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Flensburger Tageblatt

04. Dezember 2016 | 23:30 Uhr

Bühne : Herr Sch stellt sein Publikum vor die Wahl

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das neue Theaterstück der Pilkentafel handelt von Entscheidungen und Demokratie im Alltag

„Kraftakt, ich Kraft, ich Akt.“ Diese Worte sagt Torsten Schütte mehr zu sich selbst als zum Publikum, während er sich gegen die Wand stemmt, an ihr herab gleitet und sich von ihr abstößt.

Diese Szene ist der Beginn des zweiten Aktes des Theaterstücks „Herr Sch spricht“. Die Premiere findet am Donnerstag, 13. Oktober, um 20 Uhr in der Theaterwerkstatt Pikentafel statt.

„War das eine Sprache, Körpersprache, ist das zu verstehen?“ Schütte steht barfuß, im schwarzen Anzug, nur einen Meter vor dem Publikum. Er spricht die Zuschauer direkt an und stellt sie vor die Wahl: Ja oder Nein. Sie müssen eine Seite wählen. Sitzen sie links oder rechts auf der Tribüne. „Es geht in dem Theaterstück um Demokratie. Wenn einer redet, dürfen dann auch die anderen reden? Wer hat was zu sagen, wir alle oder nur die da oben?“, fragt Elisabeth Bohde, Regisseurin des Stücks. „Wie gehen wir mit Widersprüchen um?“ Sie stellt in dem Stück in Frage, ob es zwangsweise nur ein Dafür und ein Dagegen gibt oder ob auch ein Dazwischen existiert.

„Eigentlich ist das Theater kein demokratischer Ort. Hier wird er zu einem.“ Bereits vor Beginn des Stücks werden die Gäste vor die Wahl gestellt. Auf den Eintrittskarten steht „Widerspruch“ und „Zustimmung“. Eine Seite wird abgestempelt. Durch die Wahl entscheidet sich der Sitzplatz.

Die Aufführung ist trotz des schwierigen Themas kein Vortrag und versucht nicht, die Antworten auf die Fragen zu finden. Sie soll dem Zuschauer eine neue Perspektive bieten. „Sie soll anregen, selber zu neuen Denkansätzen zu kommen.“ Der Schauspieler Torsten Schütte selbst wirft die Fragen auf und bildet sie anhand seines Berufes und seines Lebens ab.

„Etwas Autobiographisches“, startet er in die nächste Szene. Er erzählt von seiner Schulzeit: Seiner Klasse wurde der Kartenständer geklaut und er holte ihn zurück. Während Schütte spricht, macht er große Gesten und kämpft mit imaginären Gegnern. Dann plötzlich wird er ganz ruhig, spricht von Unsicherheit und seiner Rebellion gegen die Autoritäten.

Die vierte Wand, die den Schauspieler vom Publikum trennt, existiert zu keinem Zeitpunkt. Schütte macht den Einlass, weist den Gästen ihre Plätze zu und kündigt sich selbst an. Er steuert das Licht und macht die Musik. Mal hält er einen Monolog und im nächsten Moment spricht er direkt seine Zuschauer an. Es ist nie klar, ob er gerade sich selbst verkörpert oder jemand anderen spielt. „Wir wollen mit dem Theaterstück das Hinterfragen der Wirklichkeit zu einem Erlebnis machen“, so Elisabeth Rode. Dafür brechen sie mit den Theaterkonventionen.

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erstellt am 11.Okt.2016 | 18:22 Uhr

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