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Flensburger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 17:45 Uhr

Gender-Debatte in Flensburg : Keine „ComputerInnen“ für Flensburg: Linke zieht Antrag zurück

vom
Aus der Onlineredaktion

Papierkörbinnen wird es nicht mehr geben. Der Gaga-Antrag ist Geschichte.

Flensburg | Die Flensburger Linke hat ihren satirischen Gender-Antrag zurückgezogen, der „Bleistiftanspitzerinnen“ und „Papierkörbinnen“ im Rathaus forderte. Mit dem bundesweit diskutierten Ergänzungsantrag sei nur auf einen Vorstoß der Fraktion WiF (Wir in Flensburg) reagiert worden, der ernsthaft den Begriff „Ratsfrau“ durch „Ratsdame“ ersetzen wollte, sagte die Vorsitzende der Linke-Ratsfraktion, Gabi Ritter, in der Sitzung des Gleichstellungsausschusses der Stadt am Mittwoch.„Ich kann mich noch gut an die Diskussion erinnern, als die ,Ratsherrinnen' keine ,Herrinnen' mehr sein wollten“, sagte Ritter.

Jetzt wieder die „Dame“ rauszuholen sei ein Affront - und begründete so ihren Spaß-Antrag „Von Damen, Frauen und anderen Wesen“. Vielmehr sollten sich auch die Männer künftig mit „Ratsmann“ begnügen, sonst tue es auch „Ratsmitglied“, sagte sie. Ursula Jensen von der WiF-Fraktion zog daraufhin auch den „Damen“-Vorschlag zurück, betonte aber: „Uns ist Gleichstellung wichtig.“ Sie wolle die Diskussion über das Thema womöglich im Rat fortführen.

Zuvor wurde hitzig über die richtige Bezeichnung von Mann und Frau diskutiert. „Ich habe Ratsdame gegoogelt und nur einen Treffer aus dem Karneval gefunden - auch wenn wir da langsam hinkommen“ sagte Ingrid Jürgensen (CDU). Doch auch sie wolle nicht als Dame betitelt werden. SPD-Politikerin Barbara Kaun verwies auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1981, wonach eine Frau durch die Anrede „Frau“ nicht diskriminiert wird (1 BvR 1417/80).

Die Ausschussvorsitzende Meike Bruhns (FDP) führte an, auch „Dame“ und „Herr“ seien kein passendes Begriffspaar, da Dame ein Gallizismus sei, der zu „Monsieur“ passe. Die von der städtischen Gleichstellungsbeauftragten, Verena Balve, vorgeschlagene Sprachwissenschaftlerin zog der Ausschuss zur weiteren Auslegung des Wortes „Ratsdame“ dennoch nicht mehr hinzu.

Balve freute sich, dass über geschlechtergerechte Sprache diskutiert wird. Sie mahnte mit Blick auf die Debatte aber: „Durch Überspitzung kann sie der Lächerlichkeit preis gegeben werden.“ Ernsthaft könne man aber etwa von „Redepult“ statt „Rednerpult“ sprechen. Auch Linken-Frau Ritter sagte zu ihrem Spaß-Antrag: „Ich hoffe, dass rüberkommt, dass wir nicht die geschlechtergerechte Sprache diskreditieren wollten.“ Mit Blick auf den Antrag der WiF frage sie sich, ob der Aspekt der Bezeichnung nun weiter vertieft werden müsse, „oder ob man nicht warten sollte, bis genügend Kita-Plätze da sind“.

Die Diskussion über „SchreibtischInnen“ und „ComputerInnen“ der vergangenen Tage hat in Flensburg auch ein Schlaglicht auf die Geschlechterverteilung im Rat geworfen: Denn von 43 Flensburger Ratsmitgliedern sind nur ein gutes Dutzend weiblich.

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erstellt am 28.Sep.2016 | 20:43 Uhr

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