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Sörup : „Junge Bauern brauchen zweites Standbein“

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Klaus Mehrdorf und Peter Otzen haben vor 50 Jahren die Landwirtschaftsschule in Flensburg besucht – sie sehen die Zukunft der Landwirte skeptisch.

Vor 50 Jahren haben sie gemeinsam die Landwirtschaftsschule in Flensburg besucht. 28 junge Landwirte, die sich damals mit sehr großem Elan an ihre Aufgabe machten, neue Vorstellungen umsetzen wollten und an die Zukunft der Landwirtschaft glaubten. Zehn von ihnen kamen bei einem Ehemaligentreffen in Großsolt zusammen und sprachen über die vergangenen Jahre. Unter ihnen waren auch Klaus Mehrdorf aus dem Söruper Ortsteil Schwensby und Peter Otzen aus Tarup. Für Klaus Mehrdorf habe es nach eigener Aussage nie einen Zweifel gegeben, den Familienbetrieb in Schwensby mit 70 Hektar weiterzuführen. Das galt auch für Peter Otzen, dessen Familie seit 1865 die „Stadtlandwirtschaft“, wie er es nennt, in Tarup bewirtschaftete.

Für beide hat sich die Prophezeiung erfüllt, dass sie bis zur Rente Landwirte sein werden. Sie haben aber in diesen 50 Jahren landwirtschaftliche Höhen und Tiefen erlebt. Peter Otzen hatte seinen Kuhbestand nach Hofübernahme 1971 verdoppelt. Wer nicht wächst, muss weichen, haben die Landwirtschaftsexperten viele Jahre gepredigt. Für Klaus Mehrdorf bedeutete das die Erweiterung mit eigener Vermarktung an regionale Schlachtbetriebe. Auch der Tourismus hatte schnell bei Mehrdorfs einen Stellenwert.

Heute führen die Söhne von Klaus Mehrdorf und Peter Otzen den Hof. Harmen Mehrdorf hat Agrarwissenschaft studiert und ist als Projektleiter in der Windenergiebranche tätig. Für ihn ist die Landwirtschaft nur noch ein Nebenerwerb. Marc Otzen bewirtschaftet inzwischen den Betrieb in Tarup mit Ackerbau und hat in Tarp einen zweiten Betrieb. Hier baut er Kartoffeln an und hat einen angeschlossenen Schälbetrieb. Die letzten Kühe verlassen gerade den Kuhstall in Tarup. Statt von der Milch, lebt der Betrieb heute vom Ackerbau.

Ob die schulische Ausbildung die jungen Landwirte ausreichend auf die Zukunft vorbereitet hat, sehen beide „Altenteiler“ heute mit gemischten Gefühlen. Die Ausbildung lieferte das notwendige Grundwissen und vermittelte Praxisnähe. Im Sommer kamen die Lehrer als landwirtschaftliche Berater der Landwirtschaftskammer auf die Höfe. Da ging es dann um „Wachsen oder Weichen“.

Die Hofübergabe an ihre Söhne sehen Klaus Mehrdorf und Peter Otzen verhalten. „Ohne das zweite Standbein Windenergie hätte mein Sohn mit der konventionellen Landwirtschaft wenig Chancen“, sagt Klaus Mehrdorf. Peter Otzen hofft, dass sich der Mut seines Sohnes auszahlt, den Betrieb auf den Kartoffelanbau umzustellen.

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