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Flensburger Tageblatt

23. Januar 2017 | 17:51 Uhr

„Ich hätte fast meine Identität verloren“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Max Mutzke heute im Flensburger „Max“: Im Interview spricht er über seine Wandlungsfähigkeit sowie die Zeit nach Stefan Raab und dem Grand Prix

Moin, Herr Mutzke, womit sind Sie in diesen Tagen beschäftigt?

Ach, viel unterwegs: Proben in Hamburg, Berlin, Tabaluga in München, Fernsehauftritte bei verschiedenen Sendern, Promotion, dazu Video-Drehs, Fotos machen – ein Termin jagt den nächsten.

Können Sie mit Stress gut umgehen?

Eigentlich ja. Zum Glück muss ich nichts selbst organisieren, viele nette Leute machen für uns die Termine – und ich muss mich nur wie eine Marionette ins Auto setzen und losfahren...

Kommt da manchmal ein Gefühl von Routine auf?

Nee, das macht voll Spaß. Alle um mich herum meinen es gut, viele finden mein neues Album klasse und man kann sich darüber unterhalten. Das sind immer neue Erfahrungen.

Sie haben ja seit gut zehn Jahren schon treue Fans. Was wissen die an Ihnen und Ihren Songs zu schätzen?

Ich habe eher das Gefühl, dass ich keine feste Fan-Gemeinde habe. Deshalb, weil ich in meiner Musik sehr wechselhaft bin. Mal ein Jazz-Album, mal Pop, mal eine komplett englischsprachige Soul-Platte oder jetzt die zweisprachige Einspielung mit Orchester. Meine Fans können sich auf nichts verlassen, sie müssen sich immer wieder auf etwas Neues einstellen. Ich zahle dafür den Preis, dass ich nicht auf so einer Erfolgswelle schwimme wie etwa ein Bourani. Das Einzige,was Fans von mir erwarten dürfen, ist Qualität.

Die Kongruenz, dass Kritik und Publikum die Musik gleichermaßen zu schätzen wissen, ist selten.

Stimmt. Tatsächlich. Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Es tut natürlich gut, wenn die Fachpresse so wohlwollend und lobend schreibt und alle, die uns live sehen, sind der gleichen Meinung.

Sie geben liebend gern Konzerte...

Oh ja, 100 im Jahr in allen Besetzungen – von großen Rundfunk-Bigbands bis zu kleinen Jazz-Trios, mit Klaus Doldinger, Thomas Quasthoff oder Nils Landgren. Ich arbeite mit Clueso genauso zusammen wie jetzt mit Carolin Kebekus – Musik für einen Kinofilm. Sehr vielschichtig alles.

Haben Sie noch Erinnerungen an den Grand Prix d’Eurovision vor zwölf Jahren, bei dem Sie mit dem von Stefan Raab verfassten „Can’t wait until tonight“ immerhin den achten Platz gemacht haben?

Natürlich. Auch ganz aktuell. Denn die Zeitspanne kriegst du dann richtig aufs Brot geschmiert, wenn ein Kind aus der sechsten Klasse zu dir sagt: Meine Mama war damals mit mir schwanger. Ich selbst war damals ja noch Schüler, habe das Abi erst nach dem Grand Prix gemacht.

Und jetzt Familie.

Ja, ich habe eine Familie, bin Papa und auch das beeinflusst einen sehr mit all der Verantwortung.

Welchen Einfluss hat Stefan Raab auf Sie ausgeübt? Wie groß ist der Anteil an Ihrer Karriere?

Ich mache mein ganze Leben lang schon Musik. Bin in einem Haushalt aufgewachsen, in dem Musik alltäglich war. Ich hatte meine erste Band mit elf Jahren. Stefan war für mich eine Zwischenepisode, die gleichzeitig natürlich Sprungbrett war, um die nötige Aufmerksamkeit in Deutschland zu erlangen. Und es hat mir viele Türen geöffnet. Der Grand Prix, muss ich dazu sagen, hat gleichzeitig wieder viele Türen zugeknallt. Du bist Casting-Show-Gewinner, Grand-Prix-Teilnehmer und dann auch noch Stefan Raab. Es hat lange gedauert, bis man das abgearbeitet, diesen Ruf weggewaschen hat.

Das Jazz- Album „Durch Einander“ war wie ein zweiter Durchbruch. Kann man das so sagen?

Durchaus. Da haben alle gesagt: Krass, der Typ, der meint es wirklich ernst. Das hat mir acht Jahre nach der ersten Karriere noch einmal so viel Erfolg beschert. Es ist mein bestverkauftes Album.

Auf der neuen CD „Experience“ kooperieren Sie mit der NDR Radiophilharmonie. Wieder Neuland.

Ja, wir haben meine persönlichen Evergreens neu eingespielt. Auch einige Cover-Nummern. Die Fertigstellung des Vorgänger-Studio-Albums „Max“ hat vier Jahre gedauert, weil ich nicht wusste, in welche Richtung ich gehen sollte. Zeitweise lief ich Gefahr, meine musikalische Identität zu verlieren. Letztlich hat sich alles erst im Studio und mit neuer Band ergeben. Aus diesem Repertoire ist das aktuelle klassische Album schwerpunktmäßig arrangiert.

Wie lange ist es her, dass Sie in Flensburg aufgetreten sind?

Elf Jahre? Es war auf meiner allerersten Tour. Danach war ich nie wieder dort. Ich weiß noch, wie der Club (das Max, d. Red.) aussah. Und das Hotel! Es war das hässlichste Hotel, das ich je gesehen habe. Das war so schlimm, dass ich dachte, ich schlafe lieber auf der Straße. Zum Glück habe ich so etwas nie wieder erleben müssen. Aber das Konzert war super. Ich spiele gern in kleineren Locations, ohne Absperrung. So nah dran, dass das Publikum seine Getränke auf den Bühnenrand stellen kann.


>Max im Max: Heute 20 Uhr, Schiffbrücke 50, Eintrittskarten über ticketonline, www.mittendrin-gmbh.de, sh:z-Ticketcenter, Nikolaistraße 7 und im Medienhaus Fördestraße 20 (29,20 Euro).

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erstellt am 03.Nov.2016 | 07:28 Uhr

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