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Flensburger Tageblatt

31. August 2016 | 16:15 Uhr

Lange Wartelisten : In den Kitas fehlen Hunderte Plätze

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Allein auf den Wartelisten der großen freien Kindergartenträger in der Stadt stehen mehr als 600 Kinder.

Flensburg | Immer mehr Kindergarten-Eltern sind in Flensburg verzweifelt auf der Suche nach Kita- und Krippenplätzen. Der Druck wächst, doch es ist völlig unklar, wie viele Plätze wirklich fehlen. Derzeit sei in der Kindertagesbetreuung der Stadt für 51 Kinder ein Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz (Kita oder Tagespflege) angemeldet, davon zehn Kinder unter drei Jahren. „40 Kinder benötigen sofort einen Platz, 10 Kinder zu einem späteren Zeitpunkt“, sagt Stadt-Sprecherin Kathrin Ove und ergänzt: „Wir gehen davon aus, dass es sich hierbei nur um die Spitze des Eisbergs handelt und auf den Wartelisten aller Kitas in Flensburg noch wesentlich mehr Kinder stehen.“

Eine Tageblatt-Umfrage unter den größeren deutschsprachigen Kita-Träger ergab, dass allein bei den Kitas von Kirche, ADS-Grenzfriedensbund und Adelby1 glatt 600 Namen auf den Wartelisten stehen. Allerdings dürfte die Zahl der Unversorgten aufgrund von Doppelmeldungen und Mehrfachversuchen verzweifelter Eltern bei mehreren Trägern deutlich geringer sein. Wie hoch sie wirklich ist, weiß offenbar niemand. „Die geplante Kita-Datenbank ist offiziell erst im Februar 2016 gestartet. Sie kann noch nicht viel helfen, da sie in Flensburg bisher von den Trägern noch kaum genutzt werden kann“, sagt Ove. Im Jugendhilfeausschuss räumte die Stadt ein, dass sie die technischen Voraussetzungen für diese landesweite Datenbank, die die Namen anonym abgleichen soll, noch gar nicht geschaffen hat.

Allein in den Kitas von Adelby 1 stehen über 150 Kinder mit Rechtsanspruch Schlange, berichtet Geschäftsführer Heiko Frost. Gesa Görrissen hat in den Flensburger ADS-Kitas 300 Kinder auf den Wartelisten gezählt, davon allein 139 Kinder in der Kita Schulgasse, 75 Kinder in der Kita Süderlücke, 63 am Jupiterweg und 23 im Engelsbyer Naturkindergarten. Allein am Breedlandweg sei die Warteliste abgearbeitet. Gerd Nielsen vom evangelischen Kita-Werk berichtet, dass man im vergangenen halben Jahr 80 Krippenkinder und 65 Kinder über drei Jahre ohne Angebot nach Hause schicken musste. „Niemand verfügt über belastbares Zahlenmaterial“, befürchtet Gerd Nielsen. Auch bei den vielen kleinen freien Kitas klopfen Eltern an und müssen warten: Der Waldorfkindergarten habe allein 20 Kinder auf der Warteliste, berichtet Geschäftsführer Henning Fitsch.

In den kommenden zwei Jahren seien in der Stadt 200 neue Plätze von freien Trägern geplant, die Stadt plane in diesem Zeitraum 130 neue Plätze. Aber ist das genug, wo die Stadt aktuell zusätzlich von rund 150 unversorgten Flüchtlingskindern ausgeht?

Die Not sei zu einem guten Stück selbst gemacht, finden die freien Träger: „Viele Träger in Flensburg sind bemüht, neue Kita-Plätze zu schaffen. Ihnen fehlt es aber an der unterstützenden, lösungsorientierten Begleitung – sowohl durch die Stadt, als auch durch das Land“, sagt Heiko Frost von Adelby1. Allein die Umsetzung der Naturgruppe der Kita Hochfeld mit 15 Plätzen sei mit enormem zeitlichem und personellem Aufwand verbunden gewesen. „Statt gemeinsam Lösungen für bestehende Probleme anzugehen, erschöpfte sich die Beteiligung manch zuständiger Mitarbeiterin darin, Auflagen zu erteilen“, schimpft er und spricht von persönlichem Ermessen der Verantwortlichen: Die Behinderungen wären nicht nötig gewesen.“ Rund 200 neue Kita-Plätze würde allein Adelby1 gerne bauen – im Freiland, an der Werftstraße, mit einer Hochfeld-Erweiterung und in der alten Sparkasse an der Angelburger Straße. Die Kirche ist da weit zurückhaltender, sagt Nielsen: „Bei der ganz schlechten Finanzierung können wir es uns gar nicht leisten, weitere Plätze zu schaffen.“

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erstellt am 03.Mär.2016 | 08:00 Uhr

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