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Flensburger Tageblatt

02. Dezember 2016 | 19:16 Uhr

Nach der Räumung der „Luftschlossfabrik“ : Harniskaispitze in Flensburg: Wüste statt Spaß

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Zwischennutzung kann nicht wie geplant im August beginnen. Die Anbieter brauchen finanzielle Hilfe. Die Grünen sehen sich bestätigt.

Gähnende Leere an der Harniskaispitze: Seit dem traurigen 8. Juli, als die Fußball-Nationalmannschaft im Halbfinale gegen Frankreich ausschied, ist auf der freigeräumten sandigen Fläche nichts mehr passiert. Und es wird hier auch nichts mehr passieren, jedenfalls nicht mehr im August. Ob es im September oder später im Herbst noch etwas wird, bleibt abzuwarten und hängt von der Bereitschaft der Stadt ab, Geld locker zu machen.

Die Ursprünge des Streits um das Gelände liegen lange zurück. 2010 hatte die Stadt Flensburg das Gelände am Harniskai an ein Unternehmen verpachtet - die Firma Highship Ltd. Weil dort aber nichts passierte, hatte die Stadt das Gelände 2013 zurückgefordert und damit vor Gericht Recht bekommen. Das war 2015. In der Zwischenzeit hatte sich die Gruppe Alternativer auf dem Gelände ihr Kulturprojekt aufgebaut. Die Polizei räumte das Gelände. Nun will die Stadt die Fläche neu nutzen.

Das heißt für den Sommer 2016: Kein Biergarten, kein Rollrasen, keine Grillplätze, vor allem aber keine Bühne für irgendwelche Aktivitäten, kein „Piratennest“, das hier eigentlich im August an den Start gehen sollte. Mit großem öffentlichkeitswirksamen Aufwand, mit Ausschreibung, Bürgerbeteiligung, Ausstellung und vor allem mit großem Personalaufwand im Rathaus wurde die Zwischennutzung nach der Zwangsräumung des Areals im Februar angegangen. Ergebnis: Null, jedenfalls vorläufig.

„Beide Anbieter haben Schwierigkeiten, noch in diesem Jahr anzufangen“, sagt Helmut Pagel, Chef der Gesellschaft für Stadterneuerung, die das Projekt betreut. Der eine ist Harald Dittmer, der unter dem Projektnamen „Piratennest“ unterschiedliche Aktivitäten auf einer kleinen Bühne realisieren wollte. Dafür benötige er Genehmigungen, so Pagel, die eines erheblichen Aufwands bedürfen. „Ab Ostern 2017 will er aber richtig durchstarten“, so Pagel.

Der andere Anbieter, Förde Show Concept, hatte während der Fußball-EM an sechs Abenden die Spiele des deutschen Teams auf einer Leinwand übertragen, verbunden mit Getränkeverkauf. Dies geschah jedoch gewissermaßen außer der Reihe. Für die Zeit der eigentlichen Zwischennutzung hatte das Unternehmen den Zuschlag für Open-Air-Veranstaltungen bekommen. „Das wird in diesem Jahr aber nichts mehr“, sagte Geschäftsführer Peter Thomsen. Für das kommende Jahr könne er sich etwas vorstellen, man sei mit Künstlern in Kontakt und habe die Fläche als Open-Air-Arena angeboten.

Weitere Ideengeber sind auf finanzielle Hilfe durch die Stadt angewiesen. Anfang September wird sich der Umwelt- und Planungsausschuss erneut mit dem Thema beschäftigen. Er kann dann eine Empfehlung abgeben, Geld in die Hand zu nehmen, um doch noch Aktivitäten an der Harniskaispitze in diesem Jahr zu realisieren.

Nachdem das besetzte und als „Luftschlossfabrik“ genutzte Gelände im Februar mit großem Polizeiaufgebot geräumt worden war, kam aus der Politik ganz schnell der Wunsch nach einer Zwischennutzung unter intensiver Beteiligung der Bürger. Es kamen auch viele Vorschläge, die aber alle mit einem gewissen Aufwand verbunden waren. Und die Stadt wollte zwar die Fläche, aber möglichst kein Geld zur Verfügung stellen. Deshalb blieb am Ende nicht viel übrig.

„Genau das haben wir im Februar gesagt: keine Räumung, so lange keine andere Nutzung für die Fläche feststeht“, sagte gestern Ellen Kittel-Wegner, Vorsitzende der Grünen-Ratsfraktion. „Da kann man nur den Kopf schütteln. Man hätte diesen ganzen Konflikt vermeiden können.“ Anderer Meinung ist Frank Markus Döring, Leiter der CDU-Fraktion: „Die Räumung war erforderlich, unabhängig von irgendeiner Nutzung hinterher, weil sich sonst die Dinge, die wir dort geduldet hatten, rechtlich hätten verfestigen können.“

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erstellt am 30.Jul.2016 | 07:42 Uhr

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