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Flensburger Tageblatt

23. März 2017 | 23:00 Uhr

Schwere Körperverletzung in Flensburg : Hinterhalt in der Toosbüystraße

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

15 Angreifer gegen drei Afghanen bei Massenschlägerei unter jungen Flüchtlingen mit drei Verletzten am Montagabend.

Schon das zweite Mal. Ende Januar bereits waren an der Hafenspitze jugendliche Flüchtlinge aneinander geraten. Offenbar in einem Streit um ein Mädchen flogen die Fäuste, angeblich wurden auch Schlagstöcke gezückt. Es gab mindestens einen Teilnehmer der Massenschlägerei, der stationär in der Klinik aufgenommen werden musste, und Leichtverletzte.

Diese Keilerei sollte kein Einzelereignis bleiben. Am Montagabend gab es die nächste Massenschlägerei – wieder waren Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund die Agierenden. Nach polizeilichen Angaben waren drei junge Leute – 16 bis 18 Jahre alt – gegen 21.15 Uhr unter einem Vorwand in die Toosbüystraße gelockt worden. An der Ecke Neue Straße wurde dieses Trio von einer größeren Gruppe angegriffen, heißt es im Polizeibericht. In dem ungleichen Kampf wurden in mindestens einem Fall ein Schlagstock und ein Elektroschocker eingesetzt. Die Polizei geht von mindestens 15 Angreifern aus, die auch Jugendliche beziehungsweise junge Erwachsene waren. Ein 18-Jähriger wurde verletzt in die Diako gebracht, zwei 16 Jahre alte Jugendliche begaben sich nach ihrer Vernehmung in ärztliche Obhut. „Schwere Verletzungen“, so Polizeisprecher Christian Kartheus, „sind nicht festgestellt worden.“

Allerdings konnte die Polizei auch nicht alle Beteiligten erwischen. Die Ordnungshüter waren zwar schnell mit drei Streifenwagen zur Stelle, der Großteil der Schläger aber hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon zurückgezogen. Kartheus teilte auf Anfrage mit, dass die Identität des Großteils der Teilnehmer festgestellt werden konnte. Gegen die Beteiligten wird wegen schwerer Körperverletzung ermittelt, das Motiv der harten Auseinandersetzung liegt für die Polizei noch im Dunkeln. Sie bittet um Hinweise unter Telefon 4840. Kartheus weist darauf hin, dass nach polizeilichen Erkenntnissen beide Ereignisse nicht in Zusammenhang stehen.

Die Frage nach dem Motiv beschäftigt natürlich auch viele haupt- und ehrenamtliche Helfer. Dirk Dillmann von den Sportpiraten verweist auf die schwierige Übergangssituation junger Flüchtlinge bei Erreichen der Volljährigkeit. „Dann kommen sie aus den betreuten Jugendeinrichtungen in die Männerunterkünfte. Da spielt Betreuung eine andere Rolle.“ Und es ist ja nicht nur die Frage einer sicheren Unterkunft. Es sei mit Erreichen des Erwachsenenalters auch zunehmend die oft ungewisse Zukunft, die Druck erzeugt. Die Sportpiraten kümmern sich mit ihren Angeboten um viele junge Flüchtlinge, längst nicht um alle. Grundsätzlich hat Dillmann festgestellt, dass die Bereitschaft zur Gewaltanwendung steigt.

Die SPD-Ratsfrau Barbara Kaun lebt in Weiche und engagiert sich dort für Flüchtlinge. Auch sie findet die Situation unbefriedigend. Zu Beginn sei es darum gegangen, möglichst viele Menschen schnell unterzubringen. Jetzt gehe es um Integration, und bei den Jungen sei es schon eine Frage, wie sinnvoll es ist, sie aus der relativ umsorgten Einrichtung direkt in eine Männerunterkunft zu entlassen. Kaun beobachtet auch, dass sich viele Flüchtlingspaten offenbar zurückgezogen haben. Für die jungen Leute seien deutsche Familien aber als Ansprechpartner wichtig.

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erstellt am 15.Mär.2017 | 12:23 Uhr

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