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Flensburger Tageblatt

31. August 2016 | 06:18 Uhr

Luftschlossfabrik in Flensburg : Harniskai – die Räumung rückt näher

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Gerichtsvollzieher kam zu einem Ortstermin in die Luftschlossfabrik. Die Stadt hofft auf eine einvernehmliche Lösung ohne Zwangsräumung.

Flensburg | Jetzt wird’s ernst für die letzten verbliebenen „Siedler“ an der Harniskaispitze. Gestern war der Gerichtsvollzieher da, der nächste Schritt wäre dann die Räumung des Geländes. Dazu muss es jedoch nicht kommen, denn die Stadt hat den Bewohnern ein Angebot gemacht, sie nach dem Verlassen der „Luftschlossfabrik“ samt Hab und Gut sowie ihren Wohnwagen sicher unterzubringen.

Es war nur ein Besichtigungstermin, zu dem der Gerichtsvollzieher zum Harniskai gekommen war. Er wolle sich ein Bild von den Gegebenheiten machen, sich ein wenig umschauen, sagte auf Tageblatt-Anfrage Helmut Pagel, Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft für Stadterneuerung (FGS). Wann es dann tatsächlich zur Zwangsvollstreckung kommen werde, vermochte Pagel nicht zu sagen. Er hoffe allerdings, dass es dazu gar nicht komme, sondern dass die Bewohner dort freiwillig das Feld räumen.

Schon im März 2015 hatte die Ratsversammlung mehrheitlich beschlossen, dass das Gelände geräumt werden müsse. Nachdem es trotz großer Geduld der Stadt hier nicht zur versprochenen Ansiedlung der Firma Highship Industries gekommen war, hatte eine heterogene Gruppe überwiegend jüngerer Menschen die Gebäude und das Freigelände in Beschlag genommen und es kreativ genutzt – für Konzerte, Ausstellungen, Workshops. Später entstand hier eine kleine Bauwagensiedlung. Heute leben dort rund 15 Personen in ebenso vielen Bauwagen, schätzt Pagel.

„Ich kann nur hoffen, dass es zu einer einvernehmlichen Lösung kommt“, sagt der FGS-Chef. „Wir wollen den Menschen, die dort noch ansässig sind, helfen“, bekräftigt er. Er habe ihnen eine Wohnung, die im Besitz des Sanierungssondervermögens sei, angeboten. Zudem könne er ihnen einen sicheren Winter-Stellplatz für die Bauwagen anbieten, die, wie er erfahren habe, einen Wert von bis zu 4000 Euro pro Stück hätten. „Wenn sie willens und kooperativ sind, bringen wir sie alle unter.“

Zudem plane er, im Rathaus einen „Diskurs über die Wohnform Bauwagensiedlung“ anzuschieben. In diesem Bereich gebe es in Flensburg durchaus einen Bedarf, so Pagel. Er habe allein zwischen März und September fünf Gespräche mit der Nutzergruppe geführt und dabei einen positiven Eindruck von diesen Menschen gewonnen. Dabei war der Gruppe das sogenannte Gleisdreieck in Weiche als Ersatz angeboten worden; auf diesem der Bahn gehörendem Grundstück war jahrelang der Verein Arbeiten für die Umwelt (AfdU) angesiedelt. Nach anfangs positiven Signalen von DB Immobilien habe sich die Bahn letztlich aber gegen eine Vermietung ihres Areals an die „Luftschlossfabrik“ entschieden. Über diese Gespräche hatte Pagel schon im Oktober den Hauptausschuss der Ratsversammlung informiert.

Was die Stadt mit einer geräumten Harniskaispitze vorhat, ist unbekannt. Alle früher einmal angedachten Pläne für dieses Filetstück in exponierter Hafenlage konnten nicht konkretisiert werden. Deshalb geht es zunächst um eine Zwischennutzung. Doch selbst für diese möchte die Stadt „einen mehrstufigen Ideenfindungsprozess“ auf den Weg bringen, in den sich „alle Interessierten (Anbieter und Nutzer) einbringen können“, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

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erstellt am 08.Jan.2016 | 08:00 Uhr

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