaus-Team bittet um Verständnis für die Maßnahmen und will am Freitagabend die „Geburt des Kaffeehauses 4.0“ feiern. Mit DJ und Schnäpschen auf's Haus und ohne Zwischenfälle – hoffentlich.

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erstellt am 19.Aug.2016 | 17:55 Uhr

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