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Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 13:00 Uhr

Nützlinge in Gefahr : Jahrhundert der Bienenfreunde

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am Sonntag laden die Flensburger Imker in die Gartenkolonie am Wittenberger Weg 98 zum Jubiläumsfest mit vielen Aktionen

Das zustimmende Nicken der erfahrenen Imker kommt zögerlich, aber es kommt. Ja, im Vergleich zu den Vereinigten Staaten zum Beispiel oder zu China sei die Welt in Deutschland für die Bienen noch intakt. Dennoch zeichne sich seit Jahren schon ab, dass sich Bienen in Städten wohler fühlen als auf dem Land – schlicht, weil sie dort mehr Nahrung finden. Schuld seien die Monokulturen, vor allem Mais. Und Wiesen würden für Silage frühzeitig und mehrfach gemäht, empört sich Hans Hermann Carstensen. Wenn er sich den Dokumentarfilm „More than honey“ vor Augen führt, „kommen einem die Tränen“. Der 79-Jährige nennt sich einen „uralten Flensburger“ und war 35 Jahre bei der Berufsfeuerwehr. Ungefähr so lange hat er mit Bienen zu tun.

Carstensen wird einer der fachkundigen Ansprechpartner sein, die Besuchern am Sonntag, 10. Juli, zwischen 10 und 16 Uhr in der Gartenkolonie am Wittenberger Weg 98 alles über Bienen und Imkerei erzählen und zeigen, was in ihrer Macht steht. Anlass ist das 100-jährige Bestehen des Imkervereins Flensburg.

„Am Sonntag den 3. Dezember 1916 hatten sich auf Anregung des Herrn Oberbahnhofsvorstehers Sievers in Flensburg Weiche eine Anzahl Imker von Flensburg Weiche und Umgebung zwecks Gründung eines Vereins versammelt“ – so steht’s im Protokoll der konstituierenden Sitzung. Gast-Referent war „Herr Rektor Breiholz Neumünster“. Der trug einen „längeren interessanten“ Vortrag bei über die Vorteile eines Vereins und war offenbar so überzeugend, dass die Imker einen entsprechenden Beschluss fassten.

Der Name Breiholz sagt auch den Bienenfreunden von heute noch etwas. Ole Andresen, der viele Jahre Vereinsvorsitzender in Flensburg war, weiß, dass auf Breiholz das Einheitsglas des Deutschen Imkerbundes zurückgeht. Die Sitzungsprotokolle aus dem Zeitraum des Zweiten Weltkrieges fehlten, sagt Kai Uwe Wollenweber. Der Sonderpädagoge ist seit drei Jahren Mitglied im Verein und kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit. Seit Bestehen habe der Verein auch schon mal 130 Mitglieder gehabt. Derzeit freuen sich die Bienenfreunde über 70 Mitglieder – in den letzten zehn Jahren seien allein 30 neue Imker aufgenommen worden.

Wer sich für die Flensburger Tradition interessiert, kann sich beim Jubiläumsfest das Gründungsprotokoll in Sütterlin ansehen. Wilhelm Asmussen – mit 70 Jahren Mitgliedschaft der treuste Bienenfreund – soll auch da sein, sagen die Bienenfreunde. Asmussen hat sich schon vorab Gedanken gemacht. Im entbehrungsreichen Krieg sei es notwendig gewesen, den Honigertrag zu steigern – darum wurde der Imkerverein Flensburg gegründet, schreibt er in seinen Aufzeichnungen und stellt den Wandel vom Imkern mit Schwärmen bis hin zur gezielten Königinzucht dar.

Diese Entwicklung wird am Sonntag in der Gartenkolonie auch anhand von aufgebauten Strohkörben und sogenannten Beuten nachzuverfolgen sein. 30 Schutzanzüge liegen dann bereit, sagt Ole Andresen und kündigt Führungen alle 30 Minuten an. Hans Hermann Carstensen wird mit Gästen Mittelwände aus Wachs für die Rähmchen gießen, eine Heilpraktikerin informiert über die Api-Therapie, Kerzen werden gedreht und Honig wird geschleudert (und verkauft). Dies übernimmt Udo Wisniewski. Er braucht wohl keinen Schutzanzug. „Die kennen mich ja“, sagt er über seine Bienen. Wisniewski holt Schautafeln, Honiggläser, Lupe und Pollen zur Anschauung hervor sowie kleine Dosen. Die antiseptische Salbe darin hat er selbst hergestellt. Propolis, das Kittharz der Bienen, sei zum Beispiel ein wichtiger Stoff für die Naturmedizin – und Produkte der Bienen für die Gesundheitsbranche ein bedeutsamer Trend, weiß Kai Wollenweber. www.imkerverein-flensburg.de

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erstellt am 09.Jul.2016 | 07:45 Uhr

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