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Flensburger Tageblatt

02. Dezember 2016 | 23:25 Uhr

Reise im VW-Bus : Ich bin dann mal weg: Satruper fährt mit dem T3 um Westeuropa

vom
Aus der Onlineredaktion

Der 22-jährige Sven Fintzen startet am 27. Juli eine 10.000-Kilometer-Tour – in seinem selbst restaurierten Bulli. Mehr im Video.

Satrup | Sven Fintzen möchte mal raus aus Satrup und dabei meint er nicht, mal nach Flensburg, Kiel oder Hamburg zu fahren. Der angehende Maschinenbau-Student möchte mit seinem VW-Bus Westeuropa umrunden. Die Idee zu der Tour kam ihm in einem Ibiza-Urlaub. Dort, so sagt er, wäre es eigentlich wie Zuhause gewesen. Erst bei einer Mietwagentour ins Landesinnere wurde es spannend. Sein Fazit am Ende: „Touristenurlaube? Die sind nichts für mich!“ So reifte der Gedanke an einen Roadtrip mit dem eigenen Bus. Der 22-Jährige hat nach seiner Ausbildung zum KfZ-Mechatroniker das Abitur nachgeholt und jetzt bis Oktober Zeit, seinen Reisetraum zu verwirklichen. Dann nämlich fängt sein Studium an.

Die angepeilten 10.000 Kilometer durch die Niederlande, Frankreich, Spanien, Italien, Österreich und Tschechien will der Abiturient mit einem Volkswagen T3 von 1989 bewältigen. Der VW Bulli ist seit Generationen ein Kultfahrzeug. Sein Exemplar hat Sven Fintzen zusammen mit seinem Vater an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste erstanden und dann über zwei Jahre restauriert.

So sah der Bulli vor der Restaurierung aus.
So sah der Bulli während der Restaurierung aus. Foto: Privat

Da sei viel Sand und Rost dran und drin gewesen, erzählt der 22-Jährige, der in seinem temporären Zuhause auf Rädern am Klapptisch sitzt. Sein Vater und er seien beide passionierte Autoschrauber und Oldtimer-Fans. Das Faible für die alten Autos habe ihm sein Vater in die Wiege gelegt.

Ist für eine Weile Sven Fintzens Zuhause: Der weinrote T3 Multivan.
Am Klapptisch erzählt der Oldtimer-Fan, welche großen Metropolen er auf seiner Reise besuchen möchte. Foto: Gerrit Hencke

Den Trend zum Bulli habe es immer gegeben sagt er, die Vorgängermodelle seien mittlerweile aber unbezahlbar. Und so wurde es ein günstiger T3 und viel Arbeit. Vom Schweißen über die gesamte Elektrik und eine neue Lackierung steckt viel Liebe in dem 27 Jahre alten Multivan mit Hochdach. Jetzt steht der Bulli mit weinrotem Mattlack und schwarzen Akzenten auf dem Hof in Satrup und wartet auf den Startschuss zur Europareise.

Mit dem Fast-Oldtimer durch Europa

Am 27. Juli soll es losgehen, dabei plant Sven Fintzen Etappen von rund 200 Kilometern pro Tag. Er möchte auf seiner Tour Städte bereisen, die er immer schon sehen wollte – von Amsterdam über Paris, Madrid und Lissabon bis Barcelona, Rom, Venedig und Prag. In die französische Hauptstadt geht es allerdings mit dem Fahrrad, wegen der bescheidenen Abgasnorm seines T3 und der Angst vor fünfspurigen Kreisverkehren. „Da trau ich mich als Landei nicht rein“, sagt der 22-Jährige.

Sven Fintzens Schlafplatz für die kommenden Wochen.

Sven Fintzens Schlafplatz für die kommenden Wochen.

