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Flensburger Tageblatt

08. Dezember 2016 | 23:14 Uhr

Arbeitsmarkt : Jobs für Flüchtlinge: Engpass Deutsch

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

1930 arbeitssuchende Migranten zählen Jobcenter und Arbeitsagentur – 264 davon gelten schon als vermittelbar

Ein Jahr nach dem großen Flüchtlingsansturm stellen immer noch die Deutschkurse das Nadelöhr auf der Suche nach Einstiegsqualifizierungen, Lehrstellen und Arbeitsplätzen dar. Das wurde bei einem Infoabend mit den neuen Willkommenslotsen von IHK und Handwerk, Sonia Kefi und Alexander März, deutlich. „Die Anforderungen an der Berufsschule sind hoch“, sagt März: „Für eine Ausbildung ist Sprachniveau B2 erforderlich, um 60 Prozent zu verstehen.“

Der Weg zum Erfolg sei kleinteilig, berichtete Kefi (28), deren Familie aus Tunesien stammt und die Deutsch, Englisch und Arabisch spricht. Für eine Reihe von Flüchtlingen habe sich das Engagement bereits gelohnt: Sie hätten ihren Platz in Unternehmen gefunden – die meisten von ihnen als Auszubildende, andere zunächst für ein Praktikum.

1930 Flüchtlinge auf Jobsuche zählen derzeit Arbeitsagentur und Jobcenter, wobei das Jobcenter jene 700 davon betreut, die bereits anerkannt sind. Von ihren Sprach- und Fachkenntnissen her gelten derzeit 264 der knapp 2000 Geflüchteten als vermittelbar und 33 als Ausbildungsplatz-suchend, erklärte Hans-Werner Zilm vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur. Zilm berichtete vom Beispiel eines Afghanen (24), der an einem Tag zwei Schweißprüfungen mit Bravour abgelegt habe: „Es war ein Vergnügen, mit dem Mann zu arbeiten.“

Sonia Kefi rief die Geflüchteten und ihre deutschen Helfer auf, Geduld zu haben und Berufswünsche nach dem Bedarf auszurichten: Angeboten würden Jobs im Hotel- und Gaststättenbereich, als Maschinen- und Anlagenführer sowie Metallbauer, Friseure oder Elektroberufe, für die aber gute Kenntnisse in Deutsch und Naturwissenschaften nötig seien.

Auch Alexander März, seit Mai als Willkommenslotse bei der Handwerkskammer, zeigt sich optimistisch, zuallererst für all diejenigen, die bereits Kursteilnehmer bei der Kammer sind: „Wir haben ein Vermittlungsquote von 70 Prozent“, berichtet er – in Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung. Parallel baue man für diese Gruppe die Nachhilfe aus – zum Beispiel Mathe- und Physikunterricht für Metallberufe.

Insgesamt wurde jedoch deutlich: Es gibt zu wenig Lehrkräfte und zu wenig berufsbezogene Sprachkurse – und außerdem Zusatzprobleme, wenn das Herkunftsland einen Strich durch die Rechnung macht: „Warum dürfen Afghanen keine Integrationskurse besuchen“, fragte ein junger Mann. Die Antwort musste das Podium schuldig bleiben.

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erstellt am 20.Okt.2016 | 23:56 Uhr

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