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Flensburg : In der Förde leben 20 Schweinswale

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit Juli 2014 dokumentiert die Nabu-Landesstelle für Schweinswalschutz am Burgplatz alle Meldungen über Walbeobachtungen

Wer an Wale denkt, der denkt zunächst selten an die Flensburger Förde. Und doch werden mindestens drei verschiedene Arten hier immer wieder gesichtet. Einige dieser Tiere, etwa Finnwale, sind „nur zu Besuch“. Schweinswale aber leben hier das ganze Jahr über. Die 1,50 Meter großen Wale, von denen es sieben Arten gibt, kommen in allen Ozeanen vor. Beliebte Stellen sind Gebiete mit Abbruchkanten unter Wasser. Da leben viele Kleintiere, Nahrung für den Schweinswal.

Seit Jahren beobachtet der Naturschutzbund (Nabu) die „kleinen Tümmler“ in Nord-und Ostsee. In der Förde sollen derzeit rund 20 Wale leben. Seit Juli 2014 arbeitet am Burgplatz die Nabu-Landesstelle für Schweinswalschutz. Dort werden alle Meldungen über Schweinswalbeobachtungen in der Förde dokumentiert.

Die mit den Delfinen verwandten Säugetiere sind hier vom Aussterben bedroht. „Die Leute sind berührt bei Walen in Japan, aber niemand schert sich um die Wale in der Ostsee“, klagt Dagmar Struß von der Nabu-Landesstelle. Der Stellnetzfischerei fielen jedes Jahr etwa 100 Wale in Schleswig-Holstein zum Opfer, da die Tiere mit ihrem Echolot die dünnen Kunststoffnetze häufig nicht wahrnehmen könnten. Das Wasser in der Ostsee sei durch Giftstoffe stark verschmutzt, vor allem durch Düngemittel aus der Landwirtschaft, die von Feldern ins Meer fließen. Außerdem könne durch Schnellboote verursachter Lärm den Tieren sehr schaden, erklärt Dagmar Struß. Bei solchen Booten bilden sich unter Wasser Blasen, die schließlich förmlich „explodierten“.

Auch wenn der Nabu sich für einige Stellen ein Stellnetzverbot wünscht, setzt er eher auf Zusammenarbeit mit den verschiedenen Interessengruppen als auf Konflikte. Vor allem Menschen, die häufig auf der Förde unterwegs sind, können Schweinswale sehen. Jede gemeldete Beobachtung bringt genauere Erkenntnisse. Auf diesen basieren auch die Whale-Watching-Touren, die der Nabu mit der „Flora II“ zwischen Mai und September anbietet. Auf einer Fahrt kann man mehr über die Wale erfahren, und mit etwas Glück bekommt man sogar welche zu sehen. Die Nabu-Experten kennen ihre Lieblingsplätze.

Nach Ostern stehen die Termine für die Touren fest, an denen jeweils zwölf Personen teilnehmen können. „Auf sieben von acht Fahrten haben wir zuletzt Schweinswale beobachten können“, sagt Dagmar Struß.

Schon lange bevor sie in der Landesstelle für Schweinswalschutz angefangen hat, hat sie sich im Naturschutz engagiert. Ihre Begeisterung für die kleinen Wale sei bei einem Spaziergang bei Kappeln entstanden, bei dem sie zum ersten Mal welche beobachten konnte.

Denn auch vom Land aus kann man ab und zu einen Schweinswal sehen. In Kürze soll es einen Beobachtungspfad geben, der mit Informations-Tafeln ausgestattet wird.

So neugierig wie Delphine seien die Tiere aber nicht. „Schweinswale springen eher selten aus dem Wasser, meistens sieht man nur ihren Rücken“, erklärt Dagmar Struß. „Wenn sie die Nase voll haben, tauchen sie wieder ab“. Dann sollte man die Wale auch in Ruhe lassen und nicht mit Booten verfolgen.


Wer einen Schweinswal oder eine Robbe gesehen hat, wird gebeten, Dagmar Struß per Email an dagmar.struss@nabu-sh.de über Anzahl, Ort und Zeit zu informieren. Bei toten Schweinswalen besteht Meldepflicht.

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erstellt am 24.Mär.2017 | 06:09 Uhr

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