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Flensburger Tageblatt

10. Dezember 2016 | 08:09 Uhr

Jugendwohnheim in Flensburg : Heimschließung mit Nebenwirkungen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach Zwangsstillegung des Wohnheims Wrangelstraße: Potenzieller Nachfolgebetrieb ohne Chance

Der Schlussakt spielt im Internet. Am 3. März schloss das Landesjugendamt ein Jugendwohnheim in der Flensburger Wrangelstraße 31 wegen schwerwiegender Versäumnisse. Die damaligen Betreiber hatten bereits weit gediehene Pläne für einen Neuanfang im ehemaligen Mütterkurheim des ADS-Grenzfriedensbundes in Langballig. Doch daraus wurde nichts. Das Objekt – im Januar vom Betreiber-Ehepaar der geschlossenen Flensburger Einrichtung gekauft – steht schon wieder zum Verkauf. Mit einem Preisaufschlag von 100 Prozent.

Für Langballig ist das ein ziemlicher Schlag ins Kontor. ADS beschäftigte bis zur Schließung des Heims vor zwei Jahren bis zu 20 Mitarbeiter, überwiegend aus dem Amtsbereich. Zudem erlaubte der Grenzfriedensbund die teilweise öffentliche Nutzung des Hallenbades von Haus Remmer – auch für den Tourismus ein wichtiger Faktor. Jetzt aber guckt Bürgermeister Peter Dietrich Henningsen weiter in die Röhre. „Das ist haushaltsmäßig nicht ohne“, sagt er. Zumal Langballig noch einen zweiten schweren Schlag verkraften musste – den Großbrand des Team-Baucenters Anfang Juni. Auch hier ist nicht klar, wie es weiter geht.

Dem Objekt an der Grundhofer Straße droht wohl noch ein längerer Leerstand. 2,2 Millionen Euro sind als Kaufpreis aufgerufen, dabei hatte Rolf Nagel, der Mitbetreiber des Flensburger Heims, es für 1,1 Millionen Euro erworben. Für den eiligen Verkauf sind gleich zwei Erklärungen verfügbar. Die eine führt nach Flensburg. Im Betrieb des Jugendwohnheims Wrangelstraße sollen so gravierende Versäumnisse festgestellt worden sein, dass Nagel nicht hoffen durfte, als Betreiber in Langballig wieder eine Betriebserlaubnis zu bekommen. Das lassen jedenfalls Äußerungen aus dem Sozialausschuss des Kieler Landtags vermuten, der zu dem Thema tagte.

Die zweite Erklärung liefert ein Ehepaar aus Harrislee. Das Paar fühlt sich von Nagel ausmanövriert. Die Eheleute behaupten, als Geschäftspartner von Nagels Ehefrau Rita die Einrichtung „Mädchenhaus Fördeblick“ in Langballig weit vorangetrieben zu haben. Finanzierung, Betriebserlaubnis, Betriebskonzept – alles habe vorgelegen bzw. sei beantragt gewesen, als Nagel das Projekt stoppte. Die beiden Harrisleer vermuten mittlerweile, dass das Kur-Landheim für den auch im Immobiliengeschäft tätigen Diplom-Sozialpädagogen immer nur Renditeobjekt gewesen sei. Was natürlich bestritten wird. Die Harrisleerin als ehemalige Beschäftigte wird von Nagel verdächtigt, durch eine anonyme Falschanzeige die Einrichtung zu Fall gebracht zu haben. Dies zu behaupten wollte ihm Sabine Krause per einstweiliger Verfügung untersagen - allerdings hat Nagel die Unterlassungserklärung bis heute nicht abgegeben. (in einer früheren Version des Artikels hieß es, Sabine Krause habe ihm das per einstweiliger Verfügung untersagt. Diese Darstellung war falsch und wurde korrigiert).
 

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erstellt am 06.Jul.2016 | 18:22 Uhr

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