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Flensburger Tageblatt

27. Mai 2016 | 02:19 Uhr

Erschreckende Entwicklung : Immer mehr Flensburger bewaffnen sich

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Zahl der Waffenschein-Anträge in der Stadt steigt. Die Bürger wollen sich und ihre Kinder vor Einbrüchen und Übergriffen schützen.

Flensburg | Die Zahlen belegen die erschreckende Wahrheit: In Flensburg beantragen immer mehr Menschen den kleinen Waffenschein, der sie dazu berechtigt, Schreckschuss-, Gas- und Signalwaffen in der Öffentlichkeit zu tragen. Während 2014 und 2015 rund 20 Menschen das Dokument erboten, seien es im Januar bis gestern schon 23, sagt Stadt-Sprecher Clemens Teschendorf auf Anfrage. Das sei ein bundesweiter Trend. Um die Waffen jedoch zu benutzen, müssen die Menschen einen richtigen Waffenschein – den „großen“ – haben. Doch diesen darf „Otto-Normalverbraucher“ nicht machen, er ist lediglich für Berufsgruppen wie Jäger oder Sportschützen.

Die Gründe für die Steigerung der Anträge kennt Teschendorf nicht, vermutet aber, dass ein subjektives Sicherheitsgefühl dahinter steckt. Das bestätigt auch Polizeisprecherin Franziska Jurga. Gleichzeitig warnt sie aber auch davor, Schreckschusspistolen oder Pfeffersprays mitzuführen. „Damit können andere Leute provoziert werden“, erklärt sie. Außerdem könne es Situationen eskalieren lassen. Hinzu kommt, dass „viele nicht mit der Handhabung der Waffen nicht vertraut sind“. In dem Fall kann ein Schuss also nach hinten losgehen.

Dass die Nachfrage an Waffen steigt, merken auch die örtlichen Händler. Der Waffenladen August Clauberg in der Großen Straße hat verschiedene Waffen im Angebot, darunter Pfeffersprays, Schreckschusspistolen, Schlagstöcke und Elektroschocker. Eine Mitarbeiterin erzählt auf Anfrage, dass Pfefferspray zurzeit restlos ausverkauft ist. „Pfeffersprays sind beliebt, weil sie handlich und wirkungsvoll sind“, fügt sie hinzu. Auch Schreckschusspistolen gehen vermehrt über den Ladentisch. Durch die Gespräche mit ihren Kunden wissen die Mitarbeiter von August Clauberg, dass diese Angst haben. Angst vor Einbrüchen. Oder davor, dass ihre Kinder Opfer von Übergriffen werden. „Nach den letzten Vorfällen kommen viele besorgte Eltern zu uns, um ihre Töchter auszustatten.“ Etwa für den Schulweg. Andere lassen ihren Nachwuchs nicht mehr allein zur Schule fahren. Nach Tageblatt-Informationen hat sich sogar ein Polizist für den privaten Gebrauch mit Pfefferspray eingedeckt, um Frau und Töchter zu schützen. Der Waffenhändler Edding Jagd wollte sich zu steigenden Waffenverkäufen nicht äußern.

Die aktuelle Entwicklung der verstärkten Waffenkäufe findet die Clauberg-Mitarbeiterin hinter dem Tresen in der Großen Straße traurig. Dass den Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, um in Deutschland Schutz zu suchen, nun Misstrauen entgegen gebracht wird – weil einige der Geflohenen an sexuellen Übergriffen beteiligt gewesen sein sollen.

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erstellt am 28.Jan.2016 | 08:00 Uhr

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