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USA-Besuch : Junior-Botschafter und Autoverkäufer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Maurice Leon Bardt war mit dem Parlamentarischem Partnerschaftsprogramm ein Jahr im Großraum Chicago zu Gast

„In den USA habe ich täglich an meine Familie gedacht, besonders an meine Oma“, sagt Maurice Leon Bardt (25). Der gelernte Industriekaufmann aus der Fördestadt war als Junior-Botschafter für Deutschland ein Jahr lang in den Vereinigten Staaten. Das Parlamentarische Partnerschaftsprogramm (PPP) schreibt Stipendien für Schüler und junge Berufstätige aus. Bundestagsabgeordnete übernehmen die Patenschaft für je einen der 75 Stipendiaten. Bardts Patin war Sabine Sütterlin-Waack (CDU).

In den USA lebte er in einer Gastfamilie zehn Meilen von Chicago entfernt. „Die Einheimischen nannten den weitläufigen Ort Dorf, obwohl er 70  000 Einwohner hat.“ Das Ehepaar, bei dem er wohnte, hatte zusammen vier Jobs. Der Vater war Drucker, arbeitet aber auch als Verkäufer für Apple. „Er kam nach Hause und ging wieder arbeiten, während ich schlief.“ Dennoch habe er seine Gasteltern sehr ins Herz geschlossen.

Zu Beginn seiner Reise war Maurice Leon Bardt für ein Semester Schüler an einem Community College. „Ich hatte da keinen richtigen Studiengang. Dadurch war es schwierig, meinen Freunden dort zu erklären, was ich überhaupt studiere.“ Am College konnte er seine Fächer frei wählen. Passend zu seinem Beruf besuchte er Kurse mit dem Thema Management und Wirtschaft. „Und an Sportmodulen habe ich auch teilgenommen. Da konnte ich viel vom meinem Vorwissen einbringen.“ Er ist Judoka und spielte Football. Am Ende des Semesters erhielt der Flensburger ein Zertifikat, auf dem Noten und „Credit Points“ vermerkt waren.

Dabei seien Zeugnisnoten bei der Arbeitssuche in den USA nicht so viel wert, zumindest hat er es so erlebt: Im zweiten Halbjahr seines Aufenthalts musste er sich einen Job suchen, das sieht das Stipendienprogramm vor. „Ich habe aber relativ schnell einen Job gefunden“, sagt Bardt. Dabei hat er 80 Bewerbungen versendet und von 95 Prozent der Unternehmen keine Rückmeldung bekommen. „Bei Porsche-Design, einem Modelabel, wurde ich dann angenommen. Das war in Oak Brook, einem Vorort von Chicago.“ Doch dort arbeitete er nicht lange. Durch die vielen Bewerbungen und sein Profil bei LinkedIn, ein soziales Netzwerk zum Knüpfen geschäftlicher Kontakte, entdeckte ihn ein Personaler von einem Porsche-Autohaus. „Er fand mich sympathisch, da wir ähnliche Hobbys haben.“

Bardt wurde zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Dort erzählte er ganz offen, dass er die Autos schön fände, aber keine Ahnung von den technischen Details habe. „Er gab mir den Job als Verkäufer, weil er mich mochte und Potenzial sah.“ Während der vier Monate im Autohaus verkaufte der Flensburger 20 hochklassige Pkw. „Auf Englisch könnte ich jetzt Autos verkaufen, aber nicht auf Deutsch.“ Er hat sich in seinem Job viel Wissen über Autos angeeignet. Im Gegenzug wurde ihm von der Geschäftsführung viel Vertrauen entgegengebracht. „Wenn du Leistung bringst, kommst du da weiter. Der Satz vom Tellerwäscher zum Millionär, der American Dream, kommt nicht von ungefähr. Obwohl Millionär wohl etwas übertrieben ist“, so der Stipendiat. Hätte er noch etwas in Amerika bleiben können, wäre er noch ein paar Monate im Unternehmen geblieben. „Aber als Autoverkäufer sehe ich mich in Zukunft nicht.“ Er hätte mit seinem Visum auch nicht länger dort arbeiten dürfen. Zudem ist er nicht berechtigt, in den nächsten zwei Jahren Geld in den USA zu verdienen. „Es sei denn, ich hätte dort geheiratet. Aber das kam sowieso nicht in Frage. Ich habe eine feste Freundin, sie ist Südamerikanerin.“

Seine Zeit in den Vereinigten Staaten sei sehr spannend gewesen und lehrreich, sagt er rückblickend. „Aber ich bin auch froh, wieder in Deutschland zu sein. Hier ist die Lebensqualität einfach besser, und die Menschen sind nicht so sehr auf sich selbst fokussiert“, sagt der Flensburger. Die Studenten an den Community Colleges, die auch für eine Familie der Mittelschicht finanzierbar sind, würden von acht bis 22 Uhr nur lernen und arbeiten. „Die feiern nicht ständig, wie in den Filmen. Durch die wenige Freizeit werden sie zu Individualisten und Eigenbrötlern.“

Zurück in Deutschland hat Maurice Leon Bardt begonnen, an der Hochschule zu studieren. „Auf Englisch denken, das mache ich auch jetzt noch, auch weil ich mit meiner Freundin nur Englisch spreche. Aber das merke ich gar nicht mehr.“

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erstellt am 21.Aug.2016 | 08:28 Uhr

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