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Flensburger Tageblatt

11. Dezember 2016 | 05:13 Uhr

Hilfe für blinde Schüler in Nicaragua

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ehemaliger FH-Professor aus Flensburg spendet Blindenschreibmaschinen an eine Schule in Esteli und seine Heimatstadt Pasewalk

Sein Großonkel Oskar Picht ist als Pionier in die Geschichte eingegangen. Er war Erfinder der ersten funktionsfähigen Punktschriftmaschine für Blinde. Und diese Leidenschaft hat sich auf Eckhard Franke übertragen. Der pensionierte Professor für Informatik an der ehemaligen Fachhochschule Flensburg sammelt Blindenschreib- und Stenomaschinen jedweder Couleur.

81 Exemplare umfasst sein Bestand, den er akribisch datiert und in seinem Haus an der Moltkestraße archiviert hat. Doch jetzt wird er sich von einigen seiner guten Stücke trennen – und dabei viel Gutes bewirken. Nicht nur an einem nach Oskar Picht benannten Gymnasium in Pasewalk, wo beide aufgewachsen sind, sondern auch an einer Schule für Sehbehinderte in Nicaragua.

Die Verbindung zu dem Staat in Zentralamerika währt schon lange. Als Franke in den siebziger Jahren – er arbeitete damals in der Forschung bei AEG Telefunken – Länder wie Peru, Bolivien, Kolumbien oder Ecuador bereiste, stießen ihm die Gegensätze zwischen „extremer Armut und Touristen mit vielen Dollars in der Tasche“ auf. Er beschloss, aktiv zu werden. Das wurde durch die Revolution und Landreform 1979 in Nicaragua möglich. Als dort Brigadisten ausschwärmten, um den Bauern das Lesen und Schreiben beizubringen, reiste er mit ihnen durchs Land. Seine Mission: Alphabetisierung der Bevölkerung. Er hatte zuvor unter Berufskollegen gesammelt und 5000 D-Mark beigesteuert. „Dafür“, erinnert er sich „gab es einen Empfang im Kultusministerium und Empfehlungsschreiben von höchster Stelle.“

In Flensburg engagierte er sich in der Info-Werkstatt Nicaragua, die Vorträge, Filmabende und (fast 20 Jahre lang) das legendäre Fußballturnier am Stadion organisierte. Die Erlöse flossen in eine Ausbildungsstelle für Lehrer, die gleichzeitig das Tischlerhandwerk erlernten. „Wir haben die Werkstatt kontinuierlich finanziert“, betont sich der 72-Jährige.

Danach keimte immer wieder die Frage auf: Wo kann ich helfen? Es entstand das „Schreibmaschinenprojekt“. Modelle wie Blista, Erika Picht und Perkins Brailler gehen nun per Luftfracht nach Lateinamerika – 23 an der Zahl. Sie sind unverwüstlich, unabhängig von Strom und wartungsfrei – also ideal einzusetzen an einer Schule für Sehbehinderte und Blinde in der Stadt Esteli, die etwa so viele Einwohner beherbergt wie Flensburg. Die 50 Schüler dort verfügen lediglich über drei Blindenschreibmaschinen. „Der Bedarf ist also riesengroß“, sagt Franke. Er selbst hat die Sammelobjekte in der Regel günstig und meist über Ebay erstanden.

Ans Oskar-Picht-Gymnasium gehen acht Blindenschreibmaschinen. „Die Schule hat dafür Verwendung und irgendwie muss der Name ja auch mit Substanz unterfüttert werden“, findet Eckhard Franke. Natürlich ist ihm bewusst, dass die Digitalisierung auch blinden Menschen ganz neue Kommunikationswege eröffnet hat. „Aber die Maschine“, da ist er sicher, „hat noch nicht ausgedient.“

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erstellt am 27.Aug.2016 | 18:06 Uhr

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