zur Navigation springen

Flensburger Tageblatt

07. Dezember 2016 | 23:20 Uhr

Bühne : Herzergreifendes Stück über Sklaverei

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Perfekter Auftakt der Harrisleer Theatersaison mit „Onkel Toms Hütte“ und einem Ensemble rund um den bekannten Schauspieler Ron Williams

Im sehr gut gefüllten Theater des Harrisleer Bürgerhauses präsentierte der bekannte US-amerikanische Schauspieler, Sänger, Synchronsprecher und Moderator Ron Williams ein begeisterndes Stück – zum Auftakt der Theatersaison in der Gemeinde.

Das Besondere an dieser Vorführung: Sie erzählt nicht nur aus dem Roman „Onkel Toms Hütte“ (1852) von Harriet Beecher Stowe, sondern auch die Geschichte über einen Resozialisierungskurs von vier straffälligen amerikanischen Jugendlichen.

Tom Rutherford (Ron Williams) stammt aus der Southside von Chicago. Er war früher Mitglied einer Straßengang, ist jetzt Sozialpädagoge und betreibt im Gefängnis einer mittelamerikanischen Großstadt ein kleines Theater, dem er den Namen „Onkel Toms Hütte“ gegeben hat; nicht nur, weil Tom den gleichen Namen trägt, sondern weil er dort schon seit mehr als einem Jahrzehnt – Jahr für Jahr – die gleiche Geschichte zur Aufführung bringt: Harriet Beecher Stowes „Onkel Toms Hütte“.

Vier junge inhaftierte Amerikaner unterschiedlicher Ursprungsnationalitäten führen das Stück mit einfachsten Mitteln auf, unter der Leitung ihres Rehabilitierunghelfers Rutherford, der selbst den Onkel Tom spielt, und unter musikalischer Begleitung des lebenslänglich verurteilten Musikers Barney. Sie schlüpfen in die Rollen der verschiedenen Roman-Charaktere, aber sie verkörpern nicht nur das Sklavenelend, das sich in den Südstaaten der USA bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts unaufhörlich verbreitet hatte; die Gefangenen tragen auch ihre eigenen Geschichten und Songs vor – begleitet von klassischen Spirituals – um den Zuschauern ihre Konflikten näher zu bringen, und um die Missstände vergangener Zeiten, die sich zum Teil bis heute wiederholen, für sich und auch für ihr Publikum verständlicher zu machen.

Mit nur vier weiteren Schauspielern und einem Keyboarder wurde bei diesem Stück ein modernes Theaterspiel mit zahlreichen wechselnden Rollen meisterlich inszeniert. Oben drauf gab es viele schöne und vor allem bekannte Songs aus Gospel, Rock, Soul und Pop zu hören. Diese Kombination ergab am Ende ein äußerst herzergreifendes Stück über Menschenrechte in Bezug auf Sklaverei und zum Nachdenken ebenso wie beste Stimmung im Publikum bei den vielen schönen Songs.

Das Finale nach zwei Stunden und zehn Minuten mit „Let it shine“ sorgte für stehende Ovationen im Publikum; die sechsköpfige Gruppe mit dem bereits 74-jährigen Ron Williams hatte alle Erwartungen übertroffen.



Für die nächsten Theaterabende am 3. November („In alter Frische“), 20. Januar („Zwei wie wir“) und 11. März 2017 („Vater“), Beginn jeweils um 19.30 Uhr, gibt es noch Karten. Nähere Informationen unter www.harrislee.de oder Telefon 0461-7060.

zur Startseite

von
erstellt am 10.Okt.2016 | 18:14 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen