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Flensburger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 02:24 Uhr

Böse Überraschung zum Wochenende : Kritik und Querelen – Festival verlegt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Umsonst und draußen: Veranstalter sagen für Sonnabend geplantes „Rock4Peace“ ab und verschieben das Konzert auf den 10. September

Rock for peace! Es sollte alles friedlich werden. Doch dann brach ein verbaler Krieg in den sozialen Netzwerken aus. Ursache war die Verpflichtung umstrittener Bands wie „Berserker“ aus Berlin oder der Böhse-Onkelz-Revival-Band „Kneipenterroristen“, die neben sechs anderen Gruppen morgen an der Hafenspitze auftreten sollten. Der Veranstalter musste einiges an harscher Kritik einstecken. Mit Widerstand war zu rechnen.

„Wir hatten Hinweise aus der Politik, dass sich zwei Formationen im Graubereich der rechten Szene bewegen sollen“, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Ebenso habe es Indizien für eine geplante Gegendemo gegeben. Da half es auch nicht mehr, dass nach einem „Kooperationsgespräch“ mit der Stadt die betroffenen Musiker plötzlich nicht mehr im Line-up auftauchten. Eine Band wurde ausgeladen, bei der anderen, so die offizielle Version, sei der Drummer erkrankt.

Am 9. Juni gab „Rock4Peace“ via Facebook bekannt, dass beide Bands definitiv nicht auftreten werden, damit das Festival ohne Störungen durchgeführt werden könne. Bei der Veranstaltung handele es sich um eine Kundgebung gegen Terror, Krieg, Faschismus und Fremdenhass. Wenn dieser Sinn ins Hintertreffen gerate, „weil sich verschiedene Gruppierungen wegen des musikalischen Ablaufs anfangen zu bekriegen, dann wird Rock4Peace dies nicht zulassen“, so heißt es.

Vorgestern schließlich die Absage des geplanten Termins. Die Begründung klingt etwas abstrus: Die Organisatoren seien „zutiefst erschüttert, wenn in den letzten Tagen gewaltsame und hinterhältige Terroranschläge wie in Orlando oder in Paris geschehen, viele Menschen getötet und verletzt wurden und tatsächlich eine ganze Reihe an verschiedenen Gruppierungen nichts Besseres zu tun hat, als über den Auftritt von zwei Bands weit unter der Gürtellinie zu diskutieren, sogar massive Drohungen auszusprechen. Damit Ruhe einkehrt und somit der Grund vom Rock4Peace wieder in den Vordergrund rückt“, habe man beschlossen, das Ereignis auf den 10. September zu verschieben.

Mitveranstalter Christian Fischer geht ins Detail: Obwohl man eingelenkt habe, sei man aus dem linken Spektrum mit potenzieller Gewalt konfrontiert worden. „Wir wollten lediglich eine Friedensdemo auf die Beine stellen und wurden extrem an den rechten Rand gedrückt“, sagt der 43-Jährige, der als Unternehmer im Garten- und Landschaftsbau tätig ist. Über besagte Bands hätten er und seine Partner(bei denen es eine Schnittmenge mit den Machern des Wallsbüll Open-Air gibt) sich natürlich informiert. Einer dieser Partner sagt: „Wir kamen zu dem Schluss, das ist guter Deutsch-Rock, die kann man einladen.“ Nie und nimmer wäre man auf rechtsradikale Bands zugegangen. Für das Scheitern der Veranstaltung macht Fischer primär das Vorgespräch mit der Stadt verantwortlich, an dem Vertreter der Stadtverwaltung, Polizei und Heinz-Werner Jezewski (Die Linke) in beratender Funktion anwesend waren. Dort sei den Organisatoren nahe gelegt worden, auf den vor dem Konzert geplanten Musik-Umzug mit beschalltem Sound-Truck von der Exe quer durch die Stadt zur Hafenspitze, zu verzichten. Eine „Peace-Parade“ als unnötige Provokation? „Da tauchten plötzlich Fragen auf, bei denen ich dachte: Oha, jetzt muss man aufpassen. Jetzt gibt’s Rambazamba!“

Besonders Jezewski habe ein Feuer entfacht und Angst geschürt, dass alles eskalieren würde.“ Der so Gescholtene kontert ganz trocken, dass er lediglich auf die Gefahr einer Gegenbewegung hingedeutet habe. Dem Veranstalter hätte klar sein müssen, dass er mit den verpflichteten Bands rechtes Publikum großflächig anziehen würde. Die Folge: „Das Bündnis buntes Flensburg hätte genauso mobil gemacht wie die Antifa.“

Die Antifa als Kämpfer gegen eine Demo gegen Faschismus – eine völlig absurde Vorstellung. „Von links nach rechts geht das heutzutage ganz schnell“, meint Christian Fischer, der sich selbst politisch nicht festlegen will. "Die Flensburger Politiker halten sich heraus“, so sein Vorwurf. „Wir brauchen sie aber hinter uns.“ Damit dies gelinge, wolle man die Monate bis September nutzen, um einen weiteren Versuch zu wagen. „Wir haben 1000 Arbeitsstunden investiert, Geld von Sponsoren und viel Herzblut“, sagt Fischer und man spürt Bitterkeit. „Das ist einfach zertreten worden.“








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erstellt am 17.Jun.2016 | 08:46 Uhr

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