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Flensburger Tageblatt

05. Dezember 2016 | 01:37 Uhr

Keine Chance für alten Speicher

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Grünes Licht für Abriss des Gebäudes zwischen Holm und Reismühlenhof – und unverhohlene Vorwürfe an den Eigentümer

Das war’s wohl für den alten Speicher zwischen Käte-Lassen-Hof und Flensburger Hof: Das über 100 Jahre alte, auf den ersten Blick noch ganz proper erscheinende Gebäude mit der Adresse Holm 53 kann abgerissen werden. Nach erneut intensiver, zum Teil emotionaler Diskussion hat der Umwelt- und Planungsausschuss zähneknirschend Grünes Licht für den Abriss gegeben. Die Alternative wäre wohl ein Abrissgebot des Oberbürgermeisters gewesen.

Seit über 50 Jahren steht er leer. Und trotzdem erhitzt er die Gemüter. Mit seinem gelben Backstein ist er ein Stück altes Flensburg, und das sorgt stets für Emotionen. Während Nachbarn und Politiker das Gemäuer gern erhalten würden, grummelt der Eigner über die lange Bedenkzeit der Stadt bis zum Okay für den Abriss. Zuletzt hatte die Stadt um ein Gutachten gebeten. Ergebnis laut Bauordnung: Allein die Herstellung der Standsicherheit würde 600  000 Euro kosten. Das könne man dem Eigentümer nicht zumuten. Der Abriss hingegen würde 70  000 Euro kosten, so die Vertreterin der Bauordnung.

Da kann der Verwalter des Eigentümers nur bitter lachen: „Ich fürchte, ich komme mit der doppelten Summe nicht aus“, sagt Gerd Hansen von der Deutschen Immobilien AG (Diag). Er sei der Geschäftsführer der Firma, der der Speicher gehöre. Nach Informationen des Tageblatts gehört er zur Firmengruppe des früheren Flensburger Steuerberaters Richard Orthmann; Hansen indes dementiert jegliche Verbindung zwischen Orthmann und dem Speicher. Im Planungsausschuss wurde argumentiert, die hohen Sanierungskosten würden „keinen Armen“ treffen. Dies wies der Chef der Stadtplanung entschieden zurück: Bei der Beurteilung der Zumutbarkeit von Sanierungskosten denkmalgeschützter Gebäude dürfe die Stadt nicht nach den Vermögensverhältnissen des Eigentümers fragen. Der Speicher sei in einem dermaßen desolaten Zustand, dass der Abriss geradezu geboten sei, um eine Gefährdung auszuschließen.

Dennoch muss noch etwas darauf gewartet werden; in diesem Jahr werde er nicht mehr erfolgen, so Hansen. Zunächst müsse ein Konzept erarbeitet werden. Bagger und Birne seien tabu, der Speicher werde von Hand Stein für Stein abgetragen. Dabei müsse vor allem auf die Nachbargebäude geachtet werden. Grund für den schlechten Zustand sei der schwammige Boden, den man auch nicht stabilisieren könne. Pläne für eine Neubebauung gebe es noch nicht. Eine Nachbarin will gehört haben, dass das Grundstück bis hinunter zum Reismühlenhof bebaut werden soll.

„Erbärmlich“ findet Stefan Thomsen, Ratsherr der Grünen, die Angelegenheit: „Wenn man als Eigentümer lange genug wartet“, dann bleibe am Ende nichts als der Abriss. Er fürchte, dass das Beispiel Schule machen werde. Auch Glenn Dierking (SSW) sprach sich gegen das Abriss-Okay aus, ebenso Hubert Ambrosius (WiF).

Am Ende gab es doch eine klare Mehrheit vor allem von CDU und SPD, die sich in das Unvermeidbare fügte.

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erstellt am 07.Okt.2016 | 07:23 Uhr

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