Foto: Gerrit Hencke

Besorgt ist er allerdings nicht, alleine eine so große Reise zu unternehmen. Vielmehr habe er Respekt vor der Strecke, was alles passieren könne und was er erleben werde. „Es ist ein kleines Abenteuer“, sagt Sven Fintzen. Dass sein Bus schlapp macht, glaubt er indes nicht. Dafür habe er vorgesorgt. Auf einem Anhänger werde das nötige Werkzeug mit dabei sein, außerdem gebe es auch unterwegs gute Chancen auf Ersatzteile, sollte doch mal was kaputt gehen. Am Ende freue er sich darauf alleine und relativ ungeplant loszufahren, möglichst viel zu sehen und irgendwo auch mal länger zu bleiben, wenn es ihm gefällt.

„Einfach reinsetzen und losfahren geht nicht“

Neben der inzwischen wieder tadellosen Technik seines Busses musste Sven Fintzen vorab eine Menge anderer Dinge beachten. „Das geht mit Regelungen los, wo der Bus zum Übernachten in manchen Ländern überhaupt abgestellt werden darf, bis hin zur Auslandskrankenversicherung.“ Inzwischen fühlt sich der Satruper gut vorbereitet – auch weil er sich in einigen Blogs eingelesen hat, wie es so ist, alleine zu reisen. Auch den formalen Kram hat der angehende Student erledigt. Kredit- und Campingkarte sind beantragt, die Mitgliedschaft im Automobilclub abgeschlossen, 32 Straßenkarten im Handschuhfach verstaut. Warum er kein Navigationssystem mitnimmt? „Ich möchte ganz klassisch ohne Navi reisen“. Der Kartenplan ist Teil der Entschleunigung, die diese Tour bereits im Vorfeld verspricht und die man spürt, als Sven Fintzen auf einer kurzen Spritztour durch die Kornfelder in Mittelangeln erklärt, dass mit dem Bus ohnehin nur entspanntes Reisen möglich ist. „Tempo 80 bis 90 ist drin.“ So zu reisen sei aber schöner, als über die Autobahn zu heizen. Für die komplette Reise hat Sven Fintzen knapp 2000 Euro eingeplant. Das meiste davon fließe vermutlich in den Tank seines T3.

Der Satruper in seinem restaurierten T3.
Der Satruper in seinem restaurierten T3. Foto: Gerrit Hencke

„Ich will erleben, was in keinem Reiseführer steht.“

Geübt hat er für die große Reise schon im vergangenen Jahr. Da war er in Deutschland mit einem ebenfalls restaurierten VW Käfer unterwegs. „Im zweiten Gang die Kasseler Berge hoch war schon ein Abenteuer“, sagt der Satruper und erinnert sich an eine Begegnung mit einem bayerischen Tankwart. Der habe verdutzt auf das Kennzeichen geschielt und gefragt: „Mit dem Auto bist du aus Flensburg hier her gefahren?“ Am Ende habe er dann eine Gratis-Wäsche und etwas zu Essen vom Besitzer der Tanke bekommen.

Auf solche Begegnungen hofft Sven Fintzen auch bei seiner bevorstehenden Tour. Um sich bei Laune zu halten plant er, Tramper mitzunehmen und so vielleicht auch Landsleute kennenzulernen und Geheimtipps zu erfahren. Außerdem will er hier und da auf der Strecke Freunde treffen, die nach dem Abi ebenfalls die Koffer gepackt haben.

„Meine Freunde finden die Idee toll“

Für alle, die Zuhause geblieben sind, möchte er auf seiner extra dafür angelegten Facebook-Seite täglich berichten, wo er gerade steckt und was er erlebt. „Mit Bildern oder mal mit einem Video, ich muss sehen was mein Datenvolumen zulässt“, sagt der Satruper und schaltet in den zweiten Gang zurück. Der Dieselmotor röhrt, die Hawaikette am Rückspiegel wackelt. Sein Bus und er sind bereit.

Sven Fintzen und sein Bulli sind bereit für Europa.
Sven Fintzen und sein Bulli sind bereit für Europa. Foto: Gerrit Hencke

Wer wissen möchte, was Sven Fintzen auf seiner Tour erlebt, kann ihn im Netz begleiten. Auf der Facebook-Seite „Im T3 um West-Europa“ gibt der Satruper regelmäßige Updates von unterwegs.

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erstellt am 13.Jul.2016 | 16:37 Uhr

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