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Flensburger Tageblatt

27. Juli 2016 | 03:11 Uhr

Hier sitzen die Betriebe in einem Boot

vom

Kappeln | Wassersportler kommen auf der Schlei voll auf ihre Kosten. Durch seine geschützte Lage in Ostseenähe ist der Meeres arm ein beliebtes Segelrevier. Dazu ist die "dänische Südsee" nur einen "Katzensprung" entfernt.

Doch was die Schlei dazu noch auszeichnet, ist ein komplettes Angebot an maritimen Serviceleistungen, das in seiner Dichte nahezu einzigartig ist. Einige Betriebe in der Region Kappeln haben sich zudem vor sieben Jahren unter dem Namen "schleiboot.de" zu einem maritimen Netzwerk verbunden.

"Begonnen hatte alles damit, dass einige maritime Firmen die Opti-Liga an der Schlei, eine Regattaserie für Nachwuchssegler, förderten", erläutert Thedje Ancker vom Yachtservice-Betrieb Ancker-Yachting die Anfänge von "schleiboot.de". Bald darauf haben sich die Firmen für einen gemeinsamen Messeauftritt bei der Hanseboot in Hamburg zusammen getan. Diese Zusammenarbeit hat sich dann auch nach der Messe fortgesetzt.

Jeder hat dabei laut Renate Steckmest von der Bootswerft Henningsen und Steckmest einen anderen Schwerpunkt. Und wenn eine Firma ausgelastet sei, dann rufe man die Kollegen an. "Es profitiert jeder von diesem Bündnis, und nach außen hat es auch eine gute Wirkung."

"Damals war dies der erste Verbund in unserer Branche", sagt Jens Burmester, einer der beiden Inhaber und Geschäftsführer der Segelmacherei "CO-Segel" in Grödersby. Heute sind es 17 Betriebe an der unteren Schlei, die zu dem Verbund gehören, vom Yachtdesign über Schiffs elektrik und Motorenhändler bis zur Bootswerft. Hier kann ein Kunde seine eigene individuelle Yacht entwerfen und bauen lassen.

All diese Einzelbetriebe bieten zusammen einen Komplettservice rund ums Schiff an. "Kein Einzelbetrieb kann diese Zahl an Spezialisten und dieses angehäufte Fachwissen vorweisen", so Burmester. Dabei geht man im Bündnis auch in der Ausbildung neue Wege. Wenn beispielsweise ein Bootsbaulehrling 14 Tage in einer Segelmacherei arbeiten will, ist das laut Burmester auch möglich.

Für Thedje Ancker, der dieses Bündnis nach außen vertritt, hat die Kooperation der Yacht- und Bootsbauspezialisten mehrere Facetten. "Das Besondere ist zunächst einmal, dass sich Mitbewerber gemeinsam für einander einsetzen." So werbe man nachhaltig bei der Kieler Woche oder auch in Dänemark. Zweiter Aspekt neben der Werbung sei, dass die Gemeinschaft auch als Interessenvertretung wirke. "Unsere Betriebe haben viele Berührungspunkte mit den Gemeinden. So bedürfen Bootsstege immer einer Genehmigung. Mit 17 Firmen und mehr als 200 Arbeitsplätzen hat man da ein anderes Standing als nur als einzelner Betrieb."

Hinzu kommt, dass man sich mit einer solchen Kooperation laut Ancker nicht so leicht dem Verdacht ausgesetzt sieht, nur das eigene Firmeninteresse zu verfolgen. Daher betrachte man sich innerhalb des Bündnisses auch weniger als Konkurrent als vielmehr als Kooperationspartner. "Wir tauschen Erfahrungen aus und helfen uns gegenseitig bei technischen Problemen." Mit "schleiboot.de" werde das Angebot für den Kunden besser, ohne dass sie weit fahren müssten. Das fand auch landesweit Anerkennung: Vor fünf Jahren wurde "schleiboot.de " beim schleswig-holsteinischen "Förderpreis Handwerk" ausgezeichnet.

Wichtig für das Bündnis ist laut Ancker daher auch die Qualität der einzelnen Kooperationspartner. Um das Niveau und den Zusammenhalt aufrecht zu erhalten, nennt Ancker einige Kriterien: "Unser Marketing ist überregional, aber unsere Betriebe befinden sich auf einer regional begrenzten Fläche." Außerdem legt er Wert darauf, dass es sich bei den Mitgliedern um klassische Handwerksbetriebe aus dem Mittelstand handelt. "Der Branchenmix muss stimmen, aber die Betriebe müssen auch zu uns passen." Aus Sicht von Ancker hat sich die Kooperation bewährt. Dafür spricht auch ein Kuriosum: Obwohl das Bündnis schon seit einigen Jahren existiert, hat es bis heute keine Satzung oder Rechtsform. Dazu Segelmacher Jens Burmester: "Es funktioniert auch so, weil alle ein Interesse an der Kooperation haben."

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erstellt am 24.Feb.2011 | 06:48 Uhr

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