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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 13:35 Uhr

Kinder schützen und begleiten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Haus der Familie sucht ehrenamtliche Helfer für eine Patenschaft / Ehrenamtler bieten den Mädchen und Jungen eine stabile Bezugsperson

Kindern psychisch kranker Eltern Rückhalt zu geben, das ist das Ziel der Ehrenamtler von „Pateneltern“. „Unser Problem ist, das wir aktuell zu wenig Paten haben für die Menge an Familien, die Hilfe bei uns suchen“, sagt Gesa Görrissen, Leiterin des Hauses der Familie. Die Institution vermittelt und begleitet seit über zehn Jahren Patenschaften.

Neben dem Pateneltern-Projekt gibt es auch „Patenschatz“. Dafür werden Ehrenamtler gesucht, die eine Bezugsperson für Kinder aus Familien werden wollen, die unter einer besonderen Belastung stehen. „Wenn ein Geschwisterkind krank ist, die Eltern sich trennen oder es nur einen Elternteil gibt.“

Das Ziel der Patenschaft ist es, den Jungen und Mädchen die Erfahrung einer verlässlichen Beziehung zu vermitteln. „Es geht darum, das Patenkind zu entlasten. Sie müssen nichts Großartiges mit den Kindern unternehmen“, sagt Lena Dost, Patenschatz-Koordinatorin. „Sie können etwa zusammen in den Park gehen, gemeinsam Spiele spielen und Hausaufgaben machen. Die Kinder sollen die Gelegenheit haben, einen anderen Alltag kennen zu lernen. Zum Beispiel wenn sie sehen, wie es möglich ist, Ordnung zu halten, wenn die Mutter ein Messie ist. “

Die Paten treffen sich mindestens einmal wöchentlich mit ihrem Kind. „Wenn sie eine stabile Beziehung zueinander aufgebaut haben, treffen sie sich auch mal am Wochenende. Das zeigt die Erfahrung“, schildert Louisa Kleesiek, Koordinatorin von Pateneltern. Aber das sei keine Pflicht. „Kinder und Pate sollen sich nicht überfordern“, ergänzt die Leiterin des Hauses.

Die Frauen und Männer, die dieses Amt übernehmen, werden nicht ins kalte Wasser geschmissen. Sie bekommen an drei Abenden eine Schulung und können sich jederzeit an die Mitarbeiterinnen des Hauses der Familie wenden, wenn sie Unterstützung benötigen. „Das kann etwa dann sein, wenn bei den Eltern der Patenkinder die psychische Krankheit wieder stärker wird“, sagt Kleesiek. Das würden auch die Ehrenamtler in der Arbeit mit den Kindern mitbekommen. „Deshalb müssen die Paten auch belastbar sein und sich abgrenzen können.“

Die Schulung hilft ihnen dabei. Dort lernen sie, was es für psychische Krankheiten und Probleme gibt und wie die sich auf das Kind auswirken können. Dazu werden auch Spezialisten eingeladen. Am letzten Abend der Schulung kommen die erfahrenen Paten zu Wort. „Sie geben den neuen Ehrenamtlern einen realistischen Eindruck von der Arbeit, berichten von den Herausforderungen und den eigenen Gefühlen in der Patenschaft“, schildert Louisa Kleesieck.

Auch nach dem Lehrgang stehen die Paten nicht allein da. Sie bekommen regelmäßig Feedback und es gibt Patenabende. Dann treffen sie die Ehrenamtler und haben Gelegenheit über Sorgen und Bedenken zu sprechen. „Sie geben einander Ratschläge, quasi Hilfe zur Selbsthilfe.“

Wer Pate werden möchte oder Fragen dazu hat, meldet sich für das Projekt Pateneltern bei Louisa Kleesiek und für „Patenschatz“ bei Lena Dost. Beide sind telefonisch unter 0461/503260 zu erreichen. Voraussetzungen für das Ehrenamt sind neben der psychischen Belastbarkeit auch der Nachweis eines einwandfreien polizeilichen Führungszeugnisses. Des Weiteren wird der künftige Pate von einer Mitarbeiterin des Haus der Familie zuhause besucht. „Das machen wir, weil die Kinder meistens zu den Ehrenamtlern kommen“, so Kleesiek.

Die Rückmeldungen von den Paten sei bisher durchweg positiv. „Die Kinder und ihre Ehrenamtler sind glücklich. Sie sehen, wie die Kinder sich im Laufe der Patenschaft weiterentwickeln.“ Sie dauern über Jahre an, die längste hält bisher sieben Jahre. Häufig hielten ihre Freundschaften auch über das Projekt hinaus. Leiterin Gesa Görrissen: „Allein der Blick auf die Zahlen zeigt den Erfolg. Paten hörten bisher nur aufgrund von Umzügen auf, ansonsten blieben alle dem Projekt treu.“

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erstellt am 14.Sep.2016 | 12:11 Uhr

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