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Flensburger Tageblatt

06. Dezember 2016 | 13:09 Uhr

Plagiatsvorwurf : Kielfisch kontra Schleifisch: Kurioser Streit um das Gräten-Logo

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Rechtsstreit zwischen einem Kieler Goldschmied und einem Flensburger Designer geht in die dritte Runde.

Flensburg | Viele Fische verderben den Brei. Besonders dann, wenn es sich um Gräten-Logos handelt, die in hundertfacher Variation weltweit verbreitet sind. Ganze Schwärme an Designern haben sich daran versucht – doch in dieser Flut wird es immer schwieriger, das ersehnte Alleinstellungsmerkmal herauszuarbeiten.

Als Hecht im Karpfenteich erweist sich der Kieler Goldschmied Olaf Heichert (49), der das Original in Form des von ihm entwickelten „Kielfisches“ für sich beansprucht und die Konkurrenz der Markenrechtsverletzung bezichtigt. So hat er den Flensburger Grafik-Designer Rainer Hummel vor den Kadi gezogen – und den Prozess vor dem Landgericht Kiel prompt verloren. Doch ein Ende der juristischen Auseinandersetzung ist noch lange nicht in Sicht.

<p>Wer hat's zuerst erfunden? Darüber sind sich die Designer vom Kiel- und Schleifisch uneins.</p>

Wer hat's zuerst erfunden? Darüber sind sich die Designer vom Kiel- und Schleifisch uneins.

Foto: Olaf Heichert/Rainer Hummel
 

Der Rechtsstreit geht jetzt in die dritte Runde. Für Rainer Hummel ein kleiner Alptraum. Denn als er vor zwölf Jahren die Idee für den „Schleifisch“ entwickelte, waren die Folgen unabsehbar. Das Logo sei ursprünglich für ein Restaurant entwickelt worden, sagt er. Doch die Gaststätte wurde nie eröffnet, und der Fisch schlummerte zehn Jahre lang stumm in der Schublade. Erstmals tauchte er auf der Titelseite des Schlei-Journals wieder auf. Farbig und in vollendeter Ausformung.

Doch die Freude darüber währte nur kurz. Drei Wochen nach Veröffentlichung flatterte Hummel eine Unterlassungserklärung und einstweilige Verfügung ins Haus, die er gerade noch abwenden konnte. Nachdem er im Markenrechtsstreit obsiegen und auch den Widerspruch gegen die Eintragung beim Patentamt abwenden konnte, drohte der nächste Schlag aus Kiel: Olaf Heichert polemisierte auf der Startseite seiner Homepage, Nachahmer hätten seine Stilelemente übernommen. Ein Seitenhieb nicht nur auf Kreationen wie den Syltfisch, Usedomfisch, Eckernförde- oder Ostseefisch, sondern insbesondere auf den ungeliebten Schleifisch. Dessen Schöpfer wünschte er „eigene Ideen“.

Rainer Hummel wertet dies als geschäftsschädigenden Plagiatsvorwurf – und forderte den Kontrahenten auf, den Text zu entfernen. Doch der dachte gar nicht daran und zog erneut vor Gericht. Diesmal erfolgreich. Laut Urteil darf er seine Behauptungen weiterhin verbreiten. „Dabei hat er mich öffentlich denunziert, hat übel nachgetreten“, grollt Hummel. Der 60-Jährige will nicht nachgeben, obwohl sich die Prozesskosten bereits im fünfstelligen Bereich bewegen. „Ich kann das nicht auf mir sitzen lassen. Schließlich lebe ich davon, Originale zu entwerfen anstatt billige Kopien zu verbreiten.“

Jetzt geht es in die Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht Schleswig. Donnerstag, der 17. November, ist für den Flensburger ein wichtiges Datum. Er erwartet eine Art Musterprozess, den auch Berufsverbände interessiert verfolgen dürften. Denn es könne nicht angehen, dass etwa Designer, Architekten oder Musiker einen Freibrief bekommen, um Kollegen öffentlich als Nachahmer zu verunglimpfen. Für den Kieler Gegenspieler hat er nur noch einen Satz übrig. „Er hat einfach nicht sehen wollen, wie viele Fische noch links und rechts neben ihm schwimmen.“

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erstellt am 26.Okt.2016 | 09:02 Uhr

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