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Flensburger Tageblatt

03. Dezember 2016 | 10:45 Uhr

Heiße Musik – prall gefüllte Kneipen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das 16. Honky-Tonk-Festival in Flensburg verbindet Generationen und musikalische Welten

In einem kleinen Raum, der an ein heimisches Wohnzimmer erinnert, steht ein schwarzer Flügel. Auf Hochglanz poliert, dient er als Unterlage für eine Flasche Flensburger Pils. Ein gemütliches „Plop“ ertönt in einem kurzen Moment der Stille nach einem Coversong von Elvis Presley. Das trifft wohl ziemlich genau das Bild und das Flair vom 16. Honky Tonk in Flensburg.

Beim traditionellen Kneipenfestival wurden Cafés, Kneipen und Clubs in der Innenstadt kurzerhand zu Bühnen für das vielseitige Musikangebot umfunktioniert. Die Flensburger tingelten dabei durch ein breit gefächertes Spektrum musikalischer Stilrichtungen. Dabei konnten die Besucher je nach Lust und Laune zwischen 20 Locations, 18 Bands und 4 DJ’s wählen. Dabei konnte es dann auch schon mal passieren, dass sich heiße Salsa-Latino-Grooves mit einem gecoverten „Westerland“ von den „Ärzten“ abwechselten.

Unkompliziert, wie sich die Norddeutschen gern mal geben, gab es sogar spontane Gesangseinlagen des Publikums zu hören. Welten prallten nicht nur musikalisch aufeinander, aber genau das gehörte an diesem besonderen Abend auch dazu. Junge Studentengruppen tanzten neben älteren Generationen und wer sich wo dazu gesellte, bestimmte nur der persönliche Musikgeschmack. Ob mit kunstvoll dekorierten Cocktails oder einfach einem bodenständigem Bier – jeder genoss den Abend nach seinem Geschmack. In zwangloser Atmosphäre wurde getanzt oder auch einfach nur zugeschaut.

21 Uhr markierte den offiziellen Beginn des Stadtevents, und gleichzeitig in allen Auftrittsorten begannen die Musiker mit ihrem Programm. Wo der Abend seinen Anfang nahm, konnte jeder selbst für sich entscheiden und so ließ man sich nach Lust und Laune durch die belebte Innenstadt treiben und von der Musik anziehen.

Für feurige Rhythmen sorgte dabei die Band „Panamena Son“ in der Tapasbar La Tasca und heizte dem Publikum mit stimmungsgeladener Musik ein, die durch die weit geöffneten Fenster auch die nicht zahlenden Partygänger auf dem Nordermarkt beglückte. Hochkarätiger Akustik-Blues wurde im Hotel Arcadia geboten. Auch wenn der Ort für diese Art der Musik etwas gewöhnungsbedürftig war, lauschte das leider etwas spärlich besetzte Auditorium der schwarzen Stimme von „Black Cat“, einem versierten Gitarrero und artistisch aufspielenden Bluesharp-Solisten bis morgens um zwei Uhr.

Ein paar Meter weiter gab es schon früh am Abend kaum noch ein Durchkommen. „The Andersons“ waren ein Hauptact des Abends und sorgten mit ihrem Comedy-Rock im Klähblatt für reichlich Stimmung. Genauso wie die langmähnigen Rocker von „Geronimo“, die im Central Café fast schon so etwas wie Stammgäste sind.

In der Gastro Lounge animierten „Sconehead“ besonders das jüngere Publikum zum Tanzen. Das Duo „Keuflich und B. Stächlich“ spielte im Café Friends unter anderem altbekannte Stücke, die das Publikum aber offensichtlich noch lange nicht satt hatte. Der gecoverte Song „Westerland“ von der Band „Die Ärzte“ lud das Publikum auch diesmal wieder zum Mitsingen ein.

Die Stimmung im Brasseriehof mit „The Piano Man“ Klaus Porath am Flügel erinnerte dagegen an ein privates Konzert in kleinerer Runde. Zu hören gab es hier fetzigen Rock’n’Roll nach Elvis Presley oder mit spontaner gesanglicher Unterstützung zweier Damen aus dem Publikum das Lied „Im Wagen vor mir“ von Henry Valentino. Ganz nach norddeutscher Manier genoss dort jeder auf seine Art die Stimmungsschlager. In eleganten Damensandalen auf weiblicher Seite, gepaart mit Turnschuhen auf der Herrenseite gab es schließlich auch noch eine Tanzeinlage im Standardtanz. Getanzt wurde auch im „Max“ – dort trieb die Band „Tin Lizzy“ den Gästen mit perfekt arrangierten Coversongs den Schweiß auf die Stirn. Gecovert wurde auch im Heimathafen (Sim Special), das zum ersten Mal an dem Festival teilnahm.

Die Vielfalt Flensburgs wurde auch an diesem Abend eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der Altersdurchschnitt ließ sich nur schwer bestimmen. Der Satz einer jungen Dame „Sorry, gibt es hier auch noch eine Zugabe?“ nach einem älteren Lied im Brasseriehof erntete Grinsen von Seiten der älteren Besucher. Da sie mit dieser Frage aber allen Anwesenden aus der Seele sprach, wurde der Wunsch auch umgehend in die Tat umgesetzt.

Das Honky Tonk hat Flensburg verbunden. Neugierde und manchmal auch Erstaunen gab es zwar, wenn „die jungen Hüpfer“ zu Liedern aus den 80er Jahren mitfeierten, doch Offenheit und der Spaß an der Musik standen immer an erster Stelle.

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erstellt am 26.Sep.2016 | 07:18 Uhr

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