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Flensburger Tageblatt

31. August 2016 | 18:02 Uhr

Luftschlossfabrik in Flensburg : Harniskai: Wird am Montag geräumt?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Ultimatum des Gerichtsvollziehers zur Aufgabe der Luftschlossfabrik läuft am Sonntag ab. Die Besitzer wollen sich verteidigen.

Flensburg | Die Uhr läuft. Am Sonntag, 31. Januar, Mitternacht, endet die Frist für die Bewohner der Luftschlossfabrik am Harniskai. Dann müssen sie mit ihren umgebauten Last- und Bauwagen abgerückt sein, die seit der Bruchlandung des Investors „Highship“ als Kern eines alternativen Projektes dort abgestellt sind. Das Ultimatum des Gerichtsvollziehers läuft und wird nicht mehr verlängert. Im Laufe des Februars, so Gerichtssprecher Carsten Bockwoldt, wird der Räumungstitel der Stadt vollstreckt. Es ist schon jetzt absehbar, dass diese Räumung nicht ganz lautlos über die Bühne gehen wird.

Luftboote, Luftschloss und dann? Nach dem Reinfall mit der Fertigung von Luftbooten durch die Firma Highship Ltd. und der Besetzung des Geländes durch eine Gruppe Alternativer, die dort ein Wohn- und Kulturprojekt realisiert haben, droht nach der Räumung erneut Stillstand an der Harniskai-Spitze.

Die Mehrheit im Rat möchte die illegale Besiedelung durch das selbst ernannte Wohn- und Kulturprojekt beendet wissen, um mit allen Bürgern, also auch den jetzigen Bewohnern, in aller Ruhe über künftige Nutzungsformen des Hafengrundstücks zu reden. Die Fraktionen der Grünen und der Linken hatten bis zuletzt versucht, das Verfahren zu stoppen. Da keine anderen Nutzungsinteressen für das Areal bestünden, sei die Zwangsräumung mitten im Winter unverhältnismäßig und nur auf der Basis eines Ratsbeschlusses möglich, argumentieren die beiden Fraktionen. Die Siedler wandten sich in einem offenen Brief an die Stadt, warben für kulturelle Vielfalt und forderten eine Aussetzung des Räumungsbeschlusses. Vereinzelt finden sich in der Stadt auch Plakate, die einen Vorgeschmack geben. „Luftschlossfabrik verteidigen!“ steht über dem Portrait eines Wolfskopfes. „Bereit für den Tag X. Die Stadt gehört uns allen!“

Eindeutige Aussage: Dieses Plakat hängt an einem Bauzaun am Holm.
Eindeutige Aussage: Dieses Plakat hängt an einem Bauzaun am Holm. Foto: Dommasch
 

„Tag X“ könnte schneller anbrechen, als manch einem lieb ist. Grüne und Linke wollen das Thema mit aller Kraft wieder in die öffentliche Diskussion ziehen; die nächste Gelegenheit dafür böte sich in der nächsten Sitzung des Hauptausschusses, am Dienstag, 2. Februar. Die Mehrheit im Rat steht der Verfestigung der bestehenden Nutzung jedoch sehr skeptisch gegenüber und sieht darin nur einen geringen Nutzen für einen geringen Anteil der Bevölkerung. Daher wäre aus deren Sicht der kommende Montag, 1. Februar, ein perfekter Tag, um das seit über zwei Jahren schwelende Verfahren mit Polizei- und Bulldozerhilfe zu beenden. Im Rathaus hält man sich bedeckt. Kein Wort zu den Terminen. Herr des Verfahrens, sagt Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf, sei einzig und allein der Gerichtsvollzieher, der jetzt für den Vollzug des Räumungsbeschlusses verantwortlich ist. Über den Termin, so Bockwoldt, seien die Stadt und ihre Schuldnerin informiert.

Ein Video über die Luftschlossfabrik vom März 2015:

Ob die Schuldnerin viel Spaß an der Aktion haben wird, darf bezweifelt werden. Schuldnerin ist die „Investorin“ Barbara Geisel, die hier ihre fabelhafte Flugboote-Fabrik gegen die Wand fuhr. In allen Instanzen war sie der Stadt unterlegen, als um die Rückgabe des Grundstücks gekämpft wurde. Die jetzt anlaufende Zwangsevakuierung der Bewohner, Lagerung und Abtransport von Bauwagen und anderem Eigentum, Abriss nicht genehmigter Bauten, Aufräumen, Rückbau, Reparatur, Wiederherstellung der Immobilie, allgemeine Kostenerstattung gehen auf ihr Konto, weil sie als Pächterin die illegale Besiedelung ermöglicht hat. Je nach Umfang dürfte die Aktion also noch erhebliche Kosten anhäufen. Die Gläubigerin – also die Stadt – gehe bei solchen Verfahren in Vorlage und stelle die Kosten der Schuldnerin in Rechnung, so Bockwoldt.

Damit dürften die Forderungen an die einstige Vorzeige-Unternehmerin noch höher in den sechsstelligen Bereich schnellen. Dass Geisel für ihr rätselhaftes Flensburger Abenteuer zahlt, glaubt im Rathaus keiner mehr. Ob den illegalen Siedlern aus dem Einsatz finanzielle Konsequenzen drohen, wusste Bockwoldt am Dienstag nicht zu sagen. Konkret wollte der Gerichtssprecher zu dem drohenden Szenario nicht Stellung nehmen. Grundsätzlich sei es immer teurer, wenn eine Räumung mit staatlicher Gewalt durchgesetzt werden muss. Auch im gegenwärtigen Stadium gebe es immer noch die Möglichkeit einer Einigung. „Bei Vernunft aller Beteiligten wird der Eingriff natürlich günstiger.“

 

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erstellt am 27.Jan.2016 | 13:00 Uhr

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