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Flensburger Tageblatt

24. August 2016 | 14:00 Uhr

Jugend stärken : Hilfe für Jugendliche, die lieber abtauchen wollen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Projekt „Jugend stärken“ begleitet junge Leute bis 26 auf dem Weg in die Arbeitswelt.

Flensburg | Mohamed weiß nicht genau, wie alt er ist. 21 oder 22, sagt er, seine Mutter und sein Vater machen unterschiedliche Angaben. Seit neun Monaten ist der junge Iraker in Deutschland. Er ist allein geflohen vor dem Krieg und den politischen Problemen. Das Gymnasium hat er in seiner Heimat noch abgeschlossen, doch zum Studium kam es nicht mehr. Im Moment lebt er in einer Flüchtlingsunterkunft in Flensburg, verständigt sich auf Englisch. Er möchte vorankommen: „Security“, Sicherheitsdienste, faszinieren ihn. Beim Jobcenter sollte er einen Lebenslauf vorlegen; Luka Clasen von der Stadt hat Mohamed dabei geholfen und unterstützt ihn auch, wenn das in eine Maßnahme münden soll.

Clasen gehört zum Team des Projekts von Stadt und Bequa „Jugend stärken im Quartier“, das seit ein paar Monaten an Fahrt aufnimmt. Im ersten Jahr der vierjährigen Laufzeit hätten rund 50 junge Leute zwischen zwölf und 26 teilgenommen, schätzt Projektleiter Manuel Dethloff, und es werden „immer mehr“. Das Angebot ruhe auf vier Säulen, und zwar der Anlauf- und Beratungsstelle am Fuße der Harrisleer Straße in der Nummer 3, Mikroprojekten wie der interkulturellen Männerrunde, aufsuchender Jugendsozialarbeit und der kommunalen Koordinierungsstelle bei der Stadt.

Viele Wege führen ins Projekt, das für die Jugendlichen kostenlos ist. Und freiwillig, betont Mitarbeiterin Tanja Kamieth. Niemand müsse Folgen fürchten, wenn er nach Monaten erneut Kontakt aufnimmt, ergänzt Manuel Dethloff.

Manche wollen gar nicht erreicht werden und tauchen ab, sagt Kurt Juhl. Dann suchen er und seine Kollegin Manuela Irrgang die Jungen und Mädchen zu Hause auf oder an öffentlichen Orten, um ihnen Angebote zu machen. Andere finden den Weg zur Beratungsstelle im Herzen des Flensburger Nordens auch selbst oder über Netzwerkpartner wie Arbeitsagentur oder Schulen, sagt Ingrid Brodersen. Auch verzweifelte Eltern haben sie schon angerufen und geklagt, dass Sohn oder Tochter einfach nichts tun. Dann bemüht sich Brodersen, den Jugendlichen zu einem Gespräch mit ihr zu bewegen, in dem sie dem jungen Menschen zuhört und ihm spiegelt, wie das ist, auf Dauer nur abzuhängen. Als Beraterin hat sie es oft einfacher als die Eltern, den „Punkt, der passt“, herauszufinden. „Kein Jugendlicher darf verloren gehen“, betont der Projektleiter das Ziel und hofft, dass noch mehr junge Menschen das Angebot nutzen.

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erstellt am 12.Mär.2016 | 13:00 Uhr

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