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Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 01:23 Uhr

Schlachter aus Flensburg : Jepsen gerettet: 100 Jobs bleiben erhalten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Westrich GmbH übernimmt den Traditionsbetrieb. Die Filialen in der Holmpassage und am Twedter Plack öffnen wieder.

Flensburg | Die Tinte war noch nicht getrocknet, da durchströmte Malte Jepsen ein tiefes Gefühl der Erleichterung. Fast vier Monate, nachdem der Schlachter vorläufige Insolvenz hatte anmelden müssen, steht fest: Das Unternehmen ist gerettet. Mittwochabend war die letzte Unterschrift gesetzt. Ergebnis: Der Fleischverarbeitungsbetrieb Westrich übernimmt zum 1. September das Flensburger Traditionsunternehmen. Die etwa 100 Arbeitsplätze bleiben ohne Ausnahme erhalten, fünf von sechs Standorten werden weitergeführt.

Der Betrieb gehört zu den größten seiner Art in Schleswig-Holstein. Jepsen hatte am 29. April Insolvenzantrag gestellt.

„Es war ein zähes Ringen, eine emotionale Achterbahnfahrt“, sagte Malte Jepsen gegenüber dem Flensburger Tageblatt. „Denn es war in den wechselnden Phasen alles andere als klar, ob und wie es weitergehen wird.“ Die Mitarbeiter waren verunsichert, zum Teil wechselten sie den Arbeitgeber. „Ich konnte ihnen ja nichts versprechen.“ Etwa 20 Prozent der Belegschaft ging verloren. „Es war für uns alle existenzbedrohend“, sagt der bisherige Inhaber. Doch man habe in diesen schwierigen Zeiten keine einzige Kündigung ausgesprochen.

„Wir haben immer daran geglaubt, dass es weitergeht.“ Verkäuferin Alexandra Schlumm.
„Wir haben immer daran geglaubt, dass es weitergeht.“ Verkäuferin Alexandra Schlumm.

Er selbst und Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt hatten gemeinsam um den Erhalt der Firma gekämpft. „Doch unser Wille allein hätte nicht ausgereicht“, betont Jepsen. „Wenn die Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten nicht mitgezogen hätten, wäre alles vergeblich gewesen.“

Offenbar hatte es einige Anfragen gegeben, Teilbereiche zu übernehmen. Doch vorrangiges Ziel sei es gewesen, den Betrieb komplett weiterzuführen; das wird nun an den verbliebenen Standorten einschließlich Produktion und Catering unter dem bisherigen Namen geschehen. Die zwischenzeitlich geschlossenen Filialen in der Holmpassage (zum 30. Juni) und am Twedter Plack (zum 31. Juli) will Christoph Westrich möglichst zum 1. September, spätestens aber zum 1. Oktober wieder eröffnen, wie der neue geschäftsführende Gesellschafter auf Anfrage sagte. Lediglich die Filiale auf dem Holm wird aufgegeben, der Mietvertrag für den Laden ist ausgelaufen. „Wir haben nahezu eine Ideallösung im Interesse aller Gläubiger, Mitarbeiter und Kunden gefunden“, so Borchardt. Über den Kaufpreis wollte er keine Auskunft geben.

Christoph Westrich freut sich unterdessen über eine „treue Stammkundschaft, den exzellenten Ruf sowie eine hoch motivierte und erfahrene Belegschaft.“ Alexandra Schumm (20) gehört dazu. Sie hat nach ihrer Ausbildung eine Anstellung als Verkäuferin erhalten, ist jetzt drei Jahre dabei. „Wir freuen uns alle darüber, dass wir hier weiter arbeiten dürften“, sagt sie. Der Kundenstamm habe immer fest zu „seinem“ Schlachter gestanden. „Und uns hat der Optimismus nie verlassen, dass es vorangeht.“

Christoph Westrich besitzt langjährige Erfahrung im Fleischverarbeitungsgewerbe – unter anderem als Geschäftsführer des Wurstproduzenten Redlefsen. Derzeit gehört der GmbH ein weiterer Fleischereibetrieb mit einer Filiale in Neumünster, geführt unter dem Namen Fleischerei Hölck. Das Unternehmen will langfristig eine geschlossene Produktionskette von regionalen Bauern bis zum Endverbraucher aufbauen. Malte Jepsen wird Westrich in der Übergangsphase als Berater zur Seite stehen. Seine eigene Zukunft lässt er offen.


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erstellt am 19.Aug.2016 | 07:33 Uhr

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